Wirecard: Skandal-Aktie nicht mehr im regulierten Handel

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Seit dieser Woche ist die Aktie des Skandal-Unternehmens Wirecard aus dem regulierten Börsenhandel verschwunden. Erfahren Sie jetzt, was das bedeutet. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Im Sommer des vergangenen Jahres erlebten wir in Deutschland den größten Anlegerskandal der Nachkriegsgeschichte. Der DAX-Konzern Wirecard, um den es zuvor schon immer wieder Kontroversen gab, konnte keinen testierten Jahresabschluss für 2019 vorlegen, woraufhin die Aktie implodierte.

Später musste Wirecard dann einen Insolvenzantrag stellen, weil 1,9 Mrd. Euro nicht auffindbar waren, die eigentlich auf Treuhandkonten liegen sollten. Meine Vermutung: Wirecard war nie im Besitz dieses Geldes!

Schon damals war mir klar, dass die Wirecard-Aktionäre am Ende leider komplett leer ausgehen würden, da das Unternehmen damals rund 4 Mrd. Euro Schulden, jedoch fast keine Vermögenswerte hatte. Daher schrieb ich Ihnen hier im Schlussgong im Sommer des vergangenen Jahres – als die Wirecard-Aktie noch gut 3 Euro kostete -, dass mein Kursziel bei exakt 0,00 Euro liegt

Heute sind wir von meinem Kursziel nur noch wenige Cent entfernt. Denn aktuell kostet eine Wirecard-Akie gerade noch 0,04 Euro. Allein auf Sicht der vergangenen 12 Monate hat das Papier um über 90% im Kurs nachgegeben. Ich hoffe, Sie waren nie bei Wirecard investiert oder sind frühzeitig ausgestiegen und konnten damit wenigstens den Schaden etwas begrenzen. Meine Warnung hat hoffentlich auch weitere Kauf-Interessenten abgeschreckt.

Nur noch über die Börse Hamburg handelbar

Inzwischen ist es übrigens schwer geworden, Wirecard-Aktien zu verkaufen. Denn das Papier ist seit Dienstag dieser Woche nur noch über die Börse Hamburg handelbar. Das ist oft die letzte Anlaufstelle für Aktien in Sondersituationen, die nicht mehr im regulierten Handel zu finden sind.

Das bedeutet aber auch, dass die Wirecard-Aktie seit Dienstag nur noch im weitgehend unregulierten Freiverkehr gehandelt wird. Wie lange die Wirecard-Aktie noch im Freiverkehr handelbar ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös vorausgesagt werden.

Was es zu beachten gilt: Wenn die Papiere irgendwann wertlos ausgebucht werden ohne aktiven Verkauf, kann das steuerliche Probleme mit sich bringen. Denn seit dem 1. Januar 2020 können Verluste, die auf Ausbuchung wegen Wertlosigkeit beruhen, nur noch in Höhe von 20.000 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Daher kann aus steuerlicher Sicht auch jetzt noch der Verkauf die beste Lösung sein.

Wirecard-Aktie: Kursziel 0 Euro

Abschließend möchte ich meine Empfehlung noch einmal wiederholen: Seien sich sehr vorsichtig mit der Wirecard-Aktie! Am Ende dürften die Aktionäre – wie im Grunde bei jeder Insolvenz – leer ausgehen.

Zwar notiert die Aktie nur noch bei gut 4 Cent. Das bedeutet aber trotzdem, dass für Neueinsteiger weiterhin ein 100%iger Verlust mit der Aktie wahrscheinlich ist, sofern mein Kursziel von 0,00 Euro erreicht wird.

Warum mein Kursziel weiterhin bei 0,00 Euro liegt? Im Falle einer Insolvenz werden immer die Gläubiger (also die Fremdkapitalgeber) zuerst bedient. Als Aktionär sind Sie Eigenkapitalgeber und werden nachrangig behandelt. Deshalb werden die Aktionäre aus heutiger Sicht leer ausgehen. Somit bleibt mein Kursziel bei 0 Euro.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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