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VW-Bilanz 2021 übertrifft Analystenerwartungen

VW-Bilanz 2021 übertrifft Analystenerwartungen
Volkswagen
Inhaltsverzeichnis

Gleich zwei im Dax gelistete Autobauer werden in dieser Woche ihr jüngstes Zahlenwerk vorlegen – und haben bereits vorab erste Eckdaten bekanntgegeben. Noch bevor BMW am Mittwoch seine Bücher öffnet, wird Volkswagen bereits am Dienstag seine Bilanz für das zurückliegende Quartal sowie Gesamtjahr vorstellen.

VW-Kennzahlen über Analystenerwartungen

Vorab wurden die wichtigsten Kennzahlen bereits publik. Demnach konnten die Wolfsburger die Erwartungen der Analysten bei Umsatz und Gewinn deutlich übertreffen. Hatten Experten laut einer Bloomberg-Umfrage im Schnitt mit einem Umsatzplus von 11 Prozent auf 247,6 Milliarden Euro gerechnet, weist Volkswagen tatsächlich gut 250 Milliarden Euro aus. Das entspricht einer Steigerung um rund 12,3 Prozent.

Beim Gewinn hatten Analysten dem größten Autokonzern Europas ein Wachstum von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugetraut und waren von 13,8 Milliarden Euro ausgegangen. Nach vorläufigen Zahlen beläuft sich der Gewinn jedoch auf 15,4 Milliarden Euro und liegt damit etwa 75 Prozent höher als noch 2020.

Anleger profitieren von höherer Dividende

Für die Hauptversammlung am 12. Mai schlägt das Unternehmen eine um mehr als 50 Prozent steigende Dividende in Höhe von 7,56 Euro je Vorzugsaktie vor und liegt auch damit über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt lediglich mit 6,86 Euro je Aktie gerechnet hatten (2020: 4,86 Euro).

Doch es gibt auch Schattenseiten, etwa die rückläufigen Absatzzahlen. Die Auslieferungen gingen im vergangenen Jahr insgesamt um 4,5 Prozent zurück auf 8,9 Millionen Fahrzeuge. Dieser Abwärtstrend hat sich in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres fortgesetzt. Besonders hart trifft es VW in China, das inzwischen wichtigster Absatzmarkt der Wolfsburger ist: Hier verzeichnet der Konzern seit Jahresbeginn einen Rückgang um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 übergab Volkswagen 2,4 Millionen weniger Fahrzeuge an seine Kunden.

Ukraine-Krieg verschärft Lieferengpässe

Das hat jedoch nichts mit fehlender Nachfrage zu tun, ganz im Gegenteil. Wie die gesamte Automobilbranche leidet auch Volkswagen unter Lieferengpässen im Allgemeinen und der weltweiten Chipkrise im Speziellen. Die Bestellungen können wegen fehlender Bauteile kaum abgearbeitet werden.

Verschärft wird die Situation nun auch noch durch den Krieg in der Ukraine: Im Westen des Landes werden Kabelbäume für VW gefertigt, dementsprechend rechnet der Konzern diesbezüglich mit zusätzlichen Belastungen. Bereits seit einigen Monaten hat Volkswagen wegen der fehlenden Komponenten immer wieder mit Schichtausfällen und Kurzarbeit zu kämpfen, das dürfte vorerst auch so bleiben.

Kunden wollen E-Autos – VW verhängt Bestellstopp

Zuletzt verkündete Volkswagen für seine Kernmarke sogar einen Bestellstopp für Plug-in-Hybride. Dabei waren gerade elektrisch oder teilelektrisch angetriebene Fahrzeuge im vergangenen Jahr bei Kunden besonders beliebt, Volkswagen verzeichnet im Elektrobereich eine starke und steigende Nachfrage.

Dementsprechend optimistisch blickt der Vorstand auf sein Zukunftsmodell mit dem Namen Trinity. Für das neue E-Auto soll extra eine neue Fabrik entstehen, in der Nähe des Hauptstandorts in Wolfsburg. Mit Blick auf die Chipkrise setzt Volkswagen auf eine allmähliche Entspannung der Lage in der zweiten Jahreshälfte und rechnet in seinem Jahresausblick mit einer Steigerung von Umsatz und Gewinn – allerdings unter Vorbehalt, gerade hinsichtlich der weiteren Entwicklung in der Ukraine, der Auswirkungen des Krieges auf globale Lieferkettennetze und die Inflationsdynamik sowie auch der noch nicht ausgestandenen Coronapandemie.

VW-Chef Diess: Krieg mit stärkeren Auswirkungen als Pandemie

Laut VW-Vorstandschef Herbert Diess wird sich der militärische Konflikt in Europa stärker auf den Konzern sowie die gesamte Branche auswirken als die Pandemie. Volkswagen hat – ebenso wie viele andere europäische Unternehmen – seine Produktion in sowie Exporte nach Russland vorerst auf Eis gelegt.

Die gestiegenen Kosten werden wohl zum Teil auf die Kunden weitergegeben. Diese müssen wegen der das Angebot übersteigenden Nachfrage ohnehin tiefer in die Tasche greifen beim Autokauf: Die sonst üblichen Rabatte werden kaum noch gewährt, auch Gebrauchtwagen sind teurer und knapper geworden.

Die im Dax gelistete VW Vorzugsaktie hat auf Monatssicht gut ein Fünftel an Wert verloren. Wie der gesamte Aktienmarkt wurde das Papier durch den Kriegsausbruch Ende Februar auf Talfahrt geschickt und notierte zuletzt bei knapp 147 Euro. Die meisten Analysten sehen das Kursziel jedoch deutlich über 200, teils auch über 250 Euro. Inwieweit die derzeitige Kursschwäche tatsächlich nur eine vorübergehende Momentaufnahme ist, dürfte wesentlich von externen Faktoren abhängen, auf die VW nur bedingt Einfluss nehmen kann.