Witwenrente und eigene Rente: So viel wird abgezogen

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Witwenrente und eigene Rente beeinflussen sich. Die Hinterbliebenenrente wird um eigenes Einkommen und damit auch eigene Renten gekürzt. (Foto: JeJai Images / Shutterstock.com)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Informationen zur Witwenrente im Überblick:
  • Nach dem Tod des Ehepartners erhält der Hinterbliebene 3 Monate lang die gesetzliche Rente des Verstorbenen
  • Anschließend besteht Anspruch auf die große oder kleine Witwenrente:
    • Große Witwenrente: 55% der Bezüge des Verstorbenen
    • Kleine Witwenrente: 25% der Bezüge des Verstorbenen
  • Eigenes Einkommen wird auf die Witwenrente angerechnet
  • Bei erneuter Heirat endet der Anspruch auf Witwenrente

Was ist die Witwenrente?

Der Begriff Witwenrente (§ 46 SGB VI) zählt entsprechend der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung (wie auch die Halb- oder Vollwaisenrente sowie die Erziehungsrente) zu den Renten wegen Todes. Diese Bezeichnung erhalten sie, da die Anspruchsvoraussetzung der Tod des versicherten Ehegattens bzw. Elternteils ist.

Die Renten wegen Todes sollen die Unterhaltszahlung ersetzen und somit den Lebensunterhalt der hinterbliebenen Person sichern. Eingetragene Lebenspartner werden in der Rentenversicherung Ehepartnern gleichgestellt.

Historische Entwicklung der Witwenrente

Die Witwenrente wurde erstmals mit der Reichsversicherungsverordnung von 1911 eingeführt, wodurch die Hinterbliebenenversorgung für Witwen und Waisen gesichert werden sollte. Zu einer Gleichstellung von Witwen und Witwern kam es allerdings erst im Jahr 1986. Bis dato hatten Witwer lediglich Anspruch auf Witwenrente sofern der Unterhalt der Familie überwiegend durch die verstorbene Ehepartnerin bestritten wurde. Dies hatte den historischen Hintergrund, dass eine Frau während einer Ehe normalerweise nicht berufstätig war.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Reformen und Neuerungen im Hinterbliebenenrecht. Bereits kurz nach der Gleichstellung von Männern und Frauen wurde eine Anrechnung eigener Einkommen beschlossen, welche mit der Rentenreform 2001 noch eine Ausweitung erfuhr.

Seither wurde die Witwenrente in Deutschland wiederholt zur Diskussion gestellt. Immer wieder gab es Bestrebungen, den Anspruch auf Witwenrente nur im Falle einer Bedürftigkeit zu gewähren. Bislang fanden diese allerdings keine Mehrheit.

Wer hat Anspruch auf Witwenrente?

Bei einer Ehepartnerschaft bzw. im Falle einer eingetragenen Lebenspartnerschaft hat der Hinterbliebene Anspruch auf einen Teil der gesetzlichen Rente des Verstorbenen. Damit für den Hinterbliebenen ein Anspruch entsteht, muss der verstorbene Ehepartner eine Rente bezogen oder mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben (§ 50 SGB VI).

In den ersten 3 Monaten nach dem Tod des Ehepartners erhält der Hinterbliebene die bisher an den Verstorbenen gezahlte monatliche Rente in voller Höhe. Es gilt zu beachten, dass die Rentenversicherung die Hinterbliebenenrente nicht automatisch ausbezahlt. Ein Antrag auf Witwen- oder Witwerrente ist zwingend notwendig.

Wie Witwenrente beantragen?

Das Beantragen der Witwenrente nimmt meist einen längeren Zeitraum in Anspruch. Aus diesem Grund wird während der Antragszeit eine sogenannte „Überbrückungszahlung“ geleistet. In der Regel wird diese vom zuständigen Bestattungsunternehmen beantragt und für eine Dauer von 3 Monaten gezahlt.

