Indischer Aktienmarkt

So investieren Sie richtig in das aufstrebende Schwellenland Indien | Nutzen Sie den Aktienindex SENSEX für Ihr Investment
8 min | Stand 22.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Indien – aufstrebende Wirtschaftsnation mit großen Chancen und Herausforderungen

Indien: So investieren Sie in Asiens Aufsteiger

Neben den großen Märkten der Welt stehen seit einigen Jahren vor allem Schwellenländer im Fokus von Anlegern. Indien ist eines davon und aktuell im asiatischen Raum neben China der Investitions-Hotspot.

Deutsche Anleger können dabei auf verschiedenste Weise in Indien investieren.

  • Einzelaktien (zum Beispiel auf Basis des Aktienindex SENSEX (ISIN XC0009698199)
  • ETFs
  • Anleihen

Das Risiko für Geldanlagen in Indien ist geringer als in anderen Schwellenländern – dadurch, dass Aktien und andere Papiere jedoch in der Landeswährung gehandelt werden, besteht auch hier ein Währungsrisiko, das Anleger nicht außer Acht lassen sollten.

Die mehr als 1,3 Milliarden Einwohner Indiens leben auf einer im Vergleich kleinen Landfläche von knapp 3,3 Millionen km². Im Vergleich haben die 329 Millionen US-Amerikaner dreimal mehr Landfläche zur Verfügung. In Indien leben die unterschiedlichsten Kulturen. Knapp 3/4 aller Inder sind Indoarier. Die Draviden, die circa 25 Prozent der Bevölkerung ausmachen, leben vor allem im südlichen Teil des Landes. Ein Großteil der Gesamtbevölkerung befolgt den Hinduismus, wobei es viele unterschiedliche Riten und Bräuche in den einzelnen Landesteilen gibt. 

Die Amtssprachen Hindi und Englisch und weitere 21 Sprachen sind offiziell anerkannt. Während die Hauptstadt Neu-Delhi modern und weltoffen wirkt, erlebt man in anderen Teilen Indiens bittere Armut. Man schätzt, dass jeder dritte Inder weniger als 1,25 Dollar pro Tag zum Leben hat. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt aus diesem Grund durchschnittlich bei 1.250 US-Dollar. Dies führt zu einer großen Diskrepanz zwischen den vielen Milliardären und Millionären des Landes und extrem armen Menschen. 

Dieser Artikel befasst sich vor allem mit der Wirtschaftskraft Indiens. Ein seit Jahren starkes Wirtschaftswachstum führt dazu, dass sich Indien auf dem Weg zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht befindet. Diese Abhandlung untersucht des Weiteren, welche Branchen und Sektoren die Volkswirtschaft Indiens vor allem stützen, welche indischen Unternehmen weltweit bekannt sind und wo die ökonomischen Herausforderungen für Indien liegen. Ebenso geht der Artikel darauf ein, wie und an welchen Börsen in Indien Anleger investieren können und welchen Stellenwert der indische Leitindex SENSEX im globalen Vergleich hat.

Die ökonomischen Fakten zu Indien – so floriert Indiens Wirtschaft

Indien ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Land. Ökonomisch entwickelt sich Indien in den letzten Jahrzehnten zu einem Schwergewicht. Mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern ist Indien neben China einer der wichtigsten Exportmärkte. Mit steigendem Wirtschaftswachstum werden in den nächsten Jahren viele weitere Inder vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Tendenziell wird Indien für Exportnationen wie Deutschland oder Japan von Jahr zu Jahr interessanter und relevanter. Indien gehört aktuell zu Deutschlands 25 wichtigsten Handelspartnern mit einem Ausfuhrvolumen von circa 10,7 Milliarden Euro. 

Bei einem Blick auf das Bruttoinlandsprodukt in den letzten 60 Jahren fällt die signifikant positive Performance von Indien mit Beginn des 21. Jahrhunderts auf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein wichtiger Wirtschaftskennzeichnungsindikator, der gemessen wird, um die Gesamtwirtschaftsleistung eines Landes zu beurteilen. Während das BIP zwischen 1960 und 2000 langsam anstieg und im Jahr 2000 unter 500 Milliarden US-Dollar lag, verbesserte es sich bis zum Jahr 2020 auf 2,623 Billionen US-Dollar. Mit diesem Wert liegt es knapp unter dem BIP des Vereinigten Königreichs. 

