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Quartalsbericht von Mercedes-Benz: Starker Auftakt in schwierigem Jahr

Quartalsbericht von Mercedes-Benz: Starker Auftakt in schwierigem Jahr
Kirill Gorlov / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Mercedes-Benz ist gut gestartet in ein absehbar schwieriges Jahr. Das belegen die nun vorgelegten Zahlen zum Auftaktquartal – dem ersten, das Mercedes-Benz eigenständig ausweist, nachdem im Schlussquartal 2021 die Aufspaltung des Daimler-Konzerns die Pkw- und Van-Sparte einerseits und das Geschäft mit Lkw und Bussen andererseits in ihre jeweilige Eigenständigkeit entlassen wurden.

Durch die Trennung der beiden sehr unterschiedlichen Geschäftsbereiche sollen die daraus hervorgegangenen Daimler Truck AG und die Mercedes-Benz Group flexibler auf die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Zielgruppen eingehen können. Die Bilanz der Stuttgarter zum zurückliegenden Vierteljahr weist darauf hin, dass die Rechnung offenbar aufgeht.

Erneut mehr Gewinn bei weniger Absatz

So musste Mercedes-Benz im Zeitraum von Januar bis Ende März zwar erneut einen Rückgang bei den Verkaufszahlen verbuchen, Umsatz und Gewinn konnten aber trotzdem zulegen. Konkret brach der Absatz bei den Pkw um 10 Prozent ein auf rund 487.000 Fahrzeuge. Der Umsatz kletterte dennoch um 8 Prozent.

Das lag vor allem daran, dass Mercedes-Benz die wenigen verfügbaren Chips in hochpreisige Modelle einbaute, also einerseits in Luxus- und Sportwagen, andererseits in Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Bei den E-Autos stiegen die Absatzzahlen gegen den Trend sogar um fast ein Fünftel. Auch die Luxusmodelle sind stärker nachgefragt, hier stieg der Absatz um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Hohe Preise, kaum Rabatte

Dem Hersteller kommt außerdem zupass, dass durch das Aufeinandertreffen von hoher Nachfrage einerseits und begrenzten Produktions- und Lieferkapazitäten andererseits die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen zuletzt kräftig gestiegen sind. Die in normalen Zeiten üblichen Rabatte beim Neuwagenkauf müssen kaum noch eingeräumt werden, stattdessen stehen die Kunden Schlange und warten monatelang, bis sie ihr neues Fahrzeug erhalten.

Die Preisdynamik zugunsten des Autobauers trägt maßgeblich dazu bei, dass die rückläufigen Absatzzahlen in der Bilanz abgefedert und ausgeglichen werden können. Der Quartalsgewinn stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um 6 Prozent zu auf knapp 35 Milliarden Euro.

Beachtliche Umsatzrendite

Dass Konzernchef Ola Källenius zuletzt hohen Wert auf Kostendisziplin legte und außerdem die Marke künftig stärker im Luxussegment platzieren will, lässt die Zahlen zusätzlich glänzen: So legte die Umsatzrendite um gut 1,5 Prozentpunkte zu auf 16,4 Prozent. Damit lag der Wert oberhalb der durchschnittlichen Erwartungen der Analysten und wohl auch deutlich vor der Konkurrenz aus München. BMW wird seine Quartalbilanz in der kommenden Woche vorlegen, Experten erwarten hier jedoch eine Umsatzrendite von unter 10 Prozent.

Für das Gesamtjahr rechnet Mercedes-Benz mit einer Umsatzrendite am oberen Ende der angepeilten Spanne von 11,5 bis 13,0 Prozent. Bei Absatz und Umsatz geht das Unternehmen von leichten Steigerungen aus, der Vorsteuergewinn soll hingegen in etwa auf Vorjahresniveau landen.

Risiken und Unsicherheiten nehmen zu

Zwar manövriert sich Mercedes-Benz bislang recht gut durch das widrige Marktumfeld, doch auch die Stuttgarter warnen vor steigenden Risiken und Unsicherheiten. Schon seit vergangenem Jahr hat Mercedes-Benz – genau wie der Rest der Branche – mit Lieferengpässen und Chipmangel zu kämpfen. Der fehlende Nachschub bei wichtigen Bauteilen wird derzeit noch zusätzlich verschärft durch den Krieg in der Ukraine sowie die strikte Lockdown-Politik in China zur Bekämpfung der Pandemie.

Auch bei Mercedes-Benz ist man sich der riskanten Gemengelage bewusst – und warnt vor weiterer Eskalation. Mit dem bisherigen Ausmaß kommt der Autobauer noch einigermaßen gut zurecht, doch „eine Eskalation über den aktuellen Stand hinaus könnte erhebliche negative Konsequenzen für die Geschäftstätigkeit von Mercedes-Benz haben“, warnte das Unternehmen.

Jahresausblick trotz Unwägbarkeiten bestätigt

Da man den Jahresausblick dennoch bestätigt hat, scheint man in Stuttgart bislang jedoch nicht von einer zusätzlichen Verschärfung auszugehen, oder man setzt schlichtweg auf Optimismus. Dabei hat insbesondere das Kriegsgeschehen in der Ukraine bereits jetzt spürbare Folgen auch für Mercedes-Benz: Fehlende Kabelbäume, die in der Ukraine gefertigt werden, bremsten die Produktion aus – und der Rückzug aus dem Russlandgeschäft wegen der westlichen Sanktionen gegen Moskau führten im Auftaktquartal bereits zu einer Belastung von 709 Millionen Euro für die Stuttgarter.

Außenhandel mit und Produktion in Russland sind bis auf Weiteres auf Eis gelegt, die Löhne der rund 1.000 Beschäftigten am Mercedes-Standort in Moskau werden jedoch weiterhin gezahlt. Noch ist nicht absehbar, wann und wie sich die Situation verändern wird. Mit einer baldigen Rückkehr zur Normalität in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland rechnet derzeit allerdings kaum jemand.

Mercedes-Benz Aktie mit kräftigen Aufschlägen

Die Mercedes-Benz Aktie legte im frühen Handel am Mittwoch nach Vorlage der Quartalszahlen kräftig zu und notierte zeitweise rund 4 Prozent fester bei gut 65 Euro. Analysten raten mit großer Mehrheit zum Kauf des Papiers, das Kursziel wird überwiegend bei knapp 90 Euro gesehen. Damit hätte die Mercedes-Benz Aktie derzeit ein Kurspotenzial von deutlich mehr als 30 Prozent.