JetBlue übernimmt Spirit Airlines für 3,8 Mrd. Dollar

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Nach fast einem halben Jahr ist die Entscheidung um die Übernahme des in Miramar/Florida beheimaten Billigfliegers Spirit Airlines Inc. gefallen. In einer gemeinsamen Presseerklärung teilte Spirit und JetBlue Airways Corporation am vergangenen Donnerstag mit, dass sie zukünftig gemeinsame Wege gehen werden.

Damit ist der Bieterwettstreit zwischen JetBlue und dem Rivalen Frontier Airlines um den Billigflieger aus Florida entschieden. Ob die Übernahme, die mit 3,8 Mrd. US-Dollar (USD) bewertet wird, tatsächlich realisiert werden kann, hängt allerdings noch von dem Wohlwollen der US-Aufsichtsbehörden ab.

Durch die Übernahme würde die fünftgrößte US-Fluggesellschaft mit einem Marktanteil von mehr als 10% entstehen. Größer sind nur noch American Airlines (Marktanteil von mehr als 18%), Delta Air Lines und Southwest Airlines (jeweils etwas mehr als 17%) und United Airlines (fast 14%).

Doch bevor ich näher auf die Übernahmekonditionen und die kartellrechtlichen Bedenken eingehe, möchte ich Ihnen zunächst einen kurzen Rückblick auf den Verlauf des Übernahmewettstreits zwischen JetBlue und Frontier geben.

So lief der Bieterwettstreit um Spirit Airlines

Wie ich Ihnen Anfang des Jahres berichtet habe, einigten sich Spirit und Frontier im Februar 2022 auf einen Zusammenschluss. Spirit-Investoren sollten dabei 1,9126 Frontier-Aktien und 2,13 USD in bar für jede ihrer Aktie erhalten. Insgesamt wurde Spirit durch das Frontier-Angebot mit 2,9 Mrd. USD bewertet.

Anfang April konterte JetBlue die Frontier-Offerte jedoch mit einem deutlich höheren unaufgeforderten Angebot. Die in New York beheimatete JetBlue bot den Spirit-Aktionären 33 USD in bar pro Spirit-Airlines-Aktie. Insgesamt bewertete diese Offerte Spirit Airlines mit rund 3,6 Mrd. USD und lag damit deutlich über dem Frontier-Angebot.

Trotz des höheren feindlichen JetBlue-Angebots favorisierte der Spirit-Vorstand weiterhin den mit Frontier abgeschlossenen Deal. Sie argumentierten, dass eine Übernahme durch JetBlue keine kartellrechtliche Genehmigung erhalten werde.

In der Folgezeit konnte Spirit jedoch nicht genügend eigene Aktionäre von dem Frontier-Deal überzeugen. Die Abstimmung der Spirit-Aktionäre über die geplante Übernahme wurde viermal verschoben.

JetBlue bessert nach und erhält den Zuschlag

Am vergangenen Mittwoch gab der Spirit-Vorstand jedoch nach und kündigte die mit Frontier getroffene Übernahmevereinbarung. Nur einen Tag später teilten JetBlue und Spirit in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass sich die Direktoren beider Unternehmen auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt haben.

Danach bietet JetBlue den Spirit-Aktionären mindestens 33,50 USD pro Aktie in bar. Hinzu kommt ggf. eine Ticketing-Gebühr von 0,10 USD pro Monat ab Januar 2023 bis zum Abschluss der Übernahme. Laut Vereinbarung wird JetBlue maximal 34,15 USD für jede Spirit-Aktie zahlen.

So reagierten die Börsen

Das großzügige JetBlue-Angebot, das immerhin etwas mehr als 9 USD bzw. 38% über dem Schlusskurs der Spirit-Aktie vom Mittwoch lag, hatte kaum Auswirkungen auf die Kurse der beteiligten Unternehmen. Der Kurs der Spirit-Aktie legte am Donnerstag zwar mit 5,6% deutlich zu, blieb aber mit einem Schlusskurs von 25,66 USD deutlich unter den von JetBlue gebotenen 33,50 USD.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Anleger glauben nicht wirklich daran, dass der Deal von der US-Kartellaufsicht genehmigt werden wird. Schließlich hatten die Verantwortlichen bei Spirit argumentiert, dass eine Fusion mit JetBlue kartellrechtliche Probleme mit sich bringen könnte. Das war allerdings noch zu der Zeit, als die Spirit-Geschäftsführung eine Übernahme durch Frontier Airlines favorisierten.

Hierfür müssen Sie wissen: Insbesondere an der amerikanischen Ostküste gibt es Überlappungen zwischen JetBlue und Spirit, so dass dort nach einer Übernahme weniger Wettbewerb herrschen würde.

Darüber hinaus läuft in den USA bereits eine Kartellklage gegen JetBlue und American Airlines wegen ihrer Allianz auf den Flughäfen in Boston und New York. Die US-Aufsichtsbehörde ist der Auffassung, dass diese Kooperation zu höheren Flugpreisen führen würde.

Für sehr risikofreudige Anleger, die darauf spekulieren, dass die Übernahme trotz aller Bedenken realisiert werden kann, bietet der Kurs Spirit-Aktie noch ein großes Potenzial.

JetBlue und Spirit gehen jedenfalls davon aus, dass sie den regulatorischen Prozess abschließen und die Transaktion spätestens in der ersten Hälfte des Jahres 2024 realisieren können.