Siemens blättert 1,6 Mrd. $ für Brightly auf den Tisch

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Der DAX-Riese Siemens ist weiter auf Einkaufskurs. Im letzten Jahr schluckte der Konzern für 700 Millionen Dollar den digitalen Marktplatz-Spezialisten Supplyframe. Auf den Plattformen des Unternehmens wie findchips.com finden Entwickler und Hersteller von Elektronik-Komponenten zusammen. Vor allem vor dem Hintergrund der anhaltenden Probleme in den Lieferketten, vor allem im Halbleitermarkt, war der Zukauf strategisch bedeutsam.

Nun schlägt der Technologiekonzern wieder zu und verleibt sich für 1,6 Milliarden Dollar das US-Softwareunternehmen Brightly ein. Damit wollen die Münchener eine führende Position im Softwaremarkt für Gebäude und bestehende Infrastruktur erreichen.

Softwareanbieter Brightly wechselt den Besitzer

Der Deal ist auch für Siemens ein ordentlicher Schluck aus der Pulle: Immerhin legt der Konzern 1,575 Milliarden Dollar plus eine erfolgsabhängige Komponente für den Softwareanbieter Brightly auf den Tisch. Hinter Brightly verbirgt sich ein großes Unternehmen in dem fragmentierten Markt der Immobilien-Software. Das Unternehmen ist ein Spezialist für das Anlagen- und Wartungsmanagement von Gebäuden. Verkäufer ist der Private-Equity-Spezialist Clearlake Capital, der Brightly 2019 übernommen hatte.

Siemens zahlt den 8,7-Fachen Umsatz

Im laufenden Jahr dürfte Brighly mit seinen rund 800 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 180 Millionen Dollar erzielen. Entsprechend blättert Siemens in etwa den 8,7-Fachen Umsatz für den Softwarekonzern auf den Tisch. Laut Siemens-Chef Matthias Rebellius bewegt sich das Transaktionsmultiple im branchenüblichen Rahmen.

Vor allem die hohe Planbarkeit der Umsätze dürfte ihm gefallen. Immerhin verfügt Brightly über eine starkes Cloud-Geschäft, das beinahe 90% der Umsätze in Form wiederkehrender Erlöse einstreicht. Für Siemens ist die Transaktion ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem stärker auf Abonnements, digitale Anwendungen und Software ausgerichteten Unternehmen.

Nach dem Deal peilt der Konzern eine jährliche Wachstumsrate von rund 13% an. Darüber hinaus soll die aktuelle Gewinnmarge von Brightly über dem mittelfristigen Ziel von Siemens Smart Infrastructure von 11 bis 16% liegen.

Hohe Energiepreise spielen Brighly in die Karten

Brightly Software wird in die Siemens-Division Smart Infrastructure integriert, die digitale Systeme zur Verwaltung der Sicherheit und des Energieverbrauchs von Gebäuden vertreibt. Brightly vertreibt cloud-basierte Software, die Daten von Gebäudesensoren sammelt und dann analysiert, um zu erkennen, wo und wann eine proaktive Wartung erforderlich ist. So sollen Probleme verhindert werden, bevor sie auftreten. Die Software dürfte vor allem vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Energiepreise zunehmend nachgefragt werden.

Brightly mit 12.000 Kunden: Siemens setzt auf den Marktführer

Laut Siemens verfügt Brightly über ein extrem breites Kundenportfolio (12.000 Kunden). Mit der Übernahme schnappt sich Siemens den größten Spieler in dem Teilsegment. Der nächste Rivale ist laut Firmenangaben gerade einmal halb so groß. Das Marktvolumen beziffert der DAX-Konzern auf 2 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sieht Siemens in dem Deal eine klassische Win-Win-Situation.

Synergien und Internationalisierung im Visier

Zum einen sollen Synergien mit einem Nettobarwert in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe erzielt werden. Zum anderen will Siemens eigene Anwendungen in die Vertriebskanäle von Brightly hineinbringen, so Siemens-Vorstand Rebellius. Die Übernahme soll sich im zweiten Jahr nach Abschluss positiv auf das Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation auswirken.