Wer die Witwenrente beantragen möchte, benötigt folgende Unterlagen:

  • Sterbeurkunde
  • Letzte Rentenanpassungsmitteilung
  • Letzter Rentenbescheid bzw. letzte Gehaltsabrechnung
  • Personalausweis
  • Kontonummer

Der Antrag muss beim Versicherungsträger des Verstorbenen eingebracht werden. Dies kann persönlich oder postalisch erfolgen. In besonderen Fällen werden vom Versicherungsträger weitere Unterlagen wie beispielsweise Schulabschlusszeugnisse oder Geburtsurkunde der Kinder verlangt.

Das 16-seitige Formular für die Einbringung des Antrages auf Witwenrente findet sich auf der Website der Deutschen Rentenversicherung (www.deutsche-rentenversicherung.de).

Unter dem angegeben Link steht das auszufüllende Formular kostenfrei zum Download zur Verfügung. Dasselbe Formular bzw. die gleichen Antragsvoraussetzungen gelten auch für die Witwerrente.

Der Rentenantrag ist kompliziert und umfangreich. Bei Fragestellungen stehen die Mitarbeiter der Beratungsstellen der Rentenversicherung zur Verfügung. Auch ehrenamtliche Berater und Versichertenälteste helfen beim Ausfüllen.

Erreichbar sind diese unter der kostenlosen Servicenummer der Deutschen Rentenversicherung unter 0800 1000 4800.

Große Witwenrente | Große Witwerrente nach § 46 Abs. 2 SGB VI

Im Gegensatz zur kleinen Witwenrente, welche eine Unterhaltszuschussfunktion haben soll, stellt die große Witwenrente einen Unterhaltsersatz dar. Bei den Anspruchsberechtigten geht der Gesetzgeber davon aus, dass dem Hinterbliebenen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann und er somit auf eine Unterhaltszahlung aus der Rentenversicherung angewiesen ist.

Wann bekommt man die große Witwenrente?

Die Anspruchsvoraussetzungen für die große Witwenrente sind in § 46 Abs. 2 SGB VI zu finden. Der anspruchsberechtigte Personenkreis umfasst in erster Linie alle Personen, die auch Anspruch auf eine kleine Witwenrente haben. Voraussetzung ist, dass der Hinterbliebene nach dem Tod des Ehepartners nicht wieder geheiratet und der Verstorbene mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat.

Entsprechend § 46 Abs. 2 SGB VI kann die große Witwenrente beantragen

  • wer ein eigenes Kind oder Kind des Verstorbenen, welches das 18. Lebensjahr noch nicht beendet hat, unter seiner Obsorge hat (bei häuslicher Gemeinschaft mit einem behinderten Kind entfällt die Altersgrenze)

ODER

  • wer erwerbsgemindert ist (d.h. wer wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, unter üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes mindestens 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein)

ODER

  • wer das 45. Lebensjahr vollendet hat.

    Diese Altersgrenze steigt gemäß § 242a Abs 5 SGB VI ab 2012 je nach Todesjahr des Versicherten stufenweise an. Die Erhöhung beträgt jedes Jahr einen Monat. Für Todesfälle ab dem Jahr 2019 gilt demnach eine Altersgrenze von 47 Jahren.

Höhe Hinterbliebenenrente: Wie hoch ist die große Witwenrente?

Die große Witwenrente beträgt 55% der an den Verstorbenen Ehepartner aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlten oder berechneten monatlichen Rente. Der Rentenbetrag kann zusätzlich um einen Kinderzuschlag erhöht werden. Ist der Ehepartner vor dem 65. Lebensjahr verstorben wird der Rentenanspruch gemindert.

Im Unterschied zur kleinen Witwenrente ist die Bezugsdauer der großen Witwenrente zeitlich nicht begrenzt.

Rentenabschlag: Minderung der großen Witwenrente

Im Falle des Ablebens des versicherten Ehepartners vor dem 65. Lebensjahr wird die Witwen- bzw. Witwerrente um einen Abschlag von 0,3 % je Monat gekürzt. Der maximale Rentenabschlag beträgt 10,8 % (§ 77 Abs. 2 Nr. 4 SGB VI).

