Ausblick auf die US-Inflation im Mai

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Schnallen Sie sich besser an: Die Inflationsdaten für Mai dürften erneut die Erwartungen der Volkswirte übertreffen! (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Am morgigen Donnerstag werden die US-Behörden über die Entwicklung der Inflation im abgelaufenen Monat Mai informieren. Am Dienstag kommender Woche folgen dann noch die ebenso bedeutsamen Erzeugerpreise.

Wie bereits am Montag angekündigt, möchte ich Sie heute auf diese Ereignisse einstimmen, damit Sie das verlautbarte Zahlenmaterial besser einordnen können: Wir werden noch einmal auf die letzten Daten und auf die Prognosen der Volkswirte schauen.

Welche Inflationsdaten werden berichtet?

Am Donnerstagmittag stehen zunächst die Inflationsrate sowie die Kerninflationsrate auf dem Programm: Die Inflationsrate beinhaltet zusätzlich die Entwicklung der Preise für Energie und Nahrungsmittel, die wiederum bei der Kerninflationsrate keine Berücksichtigung finden.

Für uns, die Konsumenten, sind daher tatsächlich die Inflationsraten die wirklich bedeutsamen, da hier auch die Dinge einbezogen sind, für die wir tagtäglich zahlen (müssen).

Die Kerninflationsrate hingegen ist die Kennziffer, die von den Notenbanken zur Bestimmung ihrer Geldpolitik herangezogen wird. Die Herausnahme der Preise für Energie und Nahrungsmittel wird mit deren hohen Volatilität begründet. Fragen Sie mich bitte nicht, warum die Notenbanken eine Geldpolitik „am Konsumenten vorbei“ betreiben.

Die Erzeugerpreise spiegeln wiederum die Kostenentwicklung für die Hersteller von Waren und Gütern sowie Dienstleistern wider. Hier fließen beispielsweise Daten aus dem Flugreiseverkehr, dem Nahrungsmittelhandel, dem Handel mit Brennstoffen und Schmiermitteln, der Stahlproduktion, aber auch der ärztlichen Versorgung oder dem Baustoffbereich ein, um nur einige zu nennen.

Sie sind deshalb wichtig, weil die Produzenten entscheiden müssen, ob und inwieweit sie höhere Kosten durch höhere Preise für ihre Waren, Güter oder Dienstleistungen an den Konsumenten weitergeben.

Wichtig ist bei allen Daten noch die Unterscheidung des Vergleichszeitraumes: Für alle Geldentwertungsdaten werden prozentuale Veränderungen gegenüber dem Vormonat und gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum genannt. Größere Bedeutung haben indes die 12-Monats-Vergleiche. Warum ist das so wichtig?

Nun, weil die Geldentwertung ab März 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie deutlich absackte. Lag sie im Januar und Februar des vergangenen Jahres noch bei +2,5% und 2,3%, so blieb sie anschließend für 11 Monate unter 1,7%. Der Tiefpunkt wurde im Mai mit +0,2% ermittelt (Quellen: tradingeconomics; U.S. Bureau of Labor Statistics):

US-Inflationsrate im 12-Monats-Vergleich seit Anfang 2020

US-Kerninflationsrate im 12-Monats-Vergleich seit Anfang 2020

Bei den Erzeugerpreisen sahen wir vom April bis August 2020 sogar eine negative Rate, also Deflation (Quellen: tradingeconomics; U.S. Bureau of Labor Statistics):

US-Erzeugerpreise im 12-Monats-Vergleich seit Anfang 2020

Somit ergeben sich schon aufgrund der niedrigen Ausgangsbasis vermutlich höhere Inflationsraten und Erzeugerpreise für den Mai 2021.

US-Inflation im April und Erwartungen für Mai

Vorab: Für alle im Folgenden genannten Daten gilt der 12-Monats-Vergleich.

Die Kerninflation war von +1,6% im März auf +3,0% im April angestiegen. Damit wurde die Prognose der Volkswirte von +2,3% signifikant übertroffen. Für den Mai sagen die Wirtschaftsexperten nun einen Anstieg um +3,4% voraus.

Die Inflationsrate lag im März bei +2,6% und kletterte im April auf +4,2%. Auch hier waren die Erwartungen der Volkswirte mit +3,6% deutlich zu niedrig angesetzt. Für den Mai liegt der Konsensus der Experten bei stattlichen +4,7%.

Schauen wir zum Abschluss noch auf die US-Erzeugerpreise. Auf die Rate von +4,2% im März folgte ein heftiger Anstieg um +6,2% im April. Auch hier wurde der Experten-Konsens von +5,9% überboten. Für Mai liegen die Erwartungen nun bei +6,9%.

Fazit

Die von mir präsentierten Grafiken verdeutlichen: Allein aufgrund des niedrigen Basiseffektes – extrem geringe Preissteigerungen ab März 2020 für viele Monate mit Tiefpunkt im Mai – dürfen Sie nun mindestens für den Vormonat noch mit höheren Preissteigerungen rechnen. Darauf deuten auch die Erwartungen der Wirtschaftsexperten hin – die aber vermutlich erneut getoppt werden dürften.

Richtig spannend wird es in puncto Geldentwertung dann jedoch ab Juni dieses Jahres: Denn ab diesem Zeitpunkt im vergangenen Jahr begannen die Inflationsraten allmählich wieder anzusteigen.

Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum die Notenbanken die jüngste Entwicklung der Geldentwertung als „vorübergehend“ („transitory“) betrachten. Was sie aber möglicherweise nicht auf dem Schirm haben (oder haben wollen?), ist der Einfluss der unterbrochenen und asynchronisierten Lieferketten.

Die tragen nämlich auch aufgrund der deshalb in historische Rekordhöhen gestiegenen Frachtraten und Preise für Containerladungen erheblich zum globalen Preisanstieg bei.

Last not least: Weder bei den Energiepreisen, noch bei den Nahrungsmittelpreisen sahen wir zuletzt Entspannung:

Im Gegenteil ist der von mir gebildete Energie-Index für Öl, Erdgas und Heizöl auf den höchsten Stand seit Oktober 2018 gestiegen. Der ebenfalls von mir gebildete Index für 9 verschiedene Nahrungs-Rohstoffe ist auf dem höchsten Niveau seit September 2011 und schickt sich an, das nur noch +5,0% entfernte 30-Jahreshoch vom April 2011 zu attackieren!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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