Major Lazer-Star Chris Leacock unterstützt Achtsamkeits-App aus Berlin

Zirkadiane Rhythmen, pentatonische Skalen und Klangmaskierung. Was für die meisten Menschen im ersten Moment ziemlich esoterisch klingt, soll ihnen im zweiten helfen, Ängste zu überwinden, die Konzentration und Anteilnahme zu steigern. Dahinter steckt Endel, ein Startup aus Berlin. Das kleine Team von Künstlern, Entwicklern und Wissenschaftlern umfasst auch illustre Namen wie Christopher Leacock – besser bekannt als Jillionaire und Musiker von Major Lazer. Endels Ziel: ein Ökosystem von akustischen Anwendungen für Smart Homes, öffentliche Räume, Mobilitätsindustrie und Arbeitsplätze aufzubauen. Auf dem Web Summit erklärten Gründer Oleg Stavitsky und Chris Leacock, was hinter ihrer App steckt.

 

Wir haben die Technologie entwickelt, die personalisierte, anpassungsfähige Umgebungen schafft, die darauf ausgelegt sind, schneller zu fokussieren, länger am Ball zu bleiben und sich besser zu entspannen. Wir tun dies, indem wir eine Reihe von Informationen in unseren Algorithmus einfügen, wie z.B. die Uhrzeit, das Wetter, Deine Herzfrequenz, Deine Bewegung, sogar Deine Kalendertermine. Und basierend auf diesen Eingaben generieren die wir Klangumgebungen. Und noch wichtiger ist, dass Dein Körper nach einem tageszeitlichen Rhythmus arbeitet. Die Geräusche, die Du um neun Uhr morgens brauchst, sind also andere als die, die Du mittags oder abends brauchst.

 

Was beeinflusst die Musikproduktion und wie funktioniert der Prozess der Zusammenarbeit? Da auch viele DJs dabei sind, wird es auch Anwendungen für die Tanzfläche geben?

Es mag befremdlich sein, weil ich einen technischen Hintergrund habe. Ich habe etwa zehn Jahre lang im Tech-Bereich gearbeitet, bevor ich zur Musik kam, und ich mache seit etwa zehn Jahren Musik. Oleg traf ich in einer Hotellobby, um zwei Uhr morgens etwa, und er zeigte einen Plan auf seinem Laptop. Ich fand es einfach sehr überzeugend, weil wir in einer Welt leben, in der es zu viel Lärm gibt und zu viele Ablenkungen. Und, weißt du, ein großer Teil dessen, was wir als Kreative tun, ist zu versuchen, diesen Lärm zu durchbrechen und diese Ablenkungen zu durchbrechen um sich irgendwie auf ein bestimmtes Gefühl zu konzentrieren. Also, wenn das etwas ist, was wir mit einer größeren, lineareren Fähigkeit machen können, warum nicht. Ich denke, dass jeder in diesem Raum zustimmen kann, dass da draußen einfach zu viel los ist. Wenn wir also einen Weg finden können uns irgendwie zu konzentrieren, diesen Lärm zu durchbrechen, dann ist jedes Werkzeug, das dabei hilft, zumindest für mich großartig.

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Was ist die größte Herausforderung, die Sie mit der App hatten? Die menschliche oder die technische Herausforderung?

Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, die menschliche Herausforderung war, dass der Markt nicht da war, zumindest noch vor ein paar Jahren. Ich zum Beispiel wollte schon vor Jahren so etwas aufbauen. Das Problem war: Wenn Du mit anderen anfingst, über den Einfluss von bestimmten Sounds auf die Gehirnfunktionen zu sprechen, dann haben die Leute gedacht, Du redest über die Macht der Kristalle. Das ist aber nicht. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen. Wir haben uns die Wissenschaft nicht ausgedacht, sie lässt sich belegen. Daher würde ich sagen, der Markt war damals nicht da. Jetzt ist er es. Und damit die Zeit für ein solches Produkt. Was die Herausforderung aus menschlicher Sicht betrifft. Nun, es gab sie eigentlich nicht. Das Team, mit dem ich arbeite, ist wie eine Familie. Seit fünf Jahfren arbeiten wir nun schon zusammen. Und mit Leuten wie Chris und Amazon an Bord, hoffe ich, werden wir auch noch in den nächsten Jahren eine gute Zeit haben.

 

Ihr Geschäftsmodell ist ein Abonnement-System, aber verwerten Sie auch die Daten Ihrer Nutzer?

Wir hatten gerade eine Menge Spaß, mit den Anwälten von Taylor Wessing an unserer DSGVO-Umsetzung zu arbeiten. Das war der spaßige Teil. Ja, wir sammeln Daten, aber keine wirklich sensiblen. Es ist also nicht möglich, aus diesen Daten eine bestimmte Person zu identifizieren, wie Sie eben nicht aufgrund einer bestimmten Herzfrequenz sagen können, das sind sie. Also, ja, wir sammeln Daten wie Tageszeit, Wetter, wo Sie gerade sind. Und über Personen, den Herzschlag, die Bewegung oder Schrittfrequenz zum Beispiel. Das sammeln wir, weil diese Daten in unseren Algorithmus fließen und so ihre Sound-Umgebung personalisieren. Das kann nur so funktionieren.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.