Ambarella-Aktie beinahe 70% unter 12-Monatshoch

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Seit dem Jahreswechsel hat es die Aktie des US-Halbleiterspezialisten richtig erwischt. Der Kurs sackte von über 200 auf unter 67 Dollar in den Keller. Der Kurseinbruch führt den Anlegern vor allem eines vor Augen: Die Börse ist keine Einbahnstraße. Die Ambarella-Aktie hatte im Börsenjahr 2021 mit einem Kursplus von 120% einen fulminanten Lauf. Da war eine Konsolidierung mehr als angebracht. Zumal die schärfere Gangart der US-Notenbank FED hinsichtlich einer restriktiveren Geldpolitik die Stimmung bei Technologieaktien ohnehin stark eingetrübt hat.

Ambarella: Chip-Konzern mit breiter Kundenbasis

Mit einem Börsenwert von 2,5 Milliarden Dollar gehört Ambarella noch zu den kleineren Technologieaktien. Hierzulande dürfte die Firma nicht jedermann bekannt sein: Ambarella wurde im Jahr 2004 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Santa Clara, Kalifornien. Das Unternehmen entwickelt Hochleistungschips, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.

Die Lösungen des Unternehmens ermöglichen beispielsweise die Erstellung von Videoinhalten für tragbare Kameras, Fahrzeugkameras, Drohnen, Virtual-Reality-Kameras und Internetprotokoll-Sicherheitskameras für den professionellen Einsatz, die Heimsicherheit und -überwachung sowie für die Robotik und industrielle Anwendungen, einschließlich Identifikations-/Authentifizierungskameras, Roboterprodukte und Sensorkameras.

Das Unternehmen vertreibt seine Lösungen an Originalhersteller und Erstausrüster über seinen Direktvertrieb und Distributoren.

Ambarella mit nachlassenden Wachstumsraten zum Jahresstart

Im ersten Quartal erreichte der Chip-Spezialist zwar weiterhin ordentliche, aber deutlich nachlassende Wachstumsraten: Der Umsatz kletterte um 28,8% auf 90,31 Millionen Dollar. Damit wurde die Wachstumsdynamik der Vorquartale (Q4: 45%; Q3: 64%; Q2: 58%) nicht mehr erreicht. Die Analystenerwartungen wurden mit dem Umsatz hingegen exakt getroffen.

Ambarella hatte drei Kunden, die im Berichtsquartal mehr als 10 % zum Umsatz beitrugen. WT Microelectronics, ein Fulfillment-Partner in Taiwan, der mehrere Kunden in Asien beliefert, trug 57 % zu den Einnahmen des Unternehmens bei. Hakuto, ein japanischer Distributor für Automobilkunden, trug 10 % bei, während Chicony, ein in Taiwan ansässiger Elektronikhersteller, der mehrere IOT-Kunden beliefert, 11 % der Einnahmen des Unternehmens ausmachte.

Auffallend hoch sind übrigens die Forschungs- und Entwicklungskosten bei Ambarella. Im ersten Quartal flossen 46,69 Millionen Dollar in die hauseigene Entwicklungsabteilung. Das entspricht beinahe 52% der Gesamtumsätze.

Verluste auf Vorjahresniveau

Unter dem Strich verharrte Ambarella weiterhin in der Verlustzone. Am Ende stand ein Nettoverlust von 10,82 Millionen Dollar und damit exakt so viel wie im Vorjahresquartal in den Büchern. Das Ergebnis je Aktie lag bei minus 29 Cent.

Lieferkettenprobleme überschatten Ausblick

Mit seiner Prognose konnte der Chip-Spezialist bei den Anlegern weniger punkten. Im laufenden Quartal wird ein Umsatz zwischen 78 bis 82 Millionen Dollar erwartet. Ambarella geht außerdem davon aus, dass die Bruttogewinnspanne zwischen 63 und 64% liegen wird.

Gegenwind kommt von geopolitischer Seite sowie von anhaltenden Herausforderungen in der Lieferkette. Im ersten Quartal brach die Pandemie in China aus und die daraus resultierende Abriegelung brachte die Produktionspläne der Ambarella-Kunden und die erteilten Aufträge sowie die Logistik in der Lieferkette im Großraum Asien durcheinander. Ein Großteil der Produkte der Kunden wird in dieser Region hergestellt und ist von den Auswirkungen der Unterbrechungen der Lieferkette in China betroffen. Die negativen Auswirkungen dürften auch im weiteren Jahresverlauf anhalten.

Fazit: Ambarella ist eine spannende Firma mit einem attraktiven Produktportfolio, die in den letzten Jahren mit einer hohen Wachstumsdynamik glänzen konnte. Allerdings sorgen Probleme in den Lieferketten und Corona-Beschränkungen in China für deutlichen Gegenwind. Das Cash-Polster von rund 200 Millionen Dollar ist eine solide Basis, genügt den Anlegern aber momentan nicht. Trotz der rasanten Talfahrt trauen sich die Anleger nicht an Hochwachstumsunternehmen heran, die rote Zahlen schreiben. Wann sich dies wieder ändert, bleibt abzuwarten.