Stahl-Aktien: Comeback der Schwerindustrie?

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Stahl-Aktien konnten nach längerer Durstphase wieder kräftig zulegen. Die Branche ist im Umbruch, was neue Chancen bieten wird. (Foto: Dwight Smith - Fotolia)

Überkapazitäten, Billigimporte, Preisdruck und immer neue Umweltauflagen – jahrelang kämpfte die Stahlindustrie gegen sinkende Margen und drohende Pleiten. Doch mit der Corona-Krise kam dann der massive Einbruch. Zahlreiche Privatanleger gingen auf vorsichtige Distanz, andere verkauften die Aktien direkt. Doch erleben die Stahl-Aktien nun ein Comeback?

Stahl-Aktien: Eine Branche mit Hindernissen

Die Stahlindustrie ist für die deutsche Volkswirtschaft sowie die nationalen und internationalen Wertschöpfungsketten von großer Bedeutung. Der Rohstoff Stahl wird für zahlreiche Werkzeuge und Maschinen benötigt und bildet somit eine wichtige Grundlage für den Erfolg der Maschinenbau- und Automobilindustrie. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass auch die Stahl-Aktien in den letzten Jahren einer soliden Nachfrage unterlagen.

Jedoch ist die Stahlindustrie durch zahlreiche Herausforderungen gekennzeichnet: Von Überkapazitäten über den ungeheuren Preisdruck bis hin zu neuen und verschärften Umweltauflagen, die den Stahlproduzenten das Überleben erschwerten. Die Stahlindustrie hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Hindernisse überwinden müssen, die sich ebenfalls in den Kursentwicklungen der Stahl-Aktien zeigten. Denn aufgrund der Abhängigkeit von der internationalen Konjunktur unterlagen die Aktien ebenfalls konjunkturbedingten Schwankungen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stahlaktien

Die Corona-Krise brachte den weltweiten Wirtschaftswachstum in wenigen Monaten zum Stillstand. Auch die Stahlindustrie wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Die Nachfrage nach dem Rohstoff brach plötzlich drastisch ein. Überkapazitäten, Kosteneinsparungen und Entlassungen bei den deutschen Stahlproduzenten wie beispielsweise ThyssenKrupp waren die Folge. Zahlreiche Anleger zogen sich aus dem Stahl-Handel zurück und veräußerten ihre Aktien. Die Folge: Ein drastisches Kurstief.

Das Comeback der Stahlaktien

Die rasante Impfgeschwindigkeit sowie die Aussicht auf das nahende Ende der Corona-Pandemie stärkte die Stahl-Aktien im Jahr 2021. Seit dem Kurstief im Herbst 2020 stiegen die Werte der deutschen Stahlproduzenten ThyssenKrupp, Klöckner und Co. sowie Salzgitter massiv an. Dies ist unter anderem auf die rasant steigende Nachfrage an Stahl sowie die steigenden Rohstoffpreise zurückzuführen. Doch auch im Laufe des Jahres 2021 konnten sich die Stahl-Aktien trotz der Corona-Belastung weiter erholen.

Salzgitter – endlich wieder profitabel

Trotz der großen Verluste im Vorjahr erzielte der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern das beste Vorsteuerergebnis seit mehr als 10 Jahren. Im ersten Halbjahr 2021 konnte Salzgitter ein Ergebnis von 305,7 Millionen Euro vorweisen und schreibt damit nun endlich wieder schwarze Zahlen. Die Salzgitter-Aktie befindet sich seit dem Einbruch im Herbst 2020 nun in einem recht stabilen Aufwärtstrend.

ThyssenKrupp – ein Weg raus aus der Krise?

Die ThyssenKrupp-Aktie hat in den letzten Jahren bereits einige Rückschläge einstecken müssen. Von Fehlinvestitionen über den Rausschmiss aus dem Dax bis hin zum coronabedingten Kurstief. Doch ähnlich wie Salzgitter erholte sich die Stahl-Aktie von ThyssenKrupp bereits im Herbst 2020 von dem historischen Tief und stieg bis zum ersten Quartal 2021 auf ein Hoch von rund 12 Euro an. Somit schreibt auch ThyssenKrupp nun wieder schwarze Zahlen.

Doch trotz des anhaltenden Stahl-Booms verfolgt ThyssenKrupp weiterhin den Plan, die Stahlsparte vom Unternehmen abzuspalten. Nachdem der Verkauf gescheitert ist, plant ThyssenKrupp nun die Stahlplan zu verselbstständigen. Ein wesentliches Ziel dabei ist es, den CO2-Ausstoß bei der Produktion zu verringern und CO2-freien Stahl mit Wasserstoff zu produzieren. Dafür sind jedoch Investitionen von mehreren Milliarden Euro von Nöten.

Kursschwankungen durch China

Obwohl sich die Kurse der deutschen Stahlproduzenten langsam erholten, brachte die Nachricht, dass die Stahlproduktion in China reduziert werden soll, die Kurse erneut zum Schwanken. Doch bereits wenige Woche später verbesserte sich die chinesische Wirtschaftslage und somit auch der Preis für das wichtige Vorprodukt des Stahls: Eisenerz. Infolgedessen stabilisierten sich auch die deutschen Aktienwerte wieder.

Trotz Comeback: Zukunft der Stahlindustrie ungewiss

Trotz des Comebacks zahlreicher Stahlproduzenten bleiben die Herausforderungen der Branche weiterhin bestehen. Ob der Stahl-Boom auch weiterhin anhalten wird, ist von zahlreichen externen Faktoren abhängig und somit fraglich.

Denn neben den Schwierigkeiten, die durch die Corona-Krise entstanden sind, kommen weitere neue Herausforderungen auf die Stahlproduzenten zu. Vor allem die EU-Klimaziele, welche die Reduktion der CO2-Emmissionen betreffen, werden den Stahlproduzenten zukünftig zu schaffen machen. Umstrukturierungen und hohe Investitionen für den Umbau der Produktion können die Stahlindustrie erneut schwer belasten.

Aus diesem Grund ist die Zukunft der Stahlindustrie trotz der positiven Entwicklungen ungewiss. Darüber hinaus ist Stahl ein Rohstoff, der stark von der Konjunktur beeinflusst wird. Jeder Investor muss sich daher über die Risiken bewusst sein, die mit einer Investition in Stahl-Aktien einhergehen.

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Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

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