ETFs: Wirklich ohne Emittentenrisiko?

Ein Leser schreibt: „Ich möchte mein Geld in einem Geldmarkt-ETF parken, und überlege mir, Anteile von dem db x-trackers TR EONIA ETF zu kaufen, den Sie kürzlich vorgestellt haben. Ich möchte aber sicher sein, dass es sich dabei wirklich um Sondervermögen handelt. Im Internet habe ich Hinweise gefunden, dass der Fonds nicht nur in Staatsanleihen investiert, sondern auch auf die Garantien anderer Banken setzt, die im Falle eines Konkurses nicht abgesichert sind. Wie steht es um die Sicherheit von ETFs? Ist das wirklich reines Sondervermögen? Oder gibt es doch eine Art Emittentenrisiko?“

Die Frage ist berechtigt. Denn tatsächlich ist die Sachlage bei ETFs nicht ganz einfach. Grundsätzlich gilt Folgendes: ETFs sind Sondervermögen, das gilt auch für den db-xtrackers TR EONIA oder das vergleichbare Produkt der Commerzbank ComStage EONIA Index TR.

Allerdings kommen die verschiedenen Anbieter solcher ETFs oft doch nicht ganz ohne Derivate – also ohne abgeleitete Wertpapiere mit Emittentenrisiko aus. Konkret: Beim Versuch, einen Akten-Index (wie den DAX) möglichst genau abzubilden, können sie entweder exakt die Wertpapiere kaufen, die in dem betreffenden Index enthalten sind. Das nennt sich dann „volle Replikation“. Ein Anbieter, der dieses Konzept verfolgt, ist etwa Barclays Global Investors, dessen ETFs unter dem Namen iShares vertrieben werden. Auch die zur Deka-Gruppe gehörige ETFlab setzt auf die volle Abbildung eines Index durch den Kauf der darin enthaltenen Wertpapiere.

Es gibt aber auch ETF-Anbieter, die nicht alles kaufen, was im Index enthalten ist. Und es gibt Indizes, die sich gar nicht exakt durch einen Wertpapier-Kauf abbilden lassen, wie etwa der EONIA-Index. Deshalb setzen die ETF-Anbieter oft auf so genannte Swaps. Das sind Tauschgeschäfte, bei denen eine Bank dem ETF-Anbieter die Performance des zugrundeliegenden Index garantiert – ohne dafür zwingend genau die Aktien oder Anleihen vorhalten zu müssen, die für diese Performance sorgen. Die Anbieter, die auf Swap-Nachbildung setzen, sind beispielsweise db x-trackers (Deutsche Bank), Lyxor (Société Générale) und ComStage (Commerzbank).

Der Vorteil für die Banken besteht darin, einen Index – oder auch einen Zinssatz – auf diese Weise besonders genau und kostengünstig abbilden zu können. Bestimmte Indizes, etwa ein Rohstoff-Index, lassen sich ohne Swaps überhaupt nicht nachbilden. Aber es gibt auch einen Nachteil: Bei Swaps besteht tatsächlich die Gefahr, dass der Vertragspartner, also die Bank, die die Performance garantiert, pleite gehen kann. Das nennt man Kontrahentenrisiko (der Kontrahent ist die Gegenpartei bei einem solchen Swap).

Glücklicherweise ist der Einsatz von Swaps bei allen ETFs gesetzlich auf maximal 10 Prozent begrenzt. Das heißt: Sie gehen mit maximal 10 Prozent Ihres ETF-Vermögens ins Risiko, aber nicht mit mehr. Zudem gilt: Die ETF-Anbieter reagieren zunehmend auf die verunsicherten Nachfragen der Anleger. So auch bei db x-trackers EONIA ETF. Da die Nachfrage nach einem besonders sicheren Produkt enorm gestiegen ist, hat der Anbieter hier das Swap-Risiko auf derzeit Null reduziert. Wissen müssen Sie, dass Swap-basierte ETFs oft etwas günstiger sind als ETFs die auf die volle Nachbildung setzen. Zwischen 0,05 und 0,15 Prozent im Jahr kann das an Verwaltungsgebühren ausmachen. Ob Sie bereit sind, für diese Ersparnis mit maximal 10 Prozent Ihres Einsatzes das Risiko eines Ausfalls auf sich zu nehmen, müssen Sie bei jedem ETF-Kauf selbst entscheiden.Herzlichst

Ihr

BKK-Unterschrift-Liemen

Dr. Erhard Liemen,

Chefredakteur von:

„Bankkunden – vertraulich“

„Der Deutsche Wirtschaftsbrief“

21. November 2008

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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