Aktiensparplan: Welcher ist der richtige für Langfrist-Anleger?

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Welcher Aktiensparplan langfristig infrage kommt, ist einfach zu beantworten: ein günstiger ETF auf einen schwankungsarmen, großen Index. (Foto: Freedomz / shutterstock.com)

Das frisch begonnene Jahr bietet Anlass, die eigene Planung neu zu ordnen und einiges anzupacken, was schon länger ansteht – zum Beispiel die Vermögensvorsorge. Jetzt, wo klar ist, dass die Zinsen hierzulande wohl noch eine Weile auf Nullniveau verharren und klassische Sparanlagen eigentlich nichts abwerfen, lohnt sich die Überlegung, welcher Aktiensparplan infrage kommen könnte.

Immerhin rentieren Aktien mit durchschnittlich 7 % erheblich besser als die meisten Alternativen. Ein Aktiensparplan, welcher sich vor allem für den langfristigen Vermögensaufbau eignet, basiert üblicherweise auf Fonds und damit auf einer breit gestreuten Auswahl an Aktien. Bei aktiv gemanagten Fonds werden geeignete aussichtsreiche Papiere zusammengestellt. Dieser Korb wird regelmäßig angepasst und optimiert, wobei etliche Titel ausgetauscht werden. Da aber auch Fondsmanager keine Hellseher sind und oft genug mit ihren Einschätzungen daneben liegen, ist fraglich, ob sich die Kosten für diese Arbeit rentieren.

Kosten sparen und langfristig gewinnen

Mindestens ebenso gut schneiden in der Regel ETFs ab. Die Indexfonds bilden einfach einen bestimmen Index ab, dessen Wertenwicklung sie passiv folgen. Wegen der fehlenden Managementarbeit sind sie erheblich billiger und kosten pro Jahr zwischen 0,2 % und 0,6 % des Depotwerts. Auch ETFs gibt es als Aktiensparplan. Gleich welchen man sich aussucht, einer der Vorteile liegt im berechenbaren monatlichen Beitrag. Der bleibt gleich, auch wenn die Kurse im Index steigen oder sinken. Im ersten Fall enthält der ETF eben weniger Aktienanteile, im zweiten entsprechend mehr.

Derartige Aktiensparpläne gibt es für jedes Alter und jeden Geldbeutel. Die Sparraten fangen zum Teil bei 25 Euro monatlich an. Anders als bei den meisten Alternativen kann man die Raten jederzeit ohne großartige Erklärungen ändern oder auch mal aussetzen. Bei aller Flexibilität aber lohnt es sich, regelmäßig am Ball zu bleiben. Und zwar am besten langfristig, da sich in dem Fall auch schlechtere Börsenphasen am Ende ausgleichen. Was zählt, ist die Rendite, die sich aus der Differenz vom Ausgangs- zum Ausstiegszeitpunkt ergibt.

Ein ETF-Sparplan auf den MSCI World etwa, der extrem breit gestreut über 1.600 Titel umfasst, hätte in den 15 Jahren zwischen 2002 und Ende 2017 mit durchschnittlich 8,36 % pro Jahr rentiert, und zwar nach Abzug der Kaufkosten. Aus einem monatlichen Beitrag von 100 Euro wären damit am Ende 35.794 Euro geworden. In den 15 Jahren bis 1999 wiederum wären es bei damals 14,46 % pro Jahr sogar 58.814 Euro gewesen. Über eine Sparzeit von 20 Jahren wiederum hätte der Weltindex mit 7,7 % leicht weniger gebracht, aber immer noch 55.000 Euro.

ETF auf schwankungsarme, große Indizes

Dass im letzten Fall der Einstieg zeitlich bei sehr hohen Kursen vor dem Platzen der Dotcom-Blase liegt, macht sich wegen der geringen Anfangskapitals kaum bemerkbar. Je mehr Kapital aber angesammelt wird, desto entscheidender ist der Ausstiegzeitpunkt. Sind die Börsen generell auf Talfahrt, sollte man sich nicht an strikte Planungen halten und geraume Zeit zuwarten, bis sie sich erholte haben. Über lange Zeiträume gesehen muss schon mal ein Jahr mehr einkalkuliert werden.

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Eine gewisse Flexibilität gehört also dazu, auch was die Erwartungen angeht. Denn garantierte Renditen gibt es nicht. Sie können durchaus etwas niedriger sein. In aller Regel aber sind sie erheblich über denen von Sparzinsen oder sicheren Staatsanleihen. Und richtig hoch verzinste Anleihen von Unternehmen bergen ein erhebliches Pleiterisiko. Die Aktienmärkte indes mögen mal runter, mal rauf gehen. Insgesamt aber steigen sie fortlaufend.

Hinzu kommt: Je breiter das Risiko gestreut ist, desto weniger machen sich Probleme einzelner Unternehmen und Branchen bemerkbar. Deshalb ist auch der MSCI World dem an sich soliden Dax als Kerninvestment vorzuziehen. Der zeigte zwar ähnliche und teils etwas bessere Ergebnisse, doch enthält er mit 30 Titeln nur einen Bruchteil der Unternehmen im Weltindex. Zudem ist die deutsche Wirtschaft sehr exportabhängig. Eher käme der amerikanische S&P 500 infrage, der ebenso viele US-Titel abbildet und den MSCI World häufig etwas übertreffen konnte.

Welcher Aktiensparplan für welches Alter?

Es gibt zahllose sparplanfähige ETFs auf die verschiedensten Indizes, seien es Branchen, Regionen, angesagte Themen oder bestimmte Rohstoffe. Viele bringen teils zweistellige Zuwächse. Das aber meist nur über begrenzte Zeiträume. Dazu sind sie erheblich schwankungsanfälliger, was den richtigen Ausstieg deutlich erschwert und die schöne Rendite schnell verhagelt.

Ein Aktiensparplan lässt sich auch für den Nachwuchs einrichten. Einige Anbieter erlassen bei Unter-18-Produkten das Depotgeld und erlauben monatliche Raten ab 10 Euro. Ratsam sind aber mindestens 25 Euro. Was zählt, ist der Zinseszins-Effekt über sehr lange Zeiträume hinweg. Aus monatlichen Sparraten von 25 Euro wird nach 25 Jahren eine Summe von 14.705 Euro. Und zwar bei 5 % jährlichem Durchschnittszins. Wird ein zehnjähriges Kind mit einem solchen Sparplan beglückt und entscheidet sich als Erwachsener, weitere 25 Jahre durchzuhalten, werden im Alter von 60 daraus 64.505 Euro. Zahlt er in der zweiten Hälfte stattdessen 100 Euro monatlich ein, sind es 108.620 Euro.

Die etwas niedrigere Rendite von 5 % ist deshalb realistisch, weil man letztlich ans Finanzamt denken muss. Alles was den persönlichen Freibetrag von 801 Euro übersteigt, geht über die 25 %-ige Abgeltungssteuer an den Fiskus und die Inflation nagt ohnehin an der Kaufkraft – so wie bei anderen Geldanlagen auch. Von daher sind solide ETF Sparpläne mit ihren vergleichsweise überlegenen Renditen bei überschaubarem Risiko, niedrigen Kosten und hoher Flexibilität die beste Wahl.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.