Haier: Kühlschrankbauer geht an die Frankfurter Börse

Ceinex ist ein Joint Venture zwischen der Deutschen Börse, der Börse Shanghai und der Chinese Financial Future Exchange. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist nach eigenen Angaben, Brücken zwischen Deutschland und China zu bauen. Konkret versteht sich Ceinex als der erste eigene Handelsplatz für chinesische und Rinminbi-bezogene Anlageprodukte außerhalb des chinesischen Festlandes – so die Vision bei Gründung vor drei Jahren. Seitdem ist der Kühlschrank- und Haushaltsgerätespezialist Haier das erste Unternehmen, das den Gang an den deutschen Kapitalmarkt wagt. Gevestor hat die Chinesen dabei beobachtet.

Wenn’s kalt wird – Blumen ans Revers. Das wärmt wenigstens die Seele. Auch und vielleicht gerade in einem stürmisch herbstlichen Börsenumfeld. Haier hatte sich schon im Vorfeld bescheidener geben müssen. Eine halbe Milliarde Euro für Akquisitionen, für Markenbildung und für Forschung und Entwicklung – das hatte sich Haishan Liang, Chairman und General Manager von Quingdao Haier, von dieser Aktienofferte erhofft. Mehr als 320 Millionen wurden es nicht, als die Glocke läutete.

Das mag auch daran gelegen haben, dass die angebotenen Aktien so genannte D-Shares waren. D steht dabei für Deutschland bzw. Deguo – wie Deutschland auf Chinesisch heißt. Und so hat die Handelbarkeit dieser ganz eigenen Aktiengattung Grenzen. Sie ist auf das Ceinex-D-Share-Marktsegment der Deutschen Börse beschränkt. Das Konzept soll jedoch auch privaten Anlegern die Investition in chinesische Unternehmen ermöglichen. An chinesischen Börsen selbst dürfen das nur institionelle Anleger, sofern sie als qualifizierte ausländische Investoren anerkannt sind.

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Quingdao Haier, die sich mit vernetzten Haushaltsgeräten, Waschmaschinen und Kühlschränken im Smart Home-Bereich gerade in Europa einen Massenmarkt erobern wollen, war das zu wenig.

Mehr noch: Kühlschränke sind die Wurzel des Unternehmens, das mittlerweile als Weltmarktführer gilt. Und zwar bei Haushaltsgeräten insgesamt. Das ist zumindest in Europa kaum bekannt oder wenigstens kaum bewusst. Insofern war der Tag ein Erfolg, sorgte Haier doch für hohen Gesprächswert auf dem Parkett.

Fraglich ist nur, wie lange der vorhält. Und damit, wie stark das Beispiel Haier für andere chinesische Unternehmen wirkt, die an europäisches Kapital kommen wollen. Denn die Zugangsvoraussetzungen sind beachtlich. Neben der Prospektzulassung durch die deutsche BaFin, brauchen die Börsenaspiranten aus Fernost auch die Zulassung der chinesischen Aufsichtsbehörden. Immerhin: Haier bestand sein Debüt. Der Kurs hielt sich stabil, und zwar minimal über Ausgabekurs. Auch das dürfte die Seelen der Verantwortlichen beruhigt haben.

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.