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Beispiellose Sanktionen gegen die russischen Zentralbank

Beispiellose Sanktionen gegen die russischen Zentralbank
Daniel Dörfler / stock.adobe.com
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Ungewohnt reaktionsschnell und einig war sich die EU, als es um die Bestrafung von Russland ging. Die wirtschaftliche Bestrafung. Denn dort liegt heutzutage der längere Hebel. Genauso sieht es jetzt nämlich im Falle der russischen Zentralbank aus.

Russland hatte in den letzten Jahren deutlich gespart. Die Reserven belaufen sich auf umgerechnet 643 Milliarden US-Dollar. Doch der Großteil mit fast 200 Milliarden US-Dollar ist in Euro investiert. Fast 80 Milliarden US-Dollar stecken in Yuan. Das ist die quasi die Lebensversicherung der Regierung Putin. Damit könnten mögliche Sanktionen gemildert werden.

Allerdings funktioniert das auch nur, wenn auf diese Reserven zugegriffen werden kann. Doch diesem Plan wurde der Stecker gezogen. Damit hatte Putin offenbar nicht gerechnet. Genau deshalb stürzt der Rubel jetzt auch im Wert. Die Zentralbank hat keine „Munition“ um gegenzusteuern.

Russische Unternehmen bekommen auch Schwierigkeiten

Natürlich leiden die Geschäfte auch unter den Sanktionen. Eine russische Firma kann im Ausland nur sehr schwer etwas einkaufen. Verkaufen wird quasi parallel unmöglich, weil niemand derzeit Rubel haben möchte. US-Dollar und Euro sind in Russland heiß begehrt und gleichzeitig so gut wie nicht vorhanden.

Dass Putin wirklich nicht mit diesen entscheidenden Sanktionen gerechnet hat, zeigen folgende Punkte: Nach den Sanktionen zum Krim-Konflikt hatte die russische Zentralbank sich weiter unabhängig machen wollen und in diesem Zuge sich von US-Staatsanleihen getrennt. Ebenso verlief es mit den Dollarreserven. Diese wurden in den letzten Jahr etwa halbiert.

Das ist generell keine schlechte Idee. Schließlich verliert der US-Dollar in diesen Zeiten dermaßen an Wert, dass schier jede Alternative attraktiver erscheint. Im Falle von Russland war das der Euro. Von den US-Staatsanleihen und US-Dollar wurden Yuan und in erster Linie Euros gekauft.

Doch jetzt kommt der springende Punkt: Die Gelder stecken in der EU! Wenn Putin geahnt hätte, dass die EU seine Gelder einfrieren würde, hätte er sie natürlich abgezogen. Doch das hat er nicht. Der Großteil der russischen Euro-Reserven liegt vermutlich bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Andere Teil in Frankreich und Österreich.

Noch kein Land wurde derart hart bestraft

Solche Sanktionen gab es noch nie! Zumindest nicht gegen kein Land dieser Größe. Dasselbe Spiel gab es bereits in Afghanistan und Venezuela durch die USA – aber eben im kleinen Stil.

Die Folge ist für die Bevölkerung drastisch: Kreditkarten funktionieren unter Umständen nicht mehr. Oft werden hier auch „Bank-Runs“ genannt als Folge. Dass die russische Bevölkerung jetzt noch schnell zur nächsten Filiale rennt und den im Wert crashenden Rubel abhebt, sehe ich zwar schon – aber nicht derart extrem, dass es hier im Chaos versinkt.

Swift abzuschalten und Russland vom internationalen Bankenmarkt zu trennen, ist ein außergewöhnlich drastischer Schritt. Und vielleicht die erste Sanktion, die Putin wirklich stören wird.