Kann der Preis eines offenen Investmentfonds stark ansteigen?

Bei der Preisfestlegung eines Fonds kommt es auf den Nettoinventarwert an – dabei sind Preissteigerungen jedoch eher untypisch. (Foto: Olivier Le Moal / Shutterstock.com)

Theoretisch ist es möglich, dass der Preis eines Investmentfonds stark zunimmt.

Um diesen Vorgang zu verstehen, müssen allerdings drei Faktoren beachtet werden.

Erstens werden die Anteilpreise des Fonds anhand des Nettoinventarwerts (engl. „net asset values“ bzw. NAV) festgelegt.

Dieser wird täglich berechnet, indem der Nettogesamtwert aller Aktien im Portfolio (Aktiva weniger Passiva) durch die Anzahl der ausstehenden Aktien nach Börsenschluss geteilt wird.

Im Prinzip dient also der Wert der zugrunde liegenden Wertpapiere in einem Fondsportfolio als Basis für den Preis des Fonds.

Da Fondsanteile an jeweilige Investoren emittiert und von diesen wieder durch die Fondsgesellschaft eingezogen werden, ist der Preis des Fonds nicht abhängig vom Kauf- und Verkaufverhalten am Markt.

Dieses Verhalten sorgt nämlich für größere Preisschwankungen als die Preisfestlegung anhand des NAV.

Zweitens sind die Portfolios der meisten Fonds relativ diversifiziert, wodurch sich dramatische Preisänderungen weniger stark auf die Portfolioanteile auswirken können – egal, ob die Änderungen positiv oder negativ ausfallen.

Auf kurzfristige Sicht sind wirklich drastische Preisanstiege also eher untypisch für offene Investmentfonds.

Drittens und in Bezug auf die vorherigen Punkte, sollten Fonds- und Rentenpapierpreise weniger stark schwanken als die von Beteiligungspapieren oder festverzinslichen Wertpapieren.

Trotzdem gibt es auch bestimmte Kategorien von Fonds, die eher zu Preisveränderungen tendieren – aufgrund der Natur ihres Anteils- und Anlagestils.

Beispielsweise stieg der NAV von Vanguard’s großkapitalisiertem Value-Aktienfonds (U.S. Value-Fonds) innerhalb von 5 Jahren (2002-2006) um 29 Prozent an.

In derselben Zeitspanne wurde der NAV von Century’s kleinkapitalisiertem Wachstumsaktienfonds (Small-Cap Growth Fund) allerdings um 67 Prozent aufgewertet.

Außerdem zu beachten: Die Performance eines offenen Investmentfonds muss anhand ihrer Gesamtrendite – jährlich und über einen bestimmten Zeitraum – bemessen werden, und nicht anhand des NAV.

Da Fonds ihre Umsatz- und Kapitaleinnahmen auf jährlicher Basis auszahlen müssen, interessieren sich Fondsanleger eher dafür, ob vergleichbare Fonds bessere Gesamtrenditen bieten, und entscheiden weniger anhand der NAV-Performance.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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