Nestlé : Nahrungsmittel-Gigant trennt sich für 4,3 Milliarden Dollar von Wassergeschäft in Nordamerika

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Der Nahrungsmittel-Riese Nestle trennt sich von nordamerikanischen Wassergeschäft. Der Firmenboss Ulf Schneider treibt den Konzernumbau mit Hochdruck voran. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Zugegeben, ganz unerwartet kam die Nachricht nicht. Bereits Anfang Februar berichteten verschiedene Medien über exklusive Verhandlungen. Nestlé  selbst hatte bereits vor über sechs Monaten das Wassergeschäft in den USA zur Disposition gestellt. Doch jetzt ist es amtlich: Der Schweizer Nahrungsmittelriese stößt sein Wassergeschäft für 4,3 Milliarden Dollar ab.

Die Aktie konnte von den Nachrichten vorerst nicht profitieren und notierte zuletzt nahezu unverändert.

Finanzinvestoren scharf auf Nestlé s Wassergeschäft

Der Deal beinhaltet den Verkauf regionalen Quellwassermarken, des Geschäfts mit aufbereitetem Flaschenwasser sowie des Getränkelieferdiensts in den USA und Kanada. Käufer sind die beiden US-Finanzinvestoren One Rock Capital Partners und Metropoulos & Co.

Zuletzt erzielte der veräußerte Bereich einen Jahresumsatz (2019) von 3,15 Milliarden Euro. Der Geschäftsbereich Nestlé Waters North America beschäftigt laut One Rock rund 7.000 Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten und mehr als 230 in Kanada. Durch den Verkauf wird der Umsatz der  prestigeträchtigen Wassersparte bei Nestlé  beinahe halbiert.

Preiskampf sorgt für Bremsspuren

Mit der Transaktion trennen sich die Schweizer von zahlreichen Marken wie Poland Spring, Deer Park, Ozarka, Ice Mountain, Arrowhead oder Pure Life, aber auch der US-Getränkelieferservice Readyfresh. Die Transaktion ist exemplarisch dafür, wie der Nestlé  Firmenboss Ulf Schneider seit nunmehr rund vier Jahren den Riesenkonzern auf einen neuen Kurs bringt.

Mit dem US-Wassergeschäft war Nestlé  seit längerem nicht mehr glücklich. Zum einen handelt es sich um ein hart umkämpftes und entsprechend wenig profitables Massengeschäft. Im Preiskampf hatte Nestlé zuletzt einen schweren Stand. Bei den nun verkauften Marken handelt es sich um sogenanntes Quellwasser, das oft aus verschiedenen Quellen stammt, oder um aufbereitetes Wasser. Auf diesem Markt sieht das Nestlé -Management offenbar wenig Differenzierungspotenzial.

Fokus auf Premium-Marken

Allerdings stößt Nestlé  nicht sein gesamtes Wassergeschäft in Nordamerika ab: An Premiummarken wie Perrier, San Pellegrino und Acqua Panna will Nestlé festhalten. Eigentlich hatte Nestlé  das Wassergeschäft immer als wachstumsstark deklariert, konnte zuletzt diesem Anspruch aber nicht mehr vollumfänglich gerecht werden.

Ende August 2020 hatte Nestlé  bereits das chinesische Wassergeschäft abgestoßen. Mit den Premium-Marken will Nestlé  sein Image aufbessern und höhere Margen erzielen. Zudem soll der Bereich mit funktionalem, also mit Mineralien angereichertem Wasser, ausgebaut werden.

Zukäufe in anderen Geschäftsbereichen

Während sich der Nahrungsmittelkonzern von zahlreichen Wassermarken trennt, ist das Management in anderen Segmenten weiter auf der Suche nach Zukäufen. Unter anderem kauft der Konzern in wachstumsstarken Bereichen wie gesunden Fertigmahlzeiten zu.

Zudem hat der Nahrungsmittelkonzern vor wenigen Tagen seinen Anteil an IVC Evidensia, einem Betreiber von Veterinärkliniken, aufgestockt. IVC betreibt über 1.500 Tierkliniken und -spitäler in Europa und beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiter. Nestlé hatte sich im Frühjahr 2019 an der Gesellschaft beteiligt mit dem Ziel, dass die Nestlé-Tochter Purina PetCare enger mit Forschern und Veterinärmediziner in der Entwicklung von Tiernahrung zusammenarbeiten kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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