Twitter nach Quartalszahlen deutlich schwächer

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Twitter nach Quartalszahlen deutlich schwächer: Trotz kräftig anziehendem Anzeigