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Softwareentwickler: OpenText schluckt Micro Focus

Inhaltsverzeichnis

Am vergangenen Freitag sorgte eine Übernahme-Nachricht an der Londoner Börse für eine Kursexplosion: Der Wert der Micro Focus-Papiere sprang gleich zum Börsenstart um fast 95% in die Höhe.

Ursache dieses Kurssprungs war eine Pressemitteilung des größten kanadischen Software-Unternehmens OpenText, in dem das Unternehmen aus Ontario am späten Donnerstagabend ankündigte, dass es den britischen Mitbewerber Micro Focus übernehmen möchte.

Deal bewertet Micro Focus mit 6 Mrd. Dollar

In der Mitteilung wurde bekanntgegeben, dass sich beide Unternehmen über die Bedingungen eines Barangebots geeinigt haben. Die Cash-Offerte bewertet Micro Focus mit einem Unternehmenswert von stolzen 6 Mrd. US-Dollar. Darin enthalten sind allerdings die Schulden des britischen Software-Unternehmens, die sich auf etwa 4,4 Mrd. USD belaufen.

OpenText will den Deal durch die Aufnahme neuer Schulden in Höhe von 4,6 Mrd. USD finanzieren. Weitere 1,3 Mrd. USD sollen aus dem Geschäftskapital kommen. Die restlichen 600 Mio. USD sollen aus der bestehenden revolvierenden Kreditlinie finanziert werden.

Barangebot mit einer riesigen Prämie

Konkret bietet OpenText den Inhabern von Micro-Focus-Papieren 532 Pence für jede Aktie. Dies entspricht einer Übernahmeprämie von 98,7% bezogen auf den Schlusskurs der Micro-Focus-Aktie vom Donnerstagabend.

Während das Barangebot den Kurs der Micro-Focus-Aktie um knapp 95% in die Höhe katapultierte, sackte der Kurs der Open-Text-Papiere am Freitag deutlich ab. Er verlor am Freitagvormittag gut 12% an Boden. Anleger sind offensichtlich der Meinung, dass OpenText einen zu hohen Preis für den hoch verschuldeten britischen Mitbewerber geboten hat.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Da die beteiligten Konzerne Software für Unternehmen entwickeln, sind sie in der breiten Bevölkerung eher unbekannt. Daher möchte ich sie Ihnen kurz vorstellen.

Die im kanadischen Waterloo/Ontario ansässige OpenText Co. ist ein führender Anbieter von Unternehmenssoftware im Bereich Enterprise Content Management (ECM).

OpenText arbeitet mit einem strategischen Partnernetzwerk, bestehend aus führenden Soft- und Hardware-Unternehmen sowie Cloud-Anbietern, zusammen. Darunter sind z.B. Google Cloud, Microsoft Azure, Dell EMC, Oracle und SAP.

Mit seiner ECM-Software unterstützt OpenText Firmen dabei, ihren Business Content effizient zu verwalten und dessen Nutzenpotential vollständig zu erschließen. Im Geschäftsjahr 2021/22 erwirtschafteten die etwa 14.000 OpenText-Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 3,49 Mrd. USD. Der operative Gewinn (EBIT) belief sich auf 670 Mio. USD.

Die 1976 gegründete Micro Focus International plc ist im englischen Newbury/Berkshire (knapp 100 km westlich von London) ansässig. Mit den Software-Lösungen von Micro Focus können Unternehmen große Software-Anwendungen wie Mainframe-Applikationen modernisieren und optimieren.

Zu den Nutzern der Micro-Focus-Lösungen zählen namhafte Konzerne wie Generali, Airbus, Kellogg’s, PWC und Roche Diagnostics. Die etwa 11.000 Micro-Focus-Mitarbeiter haben in 2021 einen Jahresumsatz von 2,9 Mrd. USD erwirtschaftet. Der operative Gewinn (EBIT) belief sich auf -340 Mio. USD.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten teilte der OpenText-Chef Mark Barrenechea mit, dass er nach der Übernahme das Geschäft von Micro Focus stabilisieren wolle und den Übergang in die Cloud beschleunigen werde. OpenText rechnet nach Abschluss der Transaktion Synergiekosten in Höhe von 400 Mio. USD einsparen zu können.

Wie es weitergeht

Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre sowie der Aufsichtsbehörden. Die Transaktion soll im 1. Quartal 2023 abgeschlossen werden.