Mega-Deal: Intuit schluckt Mailchimp für 12 Mrd. US-Dollar

USA Aktienmarkt – ado Alexander Sánchez

Der US-Software Konzern Intuit will die Marketingplattform Mailchimp für sagenhafte 12 Mrd. US-Dollar übernehmen. Beide Firmen verkaufen ihre Produkte hauptsächlich an kleine und mittlere Unternehmen, was großes Synergiepotential bietet. (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Wenn Sie regelmäßig News lesen, wird Ihnen auf dem ein oder anderen Newsletter sicherlich schon einmal die Anmerkung „Newsletter erstellt mit Mailchimp“ oder eine ähnliche Formulierung aufgefallen sein. Über dieses E-Mail-Marketingunternehmen Mailchimp möchte ich Ihnen heute berichten.

So gab das in Mountain View/Kalifornien beheimatete Steuersoftware-Unternehmen Intuit am Montag bekannt, dass es Mailchimp für den stolzen Betrag von 12 Mrd. US-Dollar (USD – entspricht etwa 10,15 Mrd. Euro) in bar und in Aktien übernehmen wird.

Größte Übernahme in der Firmengeschichte

Für die Steuerspezialisten von Intuit ist dies der mit Abstand größte Deal in der knapp 40-jährigen Firmengeschichte. Vor einem Jahr hatte Intuit das Finanzportal Credit Karma für knapp 8 Mrd. USD (etwa 6,8 Mrd. Euro) geschluckt.

Intuit will den Mega-Deal laut eigenen Angaben durch vorhandene Barmittel und neue Schulden in Höhe von 4,5 bis 5,0 Mrd. USD finanzieren.

Kaufpreis geht an Mailchimp-Mitarbeiter und -Anteilseigner

Von dem vereinbarten Kaufpreis gehen etwa 300 Mio. USD an die Mailchimp-Mitarbeiter, die in Form von Intuit-Aktien mit Verfügungsbeschränkung an die Mitarbeiter ausgegeben werden. Nach Abschluss der Transaktion erhalten die etwas mehr als 1.200 Mailchimp-Mitarbeiter weitere 200 Mio. USD in Form von verfügungsbeschränkten Intuit-Aktien.

Der restliche und wesentlich größere Anteil des vereinbarten Kaufpreises geht an die Gründer und Inhaber von Mailchimp, Ben Chestnut und Dan Kurzius, denen das Unternehmen auch 20 Jahren nach der Gründung noch vollständig gehört.

Der Betrag, der an Chestnut und Kurzius geht, wird in etwa gleichen Teilen aus Bargeld und Intuit-Stammaktien ausgezahlt. Dabei werden die Intuit-Stammaktien mit 562,61 USD pro Aktie bewertet. Dies entspricht dem Durchschnitt des volumengewichteten durchschnittlichen Verkaufspreises der Intuit-Stammaktien an den fünf Handelstagen vor dem 8. September 2021.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzüberblick

Intuit ist ein Software-Unternehmen, dass Steuer- und Buchführungsprogramme programmiert und vertreibt. Käufer dieser Software sind vornehmlich Privatpersonen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Weltweit hat Intuit über 100 Mio. Kunden.

Die etwa 10.000 Intuit-Mitarbeiter haben im Geschäftsjahr 2021, das bei Intuit bereits mit dem 31.7.2021 endete, einen Umsatz von 9,6 Mrd. USD erwirtschaftet. Das waren 25% mehr als im Vorjahr. In Deutschland werden die Intuit-Produkte über die in Freiburg beheimatete Lexware vertrieben.

Mailchimp bietet Existenzgründern sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) teilautomatisierte Unterstützung im Marketing an. Die Marketingplattform von Mailchimp unterstützt diese Zielgruppe bei der Gestaltung ihres E-Mail-Marketings, der sozialen Medien, Landing Pages, Anzeigen und Websites.

Das in Atlanta/Georgia beheimatete Unternehmen befindet sich im Privatbesitz der Gründer und ist laut eigenen Angaben hochprofitabel. Mailchimp beschäftigt aktuell mehr als 1.200 Mitarbeiter.

Mailchimp ist laut eigenen Angaben ein weltweit führender Anbieter im Bereich Customer Engagement und Marketing-Automatisierung mit 13 Mio. Nutzern weltweit und 800.000 zahlenden Kunden. Etwa die Hälfte der Mailchimp-Kunden befinden sich außerhalb der USA.

Das sind die Gründe für die Übernahme

Hauptgrund für die Transaktion ist, dass beide Unternehmen mit ihren unterschiedlichen Software- und Onlinemarketing-Lösungen die gleiche Zielgruppe ansprechen. Durch die Zusammenlegung beider Unternehmen können massiv Synergien genutzt werden. Dies beton auch der Intuit-Chef Sasan Goodarzi:

„Die Hinzufügung von Mailchimp fördert unsere Vision, eine End-to-End-Plattform für das Kundenwachstum bereitzustellen, um unseren Kunden zu helfen, ihr Geschäft zu vergrößern und zu betreiben, indem wir ihnen die Macht der Daten in die Hand geben, um erfolgreich zu sein.“

Am Tag der Deal-Bekanntgabe fiel der Kurs der Intuit-Aktie um gut 2%. Die Investoren sind anscheinend der Auffassung, dass der Preis für die Übernahme von Mailchimp zu hoch ausgefallen ist. Allerdings erholten sich die Intuit-Papiere am Dienstag wieder.

So soll es weitergehen

Mailchimp wird auch nach der Übernahme seinen Sitz in Atlanta behalten und weiterhin unter seiner Marke Mailchimp agieren. Es wird erwartet, dass die Transaktion vor Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2022 abgeschlossen wird, vorbehaltlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen und anderer üblichen Abschlussbedingungen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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