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Merck im Kaufrausch: Pharma-Riese blättert 11,5 Milliarden Dollar für Arzneimittelhersteller Acceleron auf den Tisch

Inhaltsverzeichnis

Wir erleben gerade das Jahr der Übernahmen und Fusionen. Besonders in der Pharma- und Medizintechnikbranche geht es hoch her: In beiden Segmenten sind in der ersten Jahreshälfte allein in Europa gut 150 Deals angekündigt worden. Der Gesamtwert aller Transaktionen lag bei 34 Milliarden Euro. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC gab es sieben Deals mit einem Transaktionswert von mehr als 1 Milliarde Euro. Dabei sind einige Transaktionen noch gar nicht enthalten, da sie derzeit noch von den Wettbewerbsbehörden geprüft werden.

Merck mit nächstem Milliarden-Deal

Gestern gab es den nächsten grenzüberschreitenden Deal: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck will den Arzneimittelhersteller Acceleron Pharma schlucken. Für das Portfolio mit Medikamenten für seltene Krankheiten legt Merck 180 Dollar in bar je Acceleron-Aktie beziehungsweise insgesamt rund 11,5 Milliarden Dollar auf den Tisch. Acceleron selbst kam im letzten Quartal gerade mal auf einen Umsatz von 27,94 Millionen Dollar.

Sollte die Übernahme glücken, dann wäre sie eine der größten Transaktionen von Merck. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal erwartet.

Position bei seltenen Krankheiten wird gestärkt

Das in Cambridge, Massachusetts, ansässige Unternehmen Acceleron konzentriert sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung von Therapeutika zur Behandlung von Herz-Kreislauf- und anderen blutbezogenen Erkrankungen.

Das Kronjuwel von Acceleron ist ein experimentelles Medikament zur Behandlung des Lungenhochdrucks, der sogenannten pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH). Die Krankheit wird durch hohen Druck in den Blutgefäßen verursacht, die vom Herzen zur Lunge führen. Die Erkrankung führt zu einer Verringerung des Sauerstoffgehalts im Blut.

Die Besonderheit: Das Medikament Sotatercept von Acceleron wäre laut Firmenangaben das erste, das nicht nur die Symptome behandelt und die Krankheit verlangsamt, sondern sie möglicherweise sogar stoppen kann.

Hohes Gewinnpotenzial in Sicht

Der Markt zur Behandlung von seltenen Krankheiten gilt als lukrativ. Da es nur wenige Medikamente gibt, können hier oft höhere Preise durchgesetzt werden. Laut GlobalData, einem Daten- und Analyseunternehmen, wird der PAH-Markt von 2019 bis 2029 in den sieben wichtigsten Märkten mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5 % wachsen.

Dabei gilt vor allem der Bereich mit Lungenhochdruck (PAH) als großer Wachstumsmarkt. Vor einigen Jahren erwarb Johnson & Johnson den  Schweizer Arzneimittelkonzern Actelion, der Medikamente gegen Lungenhochdruck auf dem Markt hat, für 30 Milliarden Dollar.

Merck nicht der einzige Interessent

Die Aktien der Acceleron-Wettbewerber im Bereich der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) wie Keros Therapeutics, Gossamer Bio und Aerovate Therapeutics reagierten auf die Übernahmemeldung mit deutlichen Kursgewinnen. Die Papiere von Acceleron Pharma tendierten mit 175 Dollar hingegen ein Stück unter dem Niveau der Merck-Offerte.

Dabei ist nicht ganz auszuschließen, dass es weitere Interessenten gibt. Analysten verweisen auf Bristol-Myers Squibb und Johnson & Johnson als potenzielle Bieter. Ob einer der Pharmariesen auf dem erhöhten Niveau nachlegt, wird sich aber erst noch zeigen.