Das BIP pro Kopf stieg im gleichen Zeitraum ebenfalls auf knapp 2.000 US-Dollar. Im internationalen Vergleich liegt Indien in diesem Parameter weit abgeschlagen. Länder wie Deutschland, Japan oder Kanada mit deutlich weniger Einwohnern geben ein Pro-Kopf-BIP von mehr als 40.000 US-Dollar aus. Anhand des BIP pro Kopf ist ablesbar, dass aktuell erst ein kleiner Teil der Inder vom Wirtschaftswachstum profitiert. Dies ist ebenfalls an der Armutsquote erkennbar, die basierend auf Zahlen der Weltbank in den letzten Jahren gleichzeitig permanent gesunken ist. 

Die Staatsverschuldung in Indien in Relation zum Bruttoinlandsprodukt ist im Vergleich mit anderen Staaten niedrig. Während sie im Jahr 1991 bei knapp 75 Prozent lag, konnte sie in den Folgejahren bis auf 65 Prozent abgebaut werden. Abe dem Jahr 1997 stieg die Staatsverschuldung erneut auf nahezu 85 Prozent an. Zwischenzeitlich gelang es der indischen Regierung die Staatsverschuldung in Relation zum BIP bis 2019 auf knapp 70 Prozent zu senken. Durch die Corona-Pandemie steigt die Verschuldung erneut stark an und liegt derzeit bei 90 Prozent in Relation zum BIP. Damit befindet sich Indien bei der Staatsverschuldung gleichauf mit Ländern wie Kroatien, Österreich oder der Gesamt-EU. 

Von Indien in die ganze Welt: Indiens Dienstleistungsindustrie

Insgesamt besteht der Unterbau und wesentliche Rückhalt der indischen Wirtschaft aus dem Dienstleistungssektor. Millionen Inder arbeiten in Dienstleistungsberufen. Ein im Ausland bekannter und frequentierter Dienstleistungsbereich Indiens ist der IT-Sektor. Viele global agierende Konzerne haben ihre IT- und Controlling-Abteilungen in weiten Teilen nach Indien verlegt. Sie profitieren von günstigen Löhnen und professionell ausgebildeten Facharbeitern. 

Ein Beispiel hierfür ist die indische Metropole Bangalore mit mehr als vier Millionen Beschäftigten in mehr als 6.000 Unternehmen. Bangalore gilt als eines der wichtigsten IT-Zentren Indiens. Von Bangalore aus arbeiten Programmierer, Fachleute für Hard- und Software, Techniker und Supportmitarbeiter für Unternehmen aus der ganzen Welt. 

Zusätzlich ist in Bangalore ebenfalls die zivile und militärische Luft- und Raumfahrtindustrie beheimatet. Indien strebt an, Astronauten ins All zu entsenden und plant eine ehrgeizige Mondmission, bei der Raumsonden auf dem Erdtrabanten landen sollen. Auch wenn die letzte Mission gescheitert ist, bringt das Raumfahrtprogramm Indien eine hohe Reputation. Gleichzeitig vernetzt es die Wirtschaftsmetropolen Indiens mit denen anderer Industrienationen, um innovative Ideen voranzutreiben. 

Indien als Industriestandort – diese Branchen tragen signifikant zum Wirtschaftswachstum bei

In seiner Gesamtheit gilt Indien als Staat nach wie vor als Entwicklungsland. Dies ist der Fall, da große ländliche Teile Indiens weiterhin wirtschaftlich unterentwickelt und arm sind. Gleichzeitig hat Indien in einigen Technologiebereichen und Branchen deutlich aufgeholt, sodass der Industriestandort Indien von Jahr zu Jahr wichtiger wird. 

