Telekommunikation: iliad-Gründer will seine Firma übernehmen und delisten

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Der Mehrheitseigentümer des viertgrößten französischen Telekom-Anbieters iliad will das Unternehmen vollständig übernehmen und delisten. Hierfür hat er den Aktionären insgesamt mehr als 3 Mrd. Euro angeboten. (Foto: Jinning Li)

Schon seit ein paar Jahren kursieren Gerüchte, dass der Gründer des viertgrößten Telekommunikationskonzern Frankreichs iliad SA, Xavier Niel, sein Unternehmen zurückkaufen und von der Börse nehmen will.

Am Freitag ließ der Milliardär und iliad-Mehrheitsaktionär nun die Katze aus dem Sack: Er unterbreitete den iliad-Aktionären ein Übernahmeangebot mit einem äußerst attraktiven Übernahmeaufschlag von 61%.

Xavier Niel bietet 3,1 Mrd. Euro…

In seiner kurz vor dem Wochenende veröffentlichten Übernahme-Offerte bietet der iliad-Gründer Niel für jedes ausstehende iliad-Papier stolze 182 Euro. Im Vergleich zum Schlusskurs am Donnerstag, dem Tag vor Bekanntgabe des Übernahme-Angebots, beinhaltet die Offerte eine Prämie von sehr guten 61%.

Bezogen auf den Durchschnittskurs der iliad-Aktie im Monat vor Veröffentlichung des Übernahme-Angebots beträgt der Übernahmeaufschlag immerhin noch gute 52,7%. Insgesamt hat sich Niel mit seinem Angebot bereit erklärt, bis zu 3,1 Mrd. Euro an die Aktionäre zu zahlen.

…und besitzt bereits mehr als dreiviertel der Stimmrechte

Allerdings muss der iliad-Gründer nur einen Bruchteil der Aktien von iliad erwerben, denn er ist bereits Mehrheitseigentümer des Telekommunikationsriesen. Laut eigenen Angaben besitzt Xavier Niel derzeit über diverse von ihm kontrollierten Unternehmen gut 42 Mio. iliad-Aktien und 72,3 Mio. Stimmrechte, was 70,63% des Aktienkapitals und 78,67% der Stimmrechte entspricht.

Auch das iliad-Management sowie einige langjährige Anteilseigner haben sich schon im Vorfeld bereit erklärt, die Übernahme-Offerte anzunehmen. Sie besitzen derzeit etwa 2,57 Mio. iliad-Aktien, was 4,31% des Grundkapitals und 4,92% der Stimmrechte des Telekommunikationsunternehmens entspricht.

iliad-Kurs geht durch die Decke

Bei diesen Mehrheitsverhältnissen dürfte die Übernahme und das anschließende Delisting problemlos über die Bühne gehen. Aber auch die meisten Anleger werden dem Übernahme-Angebot aufgrund der hohen Übernahmeprämie zustimmen und ihre Aktien andienen.

Ein Indiz hierfür ist auch, dass der Kurs der iliad-Papiere am Freitag, dem Tag nach Bekanntgabe der Offerte, an der Pariser Börse um stolze 61,03% anstieg und mit 182,05 Euro ins Wochenende ging. Damit lag der Kurs fast exakt auf Höhe der gebotenen 182 Euro.

Niel will iliad privatisieren

Erklärtes Ziel des iliad-Gründers ist es, den Telekommunikationsanbieter von der Börse zu nehmen. Die Gründe hierfür legte er in seinem Übernahmeangebot offen:

„Ich habe iliad 1999 gegründet und bin sehr stolz auf das, was aus der Gruppe geworden ist und welchen Wert sie für alle ihre Aktionäre geschaffen hat. iliad tritt nun in eine neue Phase seiner Entwicklung ein, die rasche Veränderungen und große Investitionen erfordert, die als nicht börsennotiertes Unternehmen leichter zu bewerkstelligen sind.“

„Unser Ziel für iliad ist es, das Wachstum zu beschleunigen und das Unternehmen zu einem führenden Telekommunikationsanbieter in Europa zu machen“, so Xavier Niel weiter.

Die anstehende Privatisierung von iliad ist nicht das einzige Delisting-Vorhaben in der europäischen Telekommunikationsbranche. Bereits im September 2020 unterbreitete der Mehrheitseigentümer des niederländischen Telekomanbieters Altice Europe, Patrick Drahi, ein auf 2,5 Mrd. Euro taxiertes Übernahmeangebot. Die Offerte war erfolgreich und Altice Europe wurde Ende Januar 2021 von der Börse genommen.

iliad mit guten Halbjahreszahlen

Nach der Gründung im Jahre 1999 hatte iliad mit seinen günstigen Konditionen den französischen Telekommunikationsmarkt aufgewirbelt. Danach wurde es ruhiger um den Telekomkonzern. In den letzten Monaten hat der Kurs der iliad-Papiere sogar um ein Drittel an Boden verloren.

Allerdings zeigen die zusammen mit dem Übernahmeangebot veröffentlichten Halbjahreszahlen ein durchaus positives Bild. So konnte die iliad-Gruppe in den Monaten Januar bis Juni 2021 einen Umsatzwachstum von 6,3% erzielen.

Auch die Erlöse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legten im ersten Halbjahr 2021 um 17% zu. Bei den Halbjahreszahlen wurden allerdings die Zahlen des erst vor Kurzem übernommenen polnischen Telekom-Anbieters Play, der sich aktuell in einer Konsolidierungsphase befindet, nicht berücksichtigt.

Die iliad-Gruppe hat mehrere Tochtergesellschaften (Free in Frankreich, iliad-Italia und die polnische Tochtergesellschaft Play). Im vergangenen Jahr versorgte das Unternehmen 42,7 Mio. Kunden mit seinen Telekommunikationsdienstleistungen. 2020 erwirtschafteten die etwa 15.000 iliad-Mitarbeiter einen Umsatz von 5,9 Mrd. Euro.

Wie es weitergehen wird

Unter der Voraussetzung, dass die französische Finanzaufsichtsbehörde AMF eine entsprechende Mitteilung herausgibt, wird die Angebotsfrist am 8. September 2021 eröffnet und am 23. September geschlossen werden.

Kurz nach dem Closing sollen auch die bis dahin noch nicht angedienten Aktien im Rahmen eines Squeeze-out-Verfahrens übernommen werden. Danach sollen die iliad-Papiere von der Euronext Paris genommen und das Unternehmen privatisiert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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