Philip Morris will britisches Pharmaunternehmen Vectura übernehmen

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Der Tabakriese Philip Morris will verstärkt in das Pharmageschäft einsteigen und hat dem britischen Pharmaunternehmen Vectura ein Übernahmeangebot unterbreitet. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Kurz vor dem Wochenende gab der Vorstand des weltgrößten Tabakkonzerns Philip Morris International Inc. bekannt, dass er sich mit dem britischen Pharma-Unternehmen Vectura Group plc. auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt hat.

Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, macht aus strategischer Sicht durchaus Sinn: Philip Morris sucht im Rahmen der im Februar 2021 angekündigten „Jenseits-des-Nikotin-Strategie“ neue Geschäftsfelder außerhalb des Tabakdunstkreises. Und da passt die auf Inhalations-Medikamente spezialisierte Vectura Group gut ins Konzept.

Philip Morris bietet 852 Mio. Britische Pfund (GBP)…

Der US-amerikanische Tabakriese bietet den Vectura-Aktionären stolze 150 Pence pro Aktie.

Im Rahmen des Barangebotes wird Vectura mit einem Unternehmenswert von 852 Mio. GBP bewertet. Das entspricht umgerechnet 997,12 Mio. Euro.

Dieses Angebot beinhaltet einen hohen Übernahmeaufschlag von 46% bezogen auf den Tag nach der Dividendenausschüttung (Ex-Dividenden-Tag) von Vectura am 25. Mai 2021. Im Vergleich zum Schlusskurs der Vectura-Aktie am vergangenen Donnerstag beträgt die Übernahmeprämie immerhin noch solide 11%.

…und überbietet ein vom US-Finanzinvestor Carlyle gemachtes Angebot

Bereits im Mai 2021 hatte Vectura eine Übernahmeofferte des US-amerikanischen Finanzinvestors Carlyle Group erhalten. Dieses belief sich auf 136 Pence je Vectura-Aktie.

Carlyle reagierte mit einem kurzen Statement prompt auf das besser dotierte Philip-Morris-Angebot. Das Unternehmen werde seine Optionen prüfen und sich zu gegebener Zeit über sein weiteres Vorgehen äußern, hieß es in der Kurzmitteilung.

Es ist also möglich, dass Carlyle nicht einfach klein beigeben wird, sondern es auf einen Bieterkrieg ankommen lässt. In der Zwischenzeit ermutigte Carlyle die Vectura-Aktionäre, nichts zu unternehmen.

Vectura im Kurzporträt

Die in New York ansässige Philip Morris International Inc. ist der weltgrößte Tabakkonzern und dürfte Ihnen sicherlich bekannt sein. Daher möchte ich Ihnen hier nur das relativ unbekannte Pharma-Startup Vectura ausführlicher vorstellen.

Die 1997 gegründete Vectura Group ist im englischen Chippenham, Wiltshire (etwa 140 km westlich von London) ansässig. Vectura stellt innovative Lösungen für die inhalative Verabreichung von Medikamenten her. So entwickelt und produziert Vectura sowohl Medikamente als auch Inhalationsgeräte zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie z.B. Asthma.

Aktuell verfügt Vectura über ein Portfolio von 13 inhalativen und 11 nicht inhalativen Produkten, die von großen Pharmapartnern, wie z.B. Novartis, Bayer und GlaxoSmithKline, vermarktet werden.

Im Jahr 2020 erzielten die etwa 450 Vectura-Mitarbeiter einen Nettoumsatz von 191 Mio. GBP (ca. 223,5 Mio. Euro). Die jetzt von Philip Morris angebotenen 852 Mio. GBP entsprechen in etwa dem 14-fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von Vectura im vergangenen Jahr.

Philip Morris will weg vom Tabakqualm

Im Februar dieses Jahres kündigte Philip Morris im Rahmen seiner neu aufgelegten “Beyond Nicotine Strategie” an, bis 2025 mehr als 50% des gesamten Nettoumsatzes mit rauchfreien Produkten erzielen zu wollen. Diese Strategie ist auch ein Hauptgrund für die Übernahme von Vectura, wie Jorge Insuasty, Chief Life Sciences Officer von Philip Morris, betont:

„Die geplante Übernahme wird unsere Entwicklungsbemühungen deutlich beschleunigen. Mit der Hinzufügung von Vecturas Expertise im Bereich der inhalativen Therapeutika werden PMI und Vectura die Möglichkeit haben, gemeinsam die Entwicklung und eventuelle Kommerzialisierung innovativer inhalierbarer Wirkstoff/Geräte-Kombinationen in Angriff zu nehmen.“

Einen weiteren Schritt weg vom Tabak hat Philip Morris bereits Anfang Juli getätigt. So gab der Zigarettenriese am 1. Juli 2021 bekannt, dass er Fertin Pharma, einen dänischen Hersteller von innovativen pharmazeutischen und Wellness-Produkten, für ca. 820 Mio. USD (etwa 690 Mio. Euro) übernehmen will.

Vectura-Kurs macht Freudensprünge

Nach Bekanntgabe des Übernahmeangebots sprang der Kurs der Vectura-Papiere an der Londoner Börse am Freitag um satte 13,3% auf 154 Pence. Damit lag der Schlusskurs sogar 4 Pence über den von Philip Morris offerierten 150 Cent.

Den Aktionären ist durchaus bewusst, dass Philip Morris das Angebot von Carlyle gekontert hat. Sie gehen offensichtlich von einem bevorstehenden Bieterwettkampf aus und haben sich daher verstärkt mit Vectura-Papieren eingedeckt.

Wie es weitergehen kann

Ob Carlyle noch mal eine Schüppe drauflegen wird, ist ungewiss. Philip Morris will die Übernahme aus vorhandenen Barmitteln finanzieren und erwartet den Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2021.

Philip Morris kündigte an, dass Vectura weiterhin als unabhängige Einheit im Rahmen des Tabakkonzerns operieren und das Rückgrat des Geschäftsbereichs für Inhalationstherapeutika bilden wird.

Vorher müssen die Vectura-Aktionäre jedoch noch dem Philip-Morris-Angebot zustimmen. Des Weiteren bedarf die Transaktion noch der Genehmigungen durch die zuständigen Aufsichtsbehörden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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