Dexcom: Aktie des Glukose-Monitoring-Spezialist nimmt wieder Fahrt auf

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Dexcom: Aktie des Glukose-Monitoring-Spezialist nimmt wieder Fahrt auf. Umsatz im Schlussquartal über den Erwartungen (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

In konjunkturell unsicheren Zeiten suchen die Anleger oft nach stabilen Geschäftsmodellen, die weniger stark von der Wirtschaftsentwicklung abhängen. Dass aber auch diese Aktien stark schwanken können, ist am Beispiel der Dexcom-Aktie eindrucksvoll zu sehen. Nach einer sensationellen Kursrally (Aktie hat zwischen Oktober 2017 und November 2021 um mehr als 1.300% zugelegt) haben die Papiere zwischenzeitlich rund 30% an Wert verloren, bevor in den letzten Tagen eine Gegenbewegung einsetzte.

Dabei war die jüngste Nachrichtenlage gemischt. Einer Prognoseerhöhung für das Schlussquartal stand eine Umsatzplanung für 2022 gegenüber, die nicht an die Analystenschätzungen heranreichte.

Blutzuckerspiegel ständig im Blick

Bevor wir auf die aktuelle Geschäftsentwicklung im Detail kommen, möchte ich Ihnen die Firma Dexcom erst einmal näher vorstellen. Denn hierzulande dürfte das Unternehmen den wenigsten Anlegern bekannt sein. DexCom spezialisiert sich auf die Entwicklung und Vermarktung von CGM-Systemen (Continuous Glucose Monitoring), die den Blutzuckerspiegel bei Patienten mit Diabetes kontinuierlich überwachen.

Dabei wird der Sensor unter die Haut eines Patienten implantiert, oft auf der Rückseite des Arms. Ein Sender verbindet sich mit dem Sensor und sendet Echtzeitdaten über den Insulinspiegel an einen Empfänger oder ein Smartphone. Diese Informationen können auch an andere Personen weitergegeben werden, z.B. an Ärzte oder an Eltern von Kindern, die das Gerät benutzen.

Enorme Vorteile für den Patienten

Im Gegensatz zu den meisten Glukose-Messsystemen benötigt das Gerät von DexCom keine Piekser in die Fingerkuppen und bietet dem Patienten einen enormen Mehrwert. Durch die kontinuierliche automatische Überwachung des Blutzuckerspiegels müssen die Patienten nicht mehr selbst daran denken.

Letztes Jahr erhielt Dexcom von der US-Gesundheitsbehörde FDA grünes Licht für die Kopplung seiner Diabetes-Daten mit Fitness-Trackern von Drittanbietern, darunter Geräte und Apps von Garmin, Livongo und anderen Herstellern. Dadurch können Blutzuckerdaten, die von den Echtzeitsensoren von Dexcom erfasst werden, beispielsweise auf Smartwatches für Läufer sowie auf Fahrradcomputern, die am Lenker eines Fahrrads befestigt werden, angezeigt werden.

Dexcom adressiert riesigen Markt…

Weniger als 25% der Insulinverbraucher in den USA verwenden derzeit CGM-Systeme. DexCom hat bislang weniger als 20% des gesamten adressierbaren Marktes erobert. Dieser Kernmarkt bietet DexCom ein erhebliches Wachstumspotenzial. Das Unternehmen plant zudem, seinen Markt zu erweitern, indem man nach Möglichkeiten sucht, CGM im Diabetes-Screening und im intermittierenden Monitoring (geplantes Monitoring in bestimmten Zeitabständen im Gegensatz zum kontinuierlichen Monitoring) für Schwangere, Krankenhauspatienten und Patienten mit Typ-2-Diabetes sowie im Diabetes-Screening für Prädiabetespatienten einzusetzen.

….und erreicht beeindruckendes Wachstum

Ein Blick in die zurückliegenden Jahre zeigt, wie erfolgreich der Konzern mit seinen Produkten expandiert hat: Seit 2006 explodierten die Umsätze von 2 Millionen Dollar auf 1,92 Milliarden Dollar in 2020. Seit 2019 ist Dexcom profitabel und erzielte im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 494 Millionen Dollar.

Schlussquartal über den Erwartungen: Internationale Umsätze sorgen für Rückenwind

Nun hat das Management auch einen Einblick in die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal gegeben: Der Konzern stellt einen Umsatz von 698 Millionen Dollar in Aussicht. Das liegt 23% über dem Vorjahresniveau und leicht über den Schätzungen der Analysten (696 Mio. Dollar). Während in den USA ein Umsatzplus von 15% auf rund 517 Millionen Dollar erwartet wird, dürften die die im Ausland erzielten Umsätze auf rund 181 Dollar anspringen (+54% vs. Vorjahr).

Mit der geplanten internationalen Einführung der neuen Sensorversion G7 rechnet der Konzern im Geschäftsjahr 2022 mit einem Umsatz von 2,82 bis 2,94 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 15 bis 20%. Allerdings hatten die Analysten mit 3 Milliarden Dollar einen Hauch mehr erwartet.

Fazit: Dexcom hat sich in einem aussichtsreichen Markt etabliert, der ein hohes strukturelles Wachstum aufweist. Allerdings ist die Aktie trotz des jüngsten Rückgangs keinesfalls ein Schnäppchen. Beim derzeitigen Börsenwert von 46 Milliarden Dollar wird der Gesundheitskonzern mit dem 90-fachen der für erwarteten Gewinne (2022) und dem 18-Fachen des erwarteten Umsatzes bewertet. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger auch zukünftig eine hohe Schwankungsbreite mit einkalkulieren.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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