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KKR will französischen Energiekonzern Albioma schlucken

Inhaltsverzeichnis

Der aufgrund des Ukraine-Krieges rasante Anstieg der Energiepreise stellt Verbraucher zunehmend vor Problemen. Auf der anderen Seite führt diese Entwicklung aber auch dazu, dass die Nachfrage nach Energiekonzernen auf dem Übernahmemarkt deutlich angestiegen ist. Ein Beispiel hierfür möchte ich Ihnen heute präsentieren.

So hat der französische Energiekonzern Albioma am frühen Donnerstag bekannt gegeben, dass die führende US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein Übernahmeangebot für das in Paris ansässige Energie-Unternehmen unterbreitet hat.

Der Albioma-Verwaltungsrat hat das Angebot geprüft und auf seiner Sitzung am 27.04.2022 beschlossen, dass er das Angebot unterstützen wird. Bevor ich Ihnen die genauen Konditionen des Übernahmeangebots erläutere, möchte ich Ihnen die beteiligten Firmen kurz vorstellen.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Die französische Albioma ist ein auf erneuerbare Energien fokussierter Konzern mit einer installierten Kapazität von über 1 Gigawatt. Das Unternehmen wurde 1982 gegründet und produziert mittlerweile 74% seiner erzeugten Energie aus Biomasse, Photovoltaik und Geothermie.

Mit 14 Kraftwerken in den französischen Überseedepartements, auf Mauritius und in Brasilien produziert Albioma erneuerbare Energie aus Bagasse, einem faserigen Rückstand der Zuckerrohrproduktion. Darüber hinaus ist das Unternehmen in den französischen Überseegebieten führend im Bereich der Fotovoltaik.

Seit 2 Jahren ist Albioma auch im Bereich der Geothermie aktiv. So übernahmen die Franzosen in 2021 und 2022 jeweils ein Geothermie-Kraftwerk in der Türkei. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen Fotovoltaik-Anlagen in der Metropolregion Paris und ist mit einer Biomasse-Anlage in Kanada vertreten.

Die 678 Albioma-Mitarbeiter erzielten in 2021 einen Jahresumsatz von 573 Mio. Euro und einem EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) von 214,8 Mio. Euro. Die Aktien des Energiekonzerns sind an der Euronext in Paris notiert.

Die in New York beheimatete KKR ist eine der weltweit führenden Beteiligungsgesellschaften. Das Unternehmen verwaltet derzeit Infrastrukturanlagen im Wert von rund 40 Mrd. US-Dollar (USD – etwa 38 Mrd. Euro). Allein in Frankreich hat KKR seit 2002 etwa 10 Mrd. Euro investiert, darunter auch in führende Akteure der Energiewende.

Angebot mit satter Übernahmeprämie…

In seinem Übernahmeangebot bietet KKR den Albioma-Aktionären 50 Euro je Aktie. Hinzu kommt noch die Dividende von 0,84 Euro für das Geschäftsjahr 2021. Für jeden ausgegebenen Albioma-Optionsschein wollen die Amerikaner 29,1 Euro bezahlen.

Die Übernahmeprämie beläuft sich somit auf stolze 51,6 % gegenüber dem erstmaligen Bekanntwerden der Übernahmegespräche vom 7. März 2022. Bezogen auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der Aktie in den letzten drei Monaten beträgt die Prämie immer noch sehr gute 46,6 %. Falls Sie Albioma-Aktien in Ihrem Depot haben, wird Ihnen die Offerte sicherlich gefallen.

…löst Kurssprung bei Albioma aus

Die Nachricht über die erfolgreichen Übernahmeverhandlungen löste am Donnerstag einen Kurssprung der Albioma-Papiere aus. Der Kurs legte an der Pariser Börse stolze 16% zu und ging mit 50,70 Euro in den Feierabend.

Damit lag der Kurs des französischen Energiekonzerns nur noch leicht unterhalb der gebotenen 50 Euro zzgl. Dividende. Es spricht also vieles dafür, dass die Anleger von einem reibungslosen Zustandekommen der Übernahme ausgehen.

Auch der Kurs der KKR-Papiere konnte an der New Yorker Börse (NYSE) zulegen. Er stieg im Tagesverlauf um gut 1,7% an und ging mit 52,58 USD aus dem Handel. Offensichtlich wird die mögliche Übernahme von den Anlegern für beide Parteien als Win-Win-Situation gewertet. Dies kommt in der Praxis eher selten vor.

Wie es weitergeht

Es wird damit gerechnet, dass KKR das offizielle Übernahmeangebot bis Mitte Mai 2022 bei der französischen Börsenaufsichtsbehörde AMF einreicht. Werden der KKR im Rahmen der Angebotsphase Albioma-Aktien angedient, die mindestens 50,01% des Aktienkapitals und der Stimmrechte ausmachen, gilt das Angebot als angenommen.

Wenn KKR durch das Angebot 90% des Aktienkapitals und der Stimmrechte von Albioma erhält, beabsichtigt KKR ein Squeeze-out durchzuführen und die Aktie von der Börse zu nehmen.

Damit die Transaktion umgesetzt werden kann, muss auch die EU-Kommission sowie weitere nationale Behörden der Übernahme zustimmen.