Apple Sonderausschüttung: 100 Mrd. Dollar für eigene Aktien

Viele Apple-Anleger jubeln aufgrund der Sonderausschüttung - doch die hat auch ihre Schattenseiten. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Die Freude bei Apple-Anlegern ist groß. Das weltweit wertvollste Unternehmen nach Marktkapitalisierung will seine enormen Barreserven in Übersee dazu nutzen, um eigene Aktien im großen Stil zurückzukaufen.

Die geplante Sonderausschüttung von Apple in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar soll in Form von Aktienrückkäufen an die Anleger fließen. Die Sonderausschüttung wird durch die US-Steuerreform möglich, wodurch der iPhone-Hersteller einen Großteil der Barreserven, die bislang in Übersee lagerten, zurück in die USA holen kann. Insgesamt sitzt Apple per Ende des ersten Quartals 2018 auf Cash-Reserven von 267,2 Mrd. US-$.

Apple und die Gründe für die Sonderausschüttung

Doch warum nutzt Apple seine Kriegskasse nicht für Übernahmen oder weitere Investitionen? Die Entscheidung, das Geld in Form einer Sonderausschüttung an die Aktionäre zurückzugeben, dürfte Apple nicht schwergefallen sein. Schließlich profitieren von einem Aktienrückkaufprogramm nicht nur Investoren, sondern auch Apple-Manager und -Mitarbeiter, die Apple-Aktienoptionen im großen Stil halten.

Anleger müssen wissen, dass Aktienrückkäufe ein relativ probates Mittel sind, um den Aktienkurs weiter zu heben. Kauft Apple eigene Aktien am Markt auf, sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien, wodurch sich der Gewinn je Aktie auf dem Papier erhöht. Gleichzeitig stützt Apple mit den Rückkäufen damit den eigenen Aktienkurs, tritt Apple dadurch als Nachfrager auf.

Die Aktion dürfte Apples Ruf in der Investorengemeinde weiter heben, hat Apple seit 2012 nun rund 275 Mrd. US-$ an die Aktionäre zurückfließen lassen. Neben dem Aktienrückkaufprogramm beschloss Apple eine Dividendenanhebung um 16 % auf 73 US-Cent je Aktie. Apple zieht damit an Exxon Mobil als größter Dividendenzahler vorbei (Quelle: S&P Dow Jones Indices).

Die Schattenseiten der Sonderausschüttung

Doch es gibt auch Kritiker, welche die von Apple anvisierte Sonderausschüttung nicht in einem so positiven Licht sehen. Zum einen stehen diese Gelder später nicht mehr für Investitionen zur Verfügung, wenn Apple in neue Marktbereiche wie zum Beispiel in das Autonome Fahren expandieren will.

Zum anderen kauft Apple damit eigene Aktien nahe dem Allzeithoch auf. Sollte sich das iPhone-Geschäft in den nächsten Jahren nicht mehr so gut entwickeln und Apples Haupteinnahmequelle versiegen, drohen empfindliche Umsatz- und Gewinneinbußen – ein sinkender Aktienkurs wäre voraussichtlich die Folge. Apple hätte dann viel Geld für überteuerte Aktien ausgegeben.

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Bedenklich stimmt auch, dass Apple seine umfangreichen Dividenden- und Aktienrückkaufprogramme in den letzten Jahren auch durch Schulden finanziert hat. Aufgrund der niedrigen Zinsen war dies für den Konzern günstiger als 35 % Steuern auf Auslandsgewinne zu zahlen. Die Folge: Apple sitzt nicht nur auf hohen Barreserven, sondern auch auf Schulden in Höhe von 110 Mrd. US-$. Steigen die US-Zinsen am langen Ende, müsste Apple deutlich mehr für das geliehene Geld zahlen.

Fazit: Sonderausschüttung kommt bei Anlegern gut an, Experten warnen vor den Folgen

Keine Frage, die Sonderausschüttung von Apple in Form eines 100 Mrd. US-$ schweren Aktienrückkaufprogramms wurde zunächst gut vom Markt und den Anlegern aufgenommen – Apple-Aktien kletterten jüngst auf ein neues Rekordhoch bei über 190 US-$.

Doch Wirtschaftsexperten wie William Lazonick, Wirtschaftsprofessor an der University of Massachusetts, warnen vor den langfristigen Folgen dieser Strategie. Vielmehr sollten Investoren Unternehmen bevorzugen, die in sich selbst und ihre Mitarbeiter investieren, statt eigene Aktien zu kaufen, so der Uni-Professor. Für Lazonick ist die Apple-Maßnahme nichts anderes als eine Manipulation des Aktienmarktes.

Dem steht allerdings der enorme Erfolg von Apple in den letzten Jahren gegenüber. Der Mac-Hersteller hat seit der Einführung in 2007 weltweit mehr als 1,2 Milliarden iPhones verkauft und gutes Geld verdient – dieses Geld will Apple natürlich auch an seine Aktionäre zurückfließen lassen.

Schwierig wird es allerdings, wenn das iPhone als Gewinnbringer für den Konzern ausfällt, immerhin zeichnet das Kulttelefon nach wie vor für 62 % der Apple-Umsätze verantwortlich. Aber auch wenn sich das iPhone nicht mehr so gut verkauft, ist dies kein Beinbruch für Apple, zählt der Mac-Hersteller inzwischen mehr als 270 Millionen Abonnenten für seine verschiedenen Services, die über den App Store verkauft werden. Das Servicegeschäft (iCloud, Apple Music etc.) boomt nach wie vor (Umsatzanstieg um 31 % auf 9,2 Mrd. US-$) und ein schnelles Ende ist bislang nicht in Sicht.

Kurzum: Apple bleibt daher gerade für Value-Investoren weiter eine interessante Aktie, die auch in Zukunft Chancen bietet, auch wenn sich das iPhone nicht mehr so gut verkaufen sollte.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands