Aktien kaufen auf Kredit ist eine schlechte Idee

Einen Kredit aufnehmen um Aktien zu kaufen ist nicht unüblich aber mitunter hochriskant. Einer Schuldenspirale ist schwer zu entkommen. (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Mit einem guten Mix bringt eine Aktienanlage langfristig mindestens 6 % Wertzuwachs. Und immer wieder bieten die Börsen Gelegenheiten, die ein sofortiges Zugreifen erfordern, etwa im Vorfeld von Unternehmensübernahmen.

Kurssprünge von 20 % oder mehr will man sich kaum entgehen lassen. Noch spannender sind Anlageprodukte mit einem Hebel, bei dem sich die Gewinne entsprechend vervielfachen.

Kredit aufnehmen und Aktien kaufen?

Aktien kosten aber Geld und bei Hebelprodukten ist eine Margin an den Anbieter fällig. Was also tun wenn die eigenen Geldreserven knapp oder anderweitig fest angelegt sind? Natürlich könnte man einen Kredit aufnehmen und Aktien kaufen. Immerhin sind die Zinsen so niedrig, dass sie vor der Entwicklung mancher Börsenrenner völlig verblassen.

Auf fünf Jahre gesehen stieg beispielsweise der Preis von Amazon-Aktien um 424 %, bei Facebook um 500 %. In Deutschland kam der Pharmazulieferer Sartorius gar auf ein Plus von 537 %, und das Elektrotechnik-Unternehmen Aixtron schaffte fast 360 % allein in den letzten zwölf Monaten. Damit wurden aus 2.000 € ganze 9.200 € – in nur einem Jahr. Einen Kredit aufnehmen und davon Aktien kaufen erscheint angesichts dieser Größenverhältnisse nur logisch.

Doch wer kann schon die Zukunft vorhersehen, wenn er einsteigt? Oft ist es dann für weitere Top-Profite zu spät. Bei den genannten Beispielen: Die Aixtron-Aktie etwa scheint mittlerweile ausgereizt. Ebenso wenig können bei Amazon die Bäume endlos in den Himmel wachsen. Und wer weiß, wie es mit Facebook nach dem Datenskandal weiter geht? Lediglich Sartorius ist derzeit weiterhin im grünen Bereich.

Hoher Wertzuwachs erforderlich

Aktien sind immer ein Risiko. Rutscht ihr Wert unerwartet ab, muss dennoch die volle Kreditsumme samt Zinsen zurückgezahlt werden. Bei Hebelpapieren droht sogar Totalverlust. Trotzdem ist es nicht abwegig, mit geliehenem Kapital zu spekulieren. Es kommt ganz auf den individuellen Fall an. Ein Ratenkredit, bei dem Haus und Hof auf dem Spiel stehen, ist definitiv keine Lösung.

Allenfalls käme für erfahrene Anleger mit genügend finanziellem Rückhalt ein Wertpapierkredit infrage. Hierbei dient das eigene Depot als Sicherheitsleistung, jedoch mit Abschlägen. Selbst solide Aktien großer Konzerne werden zwischen 50 % und höchstens 80 % beliehen. Allerdings können die Kreditzinsen nicht steuerlich abgesetzt werden. Zudem muss man vom Wertzuwachs der Aktien die beim Verkauf fälligen Steuern abziehen.

Auch Starinvestor Buffett rät dringend ab

Insgesamt ist das Risiko sehr hoch, dass ein Kredit in eine Abwärtsspirale führt. Vor allem wenn bei Verlusten das beliehene Depot an Wert verliert, immer mehr Geld geliehen wird und die Schulden wachsen.

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„Mit dem Druck trifft keiner mehr eine richtige Entscheidung“, sagt selbst Starinvestor Warren Buffett. Anlässlich der steigenden Zahl von Wertpapierkrediten in den USA erinnerte er im jährlichen Aktionärsbrief an frühere massive Kurseinbrüche seiner ansonsten erfolgreichen Investmentfirma Berkshire Hathaway. Die Vergangenheit kann sich jederzeit wiederholen.

Was vielen nicht bewusst ist: Aktienverluste sind nicht so einfach aufzuholen, wie es zunächst scheint. Nach jedem Rückschlag muss sich eine Aktie vom niedrigeren Niveau aus hocharbeiten. Fällt sie etwa um 50 %, notiert sie natürlich bei 50 % ihres vorigen Werts. Legt sie von da aus wieder um 50 % zu, kompensiert sie aber nur 75 %.

Denn 50 % von 50 sind 25. Für einen vollständigen Ausgleich müsste das Papier aber 100 % aufholen. Je tiefer der Kurs fällt, desto mehr muss er dann überproportional zulegen. Wer sich diesen Effekt klar macht, wird wohl kaum einen Kredit aufnehmen um Aktien zu kaufen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.