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Proto Labs: Aktie des 3D-Spezialisten weiter im Konsolidierungsmodus

Proto Labs: Aktie des 3D-Spezialisten weiter im Konsolidierungsmodus
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Inhaltsverzeichnis

Starke Nerven brauchen Anleger bei der Aktie des Auftragsfertigers Proto Labs. Von November letzten Jahres bis Januar verdoppelten sich die Papiere und kletterten in der Spitze bis auf über 250 Dollar. Seither ging es aber steil bergab. Obwohl sich der Gesamtmarkt wieder stabilisiert hat und viele Aktien bereits wieder neue Rekordstände erreicht haben, taumelten die Proto Labs-Papiere weiter in den Keller. Beim Kurs von derzeit 49 Dollar liegt die Aktie seit dem Jahreswechsel 66% im Minus, seit dem Kurshoch im Februar summieren sich die Verluste sogar auf 80%. Es ist also Zeit, ein näheren Blick auf das Geschäftsmodell der Firma zu werfen.

Proto Labs – längst kein Start up mehr

Proto Labs wurde 1999 von Larry Lukis, einem erfolgreichen Unternehmer und Computerfreak, gegründet. Sein Ziel war es, die Herstellung von Prototypen im Spritzguss aus Kunststoff zu revolutionieren. Seine Lösung bestand in der Automation des traditionellen Herstellungsverfahrens durch die Entwicklung komplexer Software, die mit einem Netz aus Fräsmaschinen und Spritzguss-Pressen kommunizierte. Er vernetzte also die Maschinen so, dass sie Daten austauschen konnte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Kunststoff- und Metallteile konnten in einem Bruchteil der zuvor erforderlichen Zeit produziert werden.

In den darauffolgenden zehn Jahren entwickelte das Unternehmen seine Spritzgussmöglichkeiten weiter, führte ein Express-Verfahren für CNC-Bearbeitung ein und eröffneten Produktionsanlagen in Europa und in Japan. 2014 brachten Proto Labs industriegeeignete 3D-Druckdienste auf den Markt, um Produktentwicklern, Designern, Ingenieuren und Konstrukteuren den Weg von ersten Prototypen bis zur Kleinserienherstellung zu erleichtern.

Spezialist für Kleinserienherstellung

Heute hat sich der US-Konzern komplett auf die Annahme von Aufträgen für Prototypen und Kleinserien spezialisiert. Die Aufträge kommen digital rein und werden extrem schnell bearbeitet. Der Kunde erhält automatisiert innerhalb von Minuten einen Kostenvoranschlag für die Fertigung. Nach Auftragsvergabe werden beispielsweise Kunststoff- und Metall-Prototypen innerhalb weniger Tage, zum Teil sogar innerhalb von nur 24 Stunden fertiggestellt. Anstatt dass Kunden Wochen auf einen Prototyp warten müssen, geht es bei Proto Labs blitzschnell.

Quer durch die Branchen genutzt

Entscheidend für den Unternehmenserfolg ist dabei die Software zur Auftragsverarbeitung und die Schnelligkeit der Lieferung. Inzwischen nutzen mehr als 48.000 Entwickler die Plattform. Damit hat sich die Anzahl der Entwickler seit 2013 in etwa verdreifacht.

Proto Labs selbst beschäftig mehr als 2.500 Mitarbeiter und verfügt mittlerweile über 12 Fertigungsstätten in  sieben Ländern. Dabei bedient das Unternehmen komplett unterschiedliche Industrien. Rund ein Viertel der Kunden stammt aus dem Gesundheitsbereich, ein Fünftel macht die Computer- und Elektronikindustrie aus. Rund 10% gehen auf das Konto von Industriemaschinen und -zubehör, 5% stammen aus der Luftfahrt und rund 5% aus der Automobilindustrie. Den adressierbaren Gesamtmarkt schätzt Proto Labs auf 10 bis 15 Milliarden Dollar.

Proto Labs mit zweistelligem Wachstum

Im zurückliegenden Quartal kletterten die Umsätze um 16,6% auf 125,3 Millionen Dollar. Dabei wurden 79,9% der Umsätze in den USA erzielt, 17,7% in Europa und der Rest (2,4%) in Japan.

Proto Labs berichtet über Einnahmen in vier Marktsegmenten: Spritzguss, CNC-Bearbeitung, 3D-Druck und Blech. Der Spritzguss machte rund die Hälfte des Gesamtumsatzes des Unternehmens (57,7 Mio. Dollar) aus und erhöhte sich im Jahresvergleich um 8%. Im Segment CNC-Machining (+32% auf 43,7 Mio. Dollar) und Blech (+22% auf 4,9 Mio. Dollar) kletterten die Umsätze ebenso wie im Zukunftsmarkt mit 3D-Druck (+18% auf 18,6 Millionen Dollar). Damit stand der 3D-Druck gerade mal für 14,8% der Gesamtumsätze.

Gewinnmarge lässt zu wünschen übrig

Unterdessen musste der Konzern Einbußen bei den Margen verkraften. Neben höheren Investitionen machten sich auch erhöhte Lohnkosten negativ bemerkbar. Entsprechend sank die bereinigte Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im Jahresvergleich um 10,8 Prozentpunkte auf 17,1%. Am Ende stand ein Nettogewinn von 35 Cent je Aktie in den Büchern. Das lag deutlich unter dem Vorjahresniveau (67 Cent je Aktie).

Fazit: Proto Labs hat sich als spezialisierter Auftragsfertiger in einer aussichtsreichen Nische etabliert, konnte allerdings mit den vorgelegten Geschäftszahlen die Erwartungen zuletzt nicht erreichen. Bilanziell sieht das Unternehmen weiter gut aus (keine Bankverbindlichkeiten / 83,9 Mio. Dollar Cash-Bestand). Allerdings ist Aktie trotz des kräftigen Kursrückgangs nach klassischen Bewertungskriterien immer noch kein Schnäppchen. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen für das laufende Geschäftsjahr (Umsatz: 482 Mio. Dollar; Gewinn je Aktie: 1,41 Dollar) wird das Unternehmen mit dem 2,8-Fachen Umsatz und dem 35-Fachen des Gewinns bewertet.