Kinderzuschlag bei der großen Witwenrente

Sofern der hinterbliebene Ehegatte ein Kind bis zu seinem 3. Lebensjahr erzogen hat, wird die Witwenrente erhöht.

Die Höhe des Kinderzuschlags variiert und ist abhängig von Bundesland und Anzahl der Kinder.

Höhe des Kinderzuschlags

Die Berechnung der Höhe erfolgt nach § 78a Abs 1 SGB VI. Für jeden Monat der Erziehungszeit werden Entgeltpunkten gutgeschrieben.

Für die ersten 36 Monate und das erste Kind werden monatlich 0,1010 Entgeltpunkte gewährt. Für weitere Kinder monatlich 0,0505 Entgeltpunkte.

Für die Zeiten vor dem 01.01.1992 wurden für den Kinderzuschlag lediglich 12 Kalendermonate gutgeschrieben.

Die errechneten Entgeltpunkte werden auch mit dem jeweiligen Rentenfaktor, welcher für die Rentenhöhe maßgebend ist, multipliziert. Dies ist bei der großen Witwenrente der Faktor 0,55 und bei der kleinen Witwenrente 0,25.

Beispiel Zwillingsgeburt:

Geburt 1. Kind: 20.03.1995

Geburt 2. Kind: 20.03.1995

Tod des versicherten Ehepartners: 22.09.2010

Der Kinderzuschlag bzw. die persönlichen Entgeltpunkte berechnen sich folgendermaßen:

  1. Kind: April 1995 bis März 1998 = 36 Kalendermonate x 0,1010 = 3,6360
  2. Kind: April 1995 bis März 1998 = 36 Kalendermonate x 0,0505 = 1,8180Summe = 5,4550 persönliche Entgeltpunkte

Die persönlichen Entgeltpunkte werden nun für die große Witwenrente mit dem Faktor 0,55 multipliziert. Daher bekommt der hinterbliebene Ehepartner als monatliche Rente € 93,- als Kinderzuschlag für die Erziehung der beiden Kinder.

Berechnung Kinderzuschlag: Rentenwert 31,03€ x Entgeltpunkte 5,4550 x Faktor 0,55

Kleine Witwenrente | Kleine Witwerrente nach § 46 Abs. 1 SGB VI

Die kleine Witwenrente wird jenen Witwern und Witwen aus der gesetzlichen Rentenversicherung ausbezahlt, denen der Staat einen größeren Eigenbeitrag zum eigenen Lebensunterhalt zumutet.

Grundsätzlich sind Ehepartner entsprechend den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verpflichtet, einander durch Arbeit und Vermögen angemessenen Unterhalt für die Familie zu leisten (§ 1360 Satz 1 BGB). Eine vergleichbare Unterhaltsverpflichtung besteht auch für eingetragene Lebenspartner (5§ Lebenspartnerschaftsgesetz).

Den Unterhaltsverlust, welcher durch den Tod des Ehepartners entsteht, will die Deutsche Rentenversicherung in Form der kleinen Witwenrente ausgleichen. Die kleine Witwenrente hat die Funktion eines Zuschusses zum Unterhalt, da der Gesetzgeber annimmt, dass der hinterbliebene Ehepartner einen Großteil des eigenen Unterhalts selbst erwirtschaften kann.

Wann bekommt man die kleine Witwenrente?

Werden die Voraussetzungen für die große Witwenrente nicht erfüllt, kann die kleine Witwenrente Ausgleich schaffen, wenn der hinterbliebene Ehepartner zum Todeszeitpunkt des Versicherungsnehmers jünger als 45 Jahre und 8 Monate (Stand 2019) ist. Auch bei dieser Form der Hinterbliebenenrente verschieben sich die Altersgrenzen jährlich um einen Monat nach hinten.

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Nach neuem Recht (ab 2002) wird die kleine Witwenrente zeitlich befristet für die ersten beiden Jahre nach Ableben des Ehepartners gezahlt.

