Flugtaxi-Startup Lilium mit unsauberer Börsen-Landung

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Das bayerische Flugtaxi-Startup Lilium hat gestern sein Börsendebüt an der US-Technologiebörse Nasdaq gegeben. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Auch heute kann ich Ihnen von einem aktuellen Börsengang berichten: Gestern hatte das in Weßling-Oberpfaffenhofen bei München beheimatete Flugtaxi-Startup Lilium sein Börsendebüt an der US-Technologiebörse Nasdaq.

Allerdings ist der Börsengang in den USA nicht ganz so gelaufen, wie es sich die Flugtaxi-Pioniere erhofft hatten. Der Kurs der Lilium-Papiere gab in den ersten Stunden an der Nasdaq um fast 10% nach.

Die Aktie konnte jedoch im weiteren Tagesverlauf wieder Boden gut machen und ging mit 9,31 US-Dollar bzw. einem Minus von nur noch 4,8% aus dem Handel. Bevor ich jedoch näher auf den Börsengang eingehe, möchte ich Ihnen die bayerischen Flugtaxi-Pioniere kurz vorstellen.

Lilium im Kurzporträt

Das Flugtaxi-Startup Lilium wurde 2015 von Doktoranden und Ingenieuren der TU München gegründet und hat seinen Sitz und seine Produktionsstätte in Weßling-Oberpfaffenhofen, etwa 30 km westlich von München. Weitere Lilium-Teams arbeiten an vielen Orten in Europa und den USA.

Insgesamt beschäftigt Lilium mehr als 700 Mitarbeiter, darunter über 400 Ingenieure sowie ein Führungsteam, dessen Mitglieder bereits umfangreiche Erfahrungen im Luftfahrtsektor gesammelt haben.

Aktuell entwickelt das bayerische Unternehmen den 7-Sitzer Lilium Jet, der elektrisch angetriebenen wird und senkrecht startet und landet. Auf den Internetseiten des Unternehmens fliegt einer dieser Jets in einer Fotomontage bereits vor der Skyline von New York.

Aber bevor der 7-Sitzer seinen Flugverkehr aufnehmen kann, wird noch einige Zeit ins Land gehen. So ist die Zulassung des Flugtaxis erst für 2024 geplant.

Börsengang erfolgte über US-Mantelgesellschaft

Bei dem Börsengang nutzte Lilium eine bereits seit längerer Zeit an der Nasdaq notierte leere Mantelgesellschaft namens SPAC Qell Acquisitions Corp. Das Kürzel SPAC steht dabei für Special Purpose Aquisition Company.

Am 10. September 2021 stimmten die Aktionäre der SPAC Qell Acquisitions Corp. einer Fusion mit Lilium zu. Somit stand dem (indirekten) Börsengang von Lilium nichts mehr im Wege. Sie müssen wissen: Ein Börsengang via Mantelgesellschaft bzw. SPAC ist deutlich einfacher, schneller und in der Regel auch günstiger als der herkömmliche Weg.

Großteil der SPAC-Anteilseigner stieg aus

Zwar hatten am vergangenen Freitag noch 98% der Qell-Aktionäre der Fusion mit Lilium zugestimmt. Doch 65% der Qell-Eigner haben ihre Papiere verkauft anstatt sie gegen Lilium-Aktien einzutauschen. Das ist vor einer SPAC-Fusion zwar nicht unüblich, führte aber zu einem Kursverfall der Qell-Papiere.

So wurde auch der Börsengang für Lilium eine Enttäuschung. Denn ursprünglich hatten die Flugtaxibauer mit Erlösen in Höhe von 830 Mio. US-Dollar gerechnet. Stattdessen flossen am gestrigen Mittwoch nur 584 Mio. US-Dollar in die Kassen des bayerischen Startups.

Insgesamt verlief der Börsenstart daher enttäuschend. Ein Investment in Flugtaxi-Unternehmen wie Lilium oder auch dem US-Mitbewerber Joby Aviation, dessen Aktien auch seit einigen Wochen an der Nasdaq gehandelt werden, ist hochspekulativ und kommt für mich daher zumindest aktuell nicht in Frage.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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