Ein Beispiel hierfür ist die Produktion von Arzneimitteln und Pharmaerzeugnissen in Indien. Als einer der wesentlichsten Hersteller für Generika wird Indien seit Jahren als „Apotheke der Welt“ bezeichnet. Als Generika werden Arzneimittel tituliert, deren Patentschutz ausgelaufen ist. In der Folge können Lohnhersteller oder Pharmaunternehmen diese Wirkstoffe weltweit zu weitaus günstigeren Preisen auf den Markt bringen. Bei einzelnen Substanzen beträgt die Ersparnis zwischen dem patentgeschützten Arzneimittel und einem Generikum bis zu 90 Prozent. Indien hat aufgrund seiner niedrigen Umweltstandards, geringer Löhne und den gleichzeitig gut ausgebildeten Fachkräften eine Vormachtstellung bei der Produktion von Generika erlangt. 

Die Auswirkungen waren unter anderem während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 spürbar, als wesentliche Wirkstoffe wie Blutdrucksenker oder Schmerzmittel auf dem Weltmarkt ein knappes Gut waren. Bis 2030 strebt die indische Pharmaindustrie an, der weltweit größte Anbieter von Arzneimitteln zu werden. Für das Jahr 2021 schätzt man das Umsatzvolumen indischer Arzneimittel auf über 40 Milliarden US-Dollar. 

Textil- und Bekleidungssektor als wesentlicher Wachstumstreiber in Indien

Neben Bangladesch ist Indien einer der weltgrößten Produzenten für westliche Kleidung. Die Textil- und Bekleidungsindustrie in Indien trägt 5 Prozent zum indischen BIP und 12 Prozent zu den Exporterlösen des Landes bei. In der Textil- und Bekleidungsindustrie arbeiten direkt oder indirekt mehr als 140 Millionen Menschen. Indien ist bei Betrachtung dieser Parameter der weltweit sechstgrößte Exporteur von Textilen und Bekleidung. Einen Großteil der Markenware, die in Europa online oder im stationären Einzelhandel verkauft wird, wird in Indien produziert. Gleiches gilt für Discountware. Metropolregionen rund um die indischen Städte Delhi, Mumbai, Tiruppūr und Chennai sind bekannt für ihre exorbitant großen Textilfabriken. 

Ein Grund, warum internationale Hersteller Marken- und Discountmode in Indien herstellen lassen, ist der niedrige Mindestlohn. Er beträgt pro Tag umgerechnet 2,80 Dollar oder im Monat 62 Dollar. Neben vielen gut ausgebildeten Arbeitern und Fachkräften sind die Auflagen und Standards in Produktionsbetrieben in Indien gering. Dies führt insgesamt zu niedrigen Produktionskosten. Um die Bevölkerung in Billiglohnländern wie Indien oder Bangladesch zu schützen, wurde in Deutschland im Jahr 2021 das Lieferkettengesetz verabschiedet. Es soll Dumpingpreise eindämmen und faire Arbeitsbedingungen garantieren. 

Wichtige indische Unternehmen: Tata Group und Reliance Industries

Indische Unternehmen sind weniger als japanische, deutsche oder US-amerikanische Konzerne für ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt bekannt. Vielmehr treten sie als Dienstleistungsunternehmen für andere Konzerne weltweit in zweiter Reihe in Erscheinung. Ein Beispiel hierfür ist der IT-Dienstleister Tata Consultancy Services. 

Als global agierender Anbieter von IT-Services, Beratungsleistungen und Geschäftslösungen unterstützt es Betriebe in zehn Branchenfeldern bei der digitalen Transformation und beim Erreichen von Geschäftszielen. Mehr als 500.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit bei Tata Consultancy Services, das zur Tata Group, Indiens größtem Mischkonzern gehört. Zur Tata Group zählen aktuell 98 Unternehmen aus den Sparten Rohstoff- und Metallverarbeitung, Energie, Chemie, IT und Konsumgüter, die insgesamt mehr als 660.000 Angestellte in 98 Ländern beschäftigen. 

Bekannt ist unter anderem der Automobilhersteller Tata Motors. Der indische Konzern stellt das billigste Auto der Welt, den Tata Nano her. Dem Hersteller gehören zusätzlich die Marken Jaguar und Land Rover sowie Markenrechte an Daimler. Die Tata Group gehört nach wie vor zu großen Teilen der Eigentümerfamilie, die zu den reichsten und einflussreichsten Familien Indiens gezählt wird.

