Delivery Hero kauft sich bei Lebensmittel-Bringdienst Gorillas ein

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Der DAX-Neuling Delivery Hero legt für 8%-Beteiligung am Rivalen Gorillas 200 Millionen Euro auf den Tisch. Die Konsolidierung unter den Lieferdiensten nimmt weiter Fahrt auf. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Die Gerüchte machten schon seit einiger Zeit die Runde, doch jetzt ist es amtlich. Der Lieferdienst Delivery Hero steigt beim Berliner Lebensmittel-Schnelldienst Gorillas ein. Für eine 8%-Beteiligung legt der DAX-Neuling 235 Millionen Dollar (umgerechnet 200 Millionen Euro) auf den Tisch. Für Gorillas kommt die Kapitalspritze gerade recht. Das Unternehmen braucht frisches Geld, da in rasantem Tempo neue Lagerhäuser aufgebaut werden und das operative Geschäft tiefrote Zahlen einfährt.

Delivery baut mit dem Investment sein Portfolio an Minderheitsbeteiligungen weiter aus: Im Sommer war das Unternehmen zum Beispiel beim britischen Konkurrenten Deliveroo eingestiegen.

Größte Finanzierungsrunde im europäischen Lebensmittel-Lieferdienst-Markt

Insgesamt umfasst die Finanzierungsrunde von Gorillas knapp 1 Milliarde Dollar. Damit ist die Transaktion die größte Kapitalrunde eines europäischen Lebensmittel-Lieferdienstes. Neben Delivery Hero beteiligten sich an der Kapitalrunde auch Altinvestoren wie Coatue Management, DST Global, Atlantic Food Labs, Greenoaks und der chinesische Internetkonzern Tencent. Aber auch neue Geldgeber wie Macquarie Capital nehmen an der Finanzierungsrunde teil.

Beeindruckend: Nach dem jüngsten Mittelzufluss liegt die Bewertung   für den hochdefizitären Bringdienst bei   2,9   Milliarden   Dollar. Das entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zur letzten Finanzierungsrunde, die gerade einmal rund sieben Monate zurückliegt.

Wer hinter Gorillas steckt

Das Berliner Start-up Gorillas verspricht die Lieferung von Supermarktware binnen wenigen Minuten zu Supermarktpreisen. Allerdings gilt das oft nur für bestimmte Teile von Großstädten. Derzeit bietet das Unternehmen seine Dienste in 55 Städten in neun Ländern an. Darunter zählen neben Deutschland auch Frankreich, Italien, Großbritannien und die USA.

Insgesamt beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben 11.000 Mitarbeiter und verfügt über ein Netz von 180 Lagerhäusern. In den letzten 6 Monaten lieferte das Unternehmen 4,5 Millionen Bestellungen aus.

Kritik an den Arbeitsbedingungen

Allerdings gilt auch dieser Markt als wettbewerbsintensiv. Zu den Rivalen gehören beispielsweise Firmen wie Grovy und Flink.  In den letzten Monaten machten auch negative Schlagzeilen zu Gorillas die Runde. Die Fahrradkuriere des Unternehmens hatten gestreikt und Lagerhäuser blockiert und bessere Arbeitsbedingungen gefordert.

Hohe Kundenbindung

Unterdessen verweist Delivery-Hero-Firmenboss Niklas Östberg auf die hohen Kundenbindungsraten des Konzerns. Das monatliche Umsatzwachstum sei robust zweistellig, der Jahresumsatz liege inzwischen bei mehr als 300 Millionen Dollar. Dabei dürfte vor allem auch die Belegschaft den Ausschlag für den Deal gegeben haben. Delivery Hero kauft sich mit dem Deal auf einen Schlag in die größte Fahrerflotte eines Lieferdienstes ein.

Die Einnahmen sollen bei Gorillas in Technologie, Marketing und den Ausbau der Präsenz in bestehenden Märkten und die Infrastruktur fließen.

Konsolidierung geht in die nächste Runde

Fest steht nach dem Deal vor allem eines – die Konsolidierungswelle nimmt weiter an Fahrt auf. Das große Stühlerücken hat begonnen. Die zahlreichen kleineren Lieferdienste dürften sich nach Partnern umschauen, um ihre Verluste einzudämmen und Synergien zu erzielen. Einen Teil dürfte dabei die Ausweitung auf Lieferungen von Nicht-Lebensmitteln beitragen. Damit könnten die Fahrer noch besser ausgelastet und die Margen gesteigert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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