Seit wann existieren Investmentfonds?

Investmentfonds spielen vor allem in der amerikanischen Finanzwelt schon seit einem knappen Jahrhundert eine große Rolle. Die Anfänge liegen jedoch […]

Investmentfonds spielen vor allem in der amerikanischen Finanzwelt schon seit einem knappen Jahrhundert eine große Rolle. Die Anfänge liegen jedoch in Europa.

Bereits 1774 wurde einer Untersuchung zufolge der erste Investmentfonds in Holland ausgeben. Später – genauer 1868 – sprang der Trend dann auch auf andere Länder über. In jenem Jahr wurde der „Foreign & Colonial Government Trust“ in London eingeführt, der bis heute unter dem Namen „Foreign & Colonial Investment Trust“ gehandelt wird.

In den 1920ern sprang dann der Funke auch auf die Vereinigten Staaten über, wo sich die Fonds schnell zum neuen Trend entwickelten. Zuvor hatten die Amerikaner ihr Erspartes lieber risikolos auf einem Sparbuch angelegt, was nicht zuletzt an strikten Auflagen für den Handel mit Anleihen und anderen Finanzinstrumenten lag. Investmentfonds drehten dies jedoch um. Den Anfang machte der „Massachusetts Investors Trust“ am 21. März 1924.

Die Möglichkeit, Geld wie die Profis der Wall Street zu investieren, zog die Menschen zu den Investmentfonds. Schon drei Jahre später buhlten mehr als 100 Angebote um die Gunst der Anleger, 1929 – kurz vor dem Platzen der großen Finanzmarkt-Blase – stieg die Zahl sogar auf über 700. Der große Börsencrash im gleichen Jahr zerstörte dann jedoch eine Großzahl dieser Fonds und die Träume ihrer Anleger.

Der Börsencrash führte in den Folgejahren zu deutlich schärferen Regeln, die ihren Höhepunkt im „Investment Company Act“ von 1940 fanden. Dieser legte fest, dass jeder Investmentfonds registriert werden muss. Auch halbjährliche Berichte über die aktuelle Finanzsituation und die Zusammenstellung des Portfolios wurden hierin festgelegt. Außerdem mussten die Fonds eine Unternehmensstruktur annehmen – mitsamt eines Vorstandes, der bestimmte Management-Aufgaben übernahm.

Außerdem versuchte der Beschluss, das Margin Trading der Fonds einzudämmen. Die großen Hebel waren einer der Hauptgründe für das riesige Ausmaß des Crashes gewesen, aber dennoch wollten die Händler nicht gänzlich darauf verzichten. Die im „Investment Company Act“ gesetzten Grenzen stellen daher einen Kompromiss zwischen der Industrie und der Regierung dar.

In den 40er und 50er Jahren profitierten die Fonds vom Boom der Nachkriegswirtschaft – auch durch den massiven Einsatz von Vertretern, die die Fonds an Türen verkauften. Schnell wurde das Geschäft größer als selbst zu den besten Zeiten in den 1920ern – mit wachsendem Erfolg bis zum heutigen Tage.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.