Als nach Umsatz wertvollstes indisches Unternehmen gilt derzeit Reliance Industries. Das hauptsächliche Geschäftsfeld von Reliance Industries liegt in der Ölförderung und im Ölhandel. Reliance Industries ist Indiens größter Exporteur. Zu den weiteren wichtigen Unternehmen in Indien zählen die State Bank of India, der Öl- und Gaskonzern Indian Oil, der Schmuckhersteller Rajesh Exports sowie die ICICI Bank und die HDFC Bank. 

Bedeutende Börsenplätze in Indien und Informationen zum Leitindex 

Indien und indische Unternehmen sind aufgrund der lang anhaltend positiven Wirtschaftsdaten bei Anlegern in aller Welt beliebt. Vor allem die langfristigen Prognosen für die Zukunft zeigen, dass sich die indische Wirtschaft weiterhin erfolgreich entwickeln wird. Das hat zur Folge, dass kontinuierlich mehr Inder vom Wirtschaftswachstum partizipieren werden. 

Das Weltwirtschaftsforum prognostizierte 2019, dass die Konsumausgaben, die 60 Prozent des indischen BIP betragen, bis 2030 um den Faktor 4 steigen werden. Mit dann 6 Billionen Dollar würde Indien als drittgrößter Verbrauchermarkt neben China und den USA seine Attraktivität für Kapitalanleger deutlich erhöhen. Eine im Jahr 2019 in Indien eingesetzte Steuerreform, die den Unternehmenssteuersatz von 30 Prozent auf 22 Prozent minderte, setzte zeitgleich Investitionsanreize für indische Konzerne. 

Der Wertpapierhandel in Indien findet vor allem an zwei Börsenplätzen statt. Als wichtigster Finanzmarktplatz gilt der National Stock Exchange of India (NSE) in Mumbai, die nach Marktkapitalisierung zehntgrößte Börse der Welt. Ebenfalls in Mumbai ansässig ist der Bombay Stock Exchange (BSE). An ihr werden die Aktien von knapp 3.500 Unternehmen gehandelt. Die BSE gehört bei der Betrachtung der Marktkapitalisierung zu den 20 größten Wertpapierbörsen der Welt. 

Der indische Börsenindex SENSEX bildet die 30 kapitalstärksten Unternehmen Indiens ab. Er wird am Bombay Stock Index gelistet und ist Leitindex und Maßstab für den indischen Aktienmarkt. Aktien aus Indien können ebenfalls an anderen Börsenplätzen gehandelt werden. Sie werden in der indischen Landeswährung Rupie erworben. 

Im Jahresverlauf 2021 hat sich der SENSEX von knapp 47.000 Punkten auf nahezu 60.000 Punkte entwickelt. Betrachtet man den Kursverlauf in den letzten fünf Jahren, fällt auf, dass der SENSEX vor allem seit Mitte 2020 deutlich zugelegt hat. Dies liegt vor allem daran, dass Indien bei ausländischen Investoren beliebter wird und in der Corona-Pandemie weiter ein verlässlicher Handelspartner für Medizingüter und andere Waren war. Im internationalen Vergleich hat sich der SENSEX im Jahr 2021 mit einem Wertzuwachs von mehr 20 Prozent ungewöhnlich positiv entwickelt. 

Ob die nächsten Monate und Jahre für den SENSEX ähnlich rasant verlaufen, bleibt abzuwarten. Fest steht bereits heute, dass die florierende Wirtschaft Indiens in den nächsten Jahren zu neuen Rekordzuwächsen beim BIP führen wird. Dies erhöht die Chancen, dass die Bevölkerungsmehrheit in den nächsten Jahren durch das Wirtschaftswachstum partizipieren wird. Die größten Herausforderungen Indiens liegen vor allem in der Frage, wie die exorbitante Schere zwischen der superreichen und armen Bevölkerung minimiert werden kann. Essenziell wird ebenfalls sein, wie es Indien gelingt, das Land und seine Industrie auf einen Transformationskurs zu bringen und klimaneutral zu machen.