KKR: Finanzinvestor beißt sich bei Telecom Italia fest

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Der Ausgang der Übernahme von Finanzinvestor KKR und Telecom Italia ist ungewiss. Der Großaktionär Vivendi stemmt sich weiter gegen den Mega-Deal. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Es sollte eine Megaübernahme werden. Im November legte der US-Finanzinvestor KKR eine 33 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) schwere Offerte für den italienischen Telekom-Giganten Telecom Italia auf den Tisch. Die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die auch der größte Anteilseigner des Medienkonzerns Axel Springer ist, will 100% der Aktien übernehmen und dann den ehemaligen Monopolisten von der Börse nehmen.

Doch seither ist es still geworden. Dabei könnte die Ruhe trügerisch sein. Zumal es auch andere Interessenten geben dürfte. Der Aktienkurs von Telecom Italia ist nach dem sprunghaften Anstieg direkt nach der Offerte wieder deutlich abgebröckelt und liegt mit 43 Cent rund 17% unter dem Niveau des Kaufangebots.

KKR bietet 50,5 Cent je Telecom Italia-Aktie

Der Finanzinvestor KKR strebt 100% der Anteile an und bietet den Investoren 50,5 Cent pro Aktie. Das entspricht einem Aufpreis von knapp 46% vor dem Schlusskurs der Stammaktien Anfang November. Damit wird Telecom Italia mit knapp 11 Milliarden Euro bewertet. Inklusive der Schulden liegt der gesamte Firmenwert bei über 33 Milliarden Euro.

Geschäftsentwicklung lässt zu wünschen übrig

Dabei liegt die Offerte aber deutlich unter den langfristigen Höchstkursen. Auf dem aktuellen Kursniveau von 43 Cent notiert die Telecom Italia-Aktie rund 50% unter dem Kurs vor fünf Jahren. Das liegt vor allem an der schleppenden Geschäftsentwicklung. Der Umsatz des Konzerns mit seinen 42.500 Mitarbeitern ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel auf 15,8 Milliarden Euro in 2020 geschrumpft.

Seit 2007 haben sich die Erlöse sogar halbiert. Dafür ist auch der scharfe Wettbewerb mit Rivalen wie Iliad, Vodafone, Wind Tre und Fastweb verantwortlich. Vor allem das inländische Festnetzgeschäft leidet unter heftigen Problemen.

Auch ein Deal mit der Streaming-Plattform Dazn zur Übertragung von Fußballspielen konnte nicht den erwünschten Erfolg bei neuen Abonnenten bringen. Das Ergebnis fiel drastisch aus: Telecom Italia musste innerhalb weniger Monate drei Gewinnwarnungen herausgeben.

KKR wartet immer noch auf Reaktion

Bislang hat Telecom Italia noch nicht auf die Offerte von KKR reagiert. Neben KKR wird auch dem britischen Investor CVC Interesse nachgesagt– entweder in Kooperation mit KKR oder als Alternative. Klar ist unterdessen, dass sich der französische Großaktionär Vivendi, der 23,9% der Anteile hält, dem Angebot widersetzt. Zum Hintergrund: Vivendi zahlte beim damaligen Einstieg mit 1,07 Euro pro Aktie einen deutlich höheren Preis.

Italienische Regierung zeigt sich gesprächsbereit

Positiv für KKR: Die italienische Regierung, die über die mehrheitlich staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) 9,9 % der Aktien hält und zudem eine Übernahme durch eine Goldene Aktie blockieren kann, ist nicht grundsätzlich gegen eine Übernahme. Das ist wichtig für den weiteren Prozess. KKR hat nämlich bekanntgegeben, den Zukauf nur mit Zustimmung der Regierung weiterverfolgen zu wollen.

Mögliche Aufspaltung von Telecom Italia

Wie es nach einer eventuellen Übernahme durch KKR weitergeht ist ungewiss. Möglich ist auch eine Aufspaltung von Telecom Italia in eine Festnetz- und eine Dienstleistungssparte. KKR hält bereits 37,5% an der Telecom Italia-Festnetzgesellschaft Fibercop. Damals hatte der US-Investor 1,8 Milliarden Euro für das Fibercop-Paket gezahlt, in dem das Geschäft mit der “letzten Meile”, der Netze von den Verteilerkästen in den Straßen bis zu den Haushalten gebündelt ist. An der Gesellschaft ist auch der italienische Staat beteiligt.

Die Idee: Der italienische Staat könnte das Festnetzgeschäft mit der konkurrierenden Festnetzgesellschaft Open Fiber zusammenlegen. Eine solche monopolistische staatliche Netzgesellschaft könnte allerdings den Wettbewerbshütern übel aufstoßen.

Es bleibt also spannend. Der Aktienkurs ist unterdessen am Bröckeln. Offenbar scheinen die Anleger ein schnelles Deal-Ende erst einmal nicht zu erwarten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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