SAP: Softwareriese schluckt Startup Signavio

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Der Softwareriese SAP will das Berliner Start-up Signavio für eine Milliarde Euro schlucken. Der Deal soll die digitale Transformationen beschleunigen. (Foto: photobyphm / Shutterstock.com)

Bei Europas größtem Softwarekonzern geht es momentan Schlag auf Schlag. Positiven Nachrichten zum geplanten Börsengang der Tochter Qualtrics folgte jetzt eine Übernahme, die es in sich hat: Geplant ist der Kauf des Berliner Start-Ups Signavio für rund eine Milliarde Euro. Die Übernahme des auf Geschäftsprozessverbesserung spezialisierten Unternehmens soll noch im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

Prozessmanagement-Tools aus einer Hand

Hinter Signavio steckt eine Firma, die Abläufe im Unternehmen analysiert und diese grafisch verständlich macht. Die Berliner haben eine cloudbasierte Software für Prozessmanagement und Process Mining entwickelt. Solche Lösungen rekonstruieren die Abläufe innerhalb eines Unternehmens und vergleichen den Ist- mit einem Soll-Zustand, um daraus Vorhersagen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Der Hintergrund des Deals liegt auf der Hand: SAP will seinen Kunden mit der neuen Signavio-Dienstleistung helfen, ihr Geschäft effizienter zu organisieren und damit die digitale Transformation beschleunigen. Letzten Endes soll damit auch der Weg für das Kernprodukt von SAP bei seinen Kunden geebnet werden.

SAP legt rund eine Milliarde Euro auf den Tisch

Medienberichten zufolge legen die Walldorfer für das Berliner Startup rund eine Milliarde Euro auf den Tisch. Damit hat sich der Wert der Firma in den letzten Jahren massiv erhöht. Im Jahr 2019 lag der Unternehmenswert noch bei 350 Millionen Euro. In 2019 kamen die Berliner auf einen Umsatz von 28,6 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel ein Jahresverlust von 20 Millionen Euro an.

Signavio kein Unbekannter

Dabei kennen sich beide Firmen schon lange. SAP gehörte zu den ersten Kunden von Signavio. Zudem sitzt der ehemalige SAP-Chef Leo Apotheker seit 2016 im Beirat der Gesellschaft. Darüber hinaus kennen sich der Vater des Signavio-Gründers und EX-SAP-Manager Henning Kagerman aus dessen Promotionszeit.

Finanzinvestoren machen Kasse

Besonders freuen dürften sich über den starken Wertzuwachs von Signavio neben den Gründern Gerold Decker und Nicolas Peters, die gemeinsam 24,5% der Anteile halten, vor allem auch einige Finanzinvestoren: Der amerikanische Geldgeber Summit Partners (seit 2015 investiert), hielt beim Exit noch rund 8,1 % am Unternehmen. Deutsche Telekom Capital Partners (DTCP) war zuletzt mit 6,6 % beteiligt, während der amerikanische Investor Apax, der wie DTCP 2019 bei Sgnavio eingestiegen ist, zuletzt 40,6 % aller Anteile auf sich vereinte.

Qualtrics-Börsengang steht vor der Tür

Neben dem Signavio-Zukauf dreht sich bei SAP derzeit vieles um den Börsengang der US-Tochter Qualtrics. Vor der Erstnotiz an der Nasdaq wird das erst Ende 2018 von SAP übernommene Unternehmen mit mehr als 15 Milliarden Dollar bewertet.

Dabei zeichnet sich eine hohe Nachfrage ab. Bereits Anfang der Woche hatte Qualtrics die Preisspanne auf 27 bis 29 Dollar (von zuvor 22 bis 26 Dollar) hochgeschraubt. Der Ausgabepreis dürfte sogar noch darüber liegen. Damit könnte der Sprung von Qualtrics aufs Parkett bis zu 1,7 Milliarden Dollar in die Kassen von SAP spülen. Zum Hintergrund: SAP behält nach dem Börsengang 84% der Qualtrics-Aktien. Im Vergleich zum Kauf kann sich SAP über einen deutlichen Gewinn freuen. Bei der Übernahme von gut zwei Jahren musste SAP mit knapp acht Milliarden Dollar für Qualtrics deutlicher weniger auf den Tisch legen.

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Qualtrics will die Milliarde knackenDie SAP-Tochter Qualtics mit ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang: Die Jahresprognose scheint die Anleger nur bedingt zu überzeugen. › mehr lesen


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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