Mega-Deal unter britischen Studentenwohnheim-Betreibern

Beautiful  United Kingdom waving flag and behind the famous Big Ben.

In Großbritannien steht eine Übernahme im Studentenwohnheim-Sektor an. Die großen Wohnheimbetreiber Scape Living und iQ wollen gemeinsam den kleineren Mitbewerber GCP Student Living schlucken. (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Während in Deutschland Studentenwohnheime meistens von öffentlich-rechtlich organisierten Studentenwerken betrieben werden, gibt es in Großbritannien auch diverse privatwirtschaftliche Betreiber von Studentenwohnheimen, die z.T. sogar börsennotiert sind. Unter diesen Wohnheimbietern ist es jetzt zu einer Übernahmevereinbarung gekommen.

So gaben die Anbieter von Studentenunterkünften Scape Living plc. und die iQSA Holdco Limited in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt, dass sie sich mit der Geschäftsführung des Wohnheimbetreibers GCP Student Living auf eine Übernahme geeinigt haben.

Übernahmeangebot mit guter Prämie

Insgesamt bewerten die beiden Bieter GCP Student Living im Rahmen des Deals mit stolzen 969 Mio. Britischen Pfund (1,13 Mrd. Euro). Das Bieterkonsortium hat den GCP-Aktionären folglich einen Preis von 213 Pence in bar für jede ihrer Aktien angeboten.

Bezogen auf den Schlusskurs der GCP-Aktien vom 1. Juli 2021, dem letzten Tag vor der Bekanntgabe des Übernahmeangebotes, in Höhe von 163 Pence beläuft sich der Übernahmeaufschlag auf sehr gute 30,7%. Im Vergleich zum 3-monatigen Durchschnittskurs der GCP-Papiere in Höhe von 167 Pence vor dem 1. Juli 2021 liegt die Prämie immerhin noch bei 27,3%.

GCP-Kurs geht durch die Decke

Nachdem der Deal am Freitag vergangener Woche bekannt gegeben wurde, schoss der Kurs der CCP-Aktien an der Londoner Börse in die Höhe. Er stieg um stolze 12,5% und ging mit 216 Pence ins Wochenende.

Damit lag der GCP-Kurs sogar leicht über den vom Bieterkonsortium gebotenen 213 Pence. Die Investoren gehen offensichtlich davon aus, dass der Deal reibungslos über die Bühne gehen wird.

Das Bieterkonsortium und GCP im Kurzüberblick

Sowohl Scape Living als auch iQ sind seit einigen Jahren auf dem britischen Wohnheimmarkt aktiv. Scape Living ist ein von Scape verwaltetes Investmentvehikel, das im Jahr 2020 mit Mitteln des niederländischen Pensionsfonds APG gegründet wurde.

Der Mutterkonzern Scape ist ein globaler Betreiber und Entwickler von zweckgebundenen Studentenunterkünften und Wohnimmobilien in Großbritannien, den USA, Australien und Irland. Das Unternehmen betreibt derzeit rund 30.000 Betten in 64 Objekten weltweit.

Scape hat seinen britischen Hauptsitz in London. Das Management-Team von Scape verfügt über weitreichende Erfahrungen im Wohnheim-Sektor und beschäftigt weltweit rund 500 Mitarbeiter, in Großbritannien sind es 125.

iQ ist ebenfalls in London ansässig. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Studentenunterkünften in Großbritannien und besitzt und betreibt 69 Studentenwohnheime in 28 Städten mit mehr als 29.000 Betten. Im Mai 2020 wurde iQ von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone in der bisher größten privaten Immobilientransaktion in Großbritannien für stolze 4,66 Mrd. GBP (etwa 5,4 Mrd. Euro) übernommen.

GCP Student Living plc ist in Exeter, einer Stadt im Südwesten Englands, ansässig. Das Unternehmen besitzt Wohnheime in London und im Süden Englands mit insgesamt mehr als 4.000 Betten. GCP Student Living war der erste britische Studentenwohnheim-REIT (Real-Estate-Investment-Trust), der an der Londoner Börse LSE notiert ist.

Diese Investmentgesellschaften stehen hinter dem Konsortium

Hinter dem Bieterkonsortium stehen große Investmentgesellschaften. Während iQSA zur weltweit führende US-amerikanische Investorengruppe The Blackstone Group Inc. gehört, steht hinter Scape Living plc. der große niederländische Pensionsfonds APG Asset Management N.V. (APG). Clou an der Sache: APG hält bereits einen Anteil von 11,11% der ausgegebenen GCP-Aktien.

Wie es weitergehen wird

Nach Abschluss des Deals werden die Bieter die ehemaligen GCP-Immobilien unter sich aufteilen. Scape Living soll dabei 60,05% des Gesamtwerts aller GCP Immobilienvermögenswerte erhalten. iQ bekommt die restlichen 39,95%.

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der GCP-Aktionäre sowie der zuständigen Aufsichtsbehörden. Der Deal soll im letzten Quartal 2021 abgeschlossen werden.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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