Inflationsschub: Die Fed musste reagieren

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Die Inflationsraten sind zuletzt so stark gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die US-amerikanische Notenbank Fed reagiert jetzt darauf. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Gestern Abend (nach unserer Zeit) wurden die Beschlüsse der jüngsten Sitzung der US-amerikanischen Notenbank Fed veröffentlicht. Im Anschluss daran hielt Fed-Chef Jerome Powell eine Pressekonferenz ab. Beides wurde mit großer Spannung seitens der Investoren erwartet. Auch die Reaktion des Marktes auf die Beschlüsse war spannend wie ein Krimi.

Die Fed beschloss, das Volumen der monatlichen Anleihekäufe ab Januar 2022 drastisch zu reduzieren. Das bedeutet: Aus heutiger Sicht wird das Anleihekaufprogramm der Fed im März 2022 beendet. Gleichzeitig wurden für 2022 und für 2023 jeweils drei kleine Zinserhöhungen in Aussicht gestellt und für 2024 zwei weitere Zinsschritte. Das klingt wie eine radikale Zinswende, aber die Ziele sind überschaubar. So würde der Leitzins Ende 2022 bei 0,75 bis 1,00% liegen – noch immer ein extrem niedriges Zinsniveau.

Zusätzlich wurde noch ein Ausweg aus der Zinswende eingebaut: Die Fed werde sehr genau auf die wirtschaftliche Entwicklung und auf die Situation am Arbeitsmarkt schauen. Auch werde die Fed weiterhin die Corona-Situation rund um die neue Virus-Variante Omikron im Auge behalten. Heißt: Die gestern angekündigten Maßnahmen sind keinesfalls in Stein gemeißelt.

Markt reagiert positiv

Die Märkte reagierten positiv. Der US-amerikanische Technologie-Index Nasdaq100 legte in der Folge um über 2% zu. Der Dow Jones und der marktbreite S&P 500 legten ebenfalls spürbar zu. Und auch hierzulande sahen wir heute freundliche Märkte.

Allerdings führten die Fed-Entscheide von gestern aus meiner Sicht nicht dazu, dass die Euphorie zurückgekehrt ist, sondern es war vielmehr nach meinen Beobachtungen so, dass Shortseller – die auf eine negative Marktreaktion gesetzt hatten – sich eindeckten und so die Kurse antrieben.

Hohe Inflationsraten zwingen die Notenbanken zum Handeln

Kommen wir zurück zu dem Thema, das die Fed schlussendlich zum Handeln zwingt: die hohe Inflation. In den USA sprang die Inflationsrate zuletzt auf 6,8%! Das ist der größte Anstieg seit 1982!

Auch hierzulande schockten die jüngsten Inflationsdaten: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist die Inflationsrate in Deutschland im Monat November auf 5,2% gestiegen. Das ist die höchste Rate seit dem Wiedervereinigungs-Boom 1992.

Eine ganze Generation kennt keine Inflationsrate von über 5%. Und das ist noch die relativ harmlose Variante. Wenn wir die Inflations-Formel der EU nehmen, sind die Preise in Deutschland im vergangenen Monat sogar um 6,0% gestiegen!

10 Jahre Negativ-Zinsen bei Bundesanleihen

Vor wenigen Tagen haben wir ein trauriges Jubiläum erleben müssen: Am 30. November 2011 rutschte um exakt 17:30 Uhr zum ersten Mal in der Geschichte eine Bundesanleihe in den negativen Rendite-Bereich.

Zehn Jahre Negativ-Zins! Die Europäische Zentralbank (EZB) hält eisern an der ultralockeren Geldpolitik fest. Der Grund ist einfach: Die Staatsschulden sind explodiert. Die Euro-Staaten haben Schulden in Höhe von 12,2 Billionen Euro angesammelt.

Die Lösung der EZB und der Politik: Die Schulden sollen “weginflationiert” werden. Das ist jedoch eine riskante Strategie. Entwickelt die Inflation eine Eigendynamik (zum Beispiel durch eine Lohn-Preis-Spirale), droht mittelfristig auch noch eine Wirtschaftskrise.

Wie Sie sich vor der hohen Inflation und den Folgen schützen können, erfahren Sie hier im Schlussgong in der kommenden Woche in der Fortsetzung.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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