Bei Heirat vor 2002 und Geburt des Ehepartners vor dem 2. Januar 1962, gilt das alte Recht. In diesem Fall hätte der Hinterbliebene Anspruch auf die kleine Witwenrente bis zum Lebensende.

Höhe Hinterbliebenenrente: Wie hoch ist die kleine Witwenrente?

Die kleine Witwen- bzw. Witwerrente steht dem Hinterbliebenen nach Ablauf des Sterbevierteljahres mit.

Wer bekommt einen Kinderzuschlag bei der kleinen Witwenrente?

Wie auch bei der großen Witwenrente ergibt sich ein Zuschlag zur Rente, falls der Hinterbliebene Ehepartner ein Kind bis zum 3. Lebensjahr erzogen hat. Der Zuschlag wird nach dem Sterbevierteljahr, in welchem die Rente des verstorbenen Ehepartners weitergezahlt wurde, gewährt.

Dieser Zuschlag gilt allerdings nur für Renten nach neuem Recht und somit für Anspruchsberechtigte, die im Jahr 2002 oder später geheiratet haben.

Der nachfolgenden Tabelle lässt sich entnehmen, wie hoch der Kinderzuschlag ist:

Kleine Witwenrente              1. Kind            jedes weitere Kind   

alte Bundesländer                   € 29,12                        € 14,56

neue Bundesländer                 € 27,90                        € 13,95

Wie wird das Einkommen auf die Witwenrente angerechnet?

Die Rentenversicherung rechnet eigenes Einkommen auf die Witwenrente an. So kann es sein, dass die Hinterbliebenenrente gekürzt wird oder entfällt (§ 97 Abs. 1 SGB VI).

Der Hinzuverdienst zur Witwenrente wird grundsätzlich zu 40% angerechnet, wenn der Freibetrag überschritten wird. Angerechnet werden fast alle Einkommensarten im Sinne der §§ 18a bis 18 e SGB IV, wozu auch die gesetzliche Rente gehört. Verschiedene steuerfreie Einnahmen und Einnahmen aus Altersvorsorgeverträgen, die staatlich gefördert wurden, bilden eine Ausnahme.

Ein staatlich geförderter Altersvorsorgevertrag ist zum Beispiel die sogenannte Riester-Rente. Steuerfreie Einnahmen sind beispielsweise Arbeitslosengeld II, die Sozialhilfe oder die Grundsicherung bei Erwerbsminderung.

Anrechenbares Einkommen:

  • Vermögenseinkommen
  • Elterngeld des Hinterbliebenen
  • Erwerbseinkommen
  • Erwerbsersatzeinkommen

Um das anrechenbare Einkommen zu ermitteln, berechnet der Rentenversicherungsträger zunächst das Bruttoeinkommen.

Ermittlung des Netto-Einkommens

Zur Ermittlung des Einkommens wird vom Brutto-Arbeitseinkommen ein pauschalierter Betrag von 40% abgezogen. Bekommt der hinterbliebene Ehegatte eine eigene Rente werden davon 14 % abgezogen.

Änderungen in der Einkommenshöhe bzw. beim laufenden Einkommen werden zu verschiedenen Zeitpunkten rentenrechtlich berücksichtigt. Eine Einkommenserhöhung wird jeweils mit der nächsten Rentenanpassung berücksichtigt. Diese erfolgt immer zum 01.07 des Jahres.

Auch Einkommensminderungen werden zur nächsten Rentenanpassung berücksichtigt. Verringert sich das Einkommen jedoch um mehr als 10% zum berücksichtigten Einkommen, wird die Einkommensminderung ab dem Eintrittszeitpunkt berücksichtigt.

Freibeträge bei der Witwenrente

Zunächst einmal ist es wichtig, dass der Freibetrag aus dem aktuellen Rentenwert berechnet wird. Das bedeutet: Wird die Rente erhöht, erhöht sich auch der Freibetrag. Aufgrund dieses Zusammenhanges gibt es auch beim Freibetrag einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland.

In den alten Bundesländern liegt der aktuelle Freibetrag bei € 845,59, in den neuen Bundesländern sind es € 810,22. Gibt es außerdem noch Kinder, die einen grundsätzlichen Anspruch auf Waisenrente haben, erhöht sich der Freibetrag um € 179,37 bzw. € 171,86 pro waisenrentenberechtigtes Kind.

Beispiel:

Bei einem Anspruch auf Witwenrente, einem Kind in der Ausbildung und einem eigenen Nettoeinkommen von € 1.400 ergibt sich folgende Rechengrundlage (für Westdeutschland):

Der eigene Freibetrag von € 819,19 wird mit dem für das Kind addiert, so dass man insgesamt auf € 992,96 Freibetrag kommt. Das eigene Nettoeinkommen übersteigt den Freibetrag demnach um € 407,04. Dieser Betrag wird nun zu 40% auf die Witwenrente angerechnet. Das heißt: 40% von € 407,04 sind rund € 162,82 – um diesen Betrag wird die Witwenrente also gekürzt.

Hinzuverdienst zur Witwenrente: Worauf muss man achten?

Es lässt sich sagen, dass dem Hinzuverdienst zur Witwenrente grundsätzlich keine Grenzen gesetzt sind. Je nach Höhe des eigenen Einkommens wird jedoch die Witwenrente um einen bestimmten Betrag gekürzt, sofern der persönliche Freibetrag überschritten wird.

Da sich der Freibetrag stets der Höhe der gesetzlichen Rente anpasst, kann auch er sich mit der Zeit verändern. Es empfiehlt sich deshalb, bei einer generellen Rentenanpassung zu kontrollieren, ob auch der persönliche Freibetrag angepasst wurde.

Witwenrente neues und altes Recht

Das Hinterbliebenenrecht wurde im Jahr 2002 neu geregelt. Aus Gründen des Bestandsschutzes gilt das alte Recht unter bestimmten Voraussetzungen weiter. Vor allem im Vergleich zwischen der kleinen und großen Witwenrente werden die Unterschiede zwischen alter und neuer Gesetzgebung sichtbar.

ALTES RECHT                                     NEUES RECHT

 Kleine WitwenrenteGroße WitwenrenteKleine WitwenrenteGroße Witwenrente
Anteil vom Rentenanspruch25%60%25%55%
KinderzuschlagNeinNeinJaJa
DauerUnbegrenztUnbegrenzt24 MonateUnbegrenzt
Mindestdauer EheKeineKeine1 Jahr1 Jahr

 

Weitere Unterschiede ergeben sich im anzurechnenden Einkommen. Während im alten Recht folgende Einkommensarten angerechnet wurden

  • Erwerbseinkommen (Gehalt, Gewinn aus selbständiger Tätigkeit usw.)
  • Minijob-Einkünfte
  • Rente, Pension, berufsständische Versorgung
  • Entgeltersatzleistungen außer von Nicht-Sozialversicherungsträgern

Wird im neuen Recht das anzurechnende Einkommen um folgende Einkommensarten erweitert

  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Betriebsrenten/Zusatzversorgungen
  • Einkünfte aus privaten Renten-, Lebens- bzw. Unfallversicherungen

Berechnung der Witwenrente

Um den Rentenanspruch bei der Witwenrente berechnen zu können, müssen vorab 2 wichtige Fragen geklärt werden:

  • Berechnung nach altem oder neuem Recht?
  • Anspruch auf kleine oder große Witwenrente?

Information: Je nach Alter zum Zeitpunkt des Todes des Versicherten kann es zu einer Kürzung der Witwenrente kommen. Stirbt ein Ehegatte vor seinem 65. Geburtstag, wird die Witwenrente um 0,3% pro Monat vor dem 65. Geburtstag gekürzt.

Liegt der Sterbefall also beispielsweise 11 Monate vor dem 65. Geburtstag, erfolgt eine Kürzung von 11 x 0,3% = 3,3%. Unabhängig von einem verfrühten Tod erfolgt eine pauschale Deckelung dieses Rentenabschlags bei einer Höhe von 10,8%.

Witwenrente bei Selbständigen

Ist der verstorbene Ehepartner einer selbständigen Tätigkeit nachgegangen, stellt sich die Frage, ob für den Hinterbliebenen ebenfalls ein Anspruch auf Witwenrente besteht. Grundsätzlich ist es so, dass selbständig Erwerbstätige bislang nicht verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und somit auch keine Rente erhalten. In diesem Fall würde dem Hinterbliebenen auch keine Witwenrente zustehen.

Aktuell wird in Deutschland darüber nachgedacht, Selbständige per Gesetz zu verpflichten, für das Alter vorzusorgen und in die Rentenversicherung einzuzahlen. Zudem soll die Rente für Selbständige insolvenzsicher und pfändungssicher sein.

Aktuelle Situation:

Viele Selbständige sind bereits pflichtversichert, denn es gibt bereits jetzt die Möglichkeit, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Wer sich freiwillig versichert, kann aktuell selbst bestimmen wie viel einbezahlt wird.

Wird freiwillig in die Rentenversicherung einbezahlt, besteht im Todesfall für den Hinterbliebenen auch Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente.

Witwenrente bei Beamten

Bei Ableben eines versicherten Beamten erhält der Hinterbliebene Ehepartner 60% der Pension des Verstorbenen. Hinterbliebene, die nach dem 31.12.1961 geboren wurden, erhalten einen Anteil von 55% der Anspruchsgrundlage.

Für Anträge zur Witwenrente bei Beamten ist in Deutschland die VBL, die Rentenanstalt des öffentlichen Dienstes, zuständig. Im Sinne des Beamtenversorgungsgesetzes erhalten Ehegatten von Beamten keine Witwenrente, sondern ein Witwengeld. Grundsätzlich gelten allerdings dieselben Regeln wie bei der Witwenrente. Weiterführende Informationen zu den Sonderfällen finden sich hier.

Witwenrente auch nach kurzer Ehe?

Um sogenannte „Versorgungsehen“ zu verhindern, hat die Gesetzgebung den Anspruch auf Witwenrente auf Ehe bzw. Lebenspartnerschaften beschränkt, die mindestens 1 Jahr – vor Ableben eines der Ehepartner – Bestand hatte. Dementsprechend entfällt die Witwenrente bei kurzer Ehe.

Anders ist dies nur, wenn aufgrund besonderer Umstände nicht davon auszugehen ist, dass die Eheschließung allein oder überwiegend den Zweck der Hinterbliebenenversorgung hatte.

Folgende besondere Umstände können auch bei kurzer Ehe einen Anspruch auf Witwenrente begründen:

  • Unvorhersehbarer Tod des Ehepartners
  • Gemeinsame leibliche Kinder
  • Vorliegende Schwangerschaft
  • Erziehung eines minderjährigen Kindes des Verstorbenen durch den Hinterbliebenen

Eine langjährige Lebensgemeinschaft ist hingegen kein besonderer Umstand, sondern vielmehr eine freie Entscheidung gegen eine Heirat.

Witwenrente & Wiederheirat: Geht der Anspruch verloren?

Bei erneuter Heirat des hinterbliebenen Ehegatten erlischt der Anspruch auf Witwenrente. Aus diesem Grund sollten sich Hinterbliebene, welche bereits Leistungen aus der Witwenrente beziehen, gut überlegen, ob eine Wiederheirat sinnvoll ist.

Wird die Rentenversicherung nicht umgehend über die erneute Wiederheirat in Kenntnis gesetzt, kann dies für den bisherigen Leistungsbezieher teuer werden. Werden trotz erneuter Eheschließung weiterhin Leistungen aus der Witwenrente bezogen, müssen diese zurückbezahlt werden

Bei einer Wiederheirat besteht allerdings die Möglichkeit, eine Abfindung (§ 107 SGB VI) auf die große Witwenrente zu beantragen. Die Witwe bzw. der Witwer erhält anschließend 2 Jahresrenten entsprechend der Bezüge aus dem vorangegangenen Jahr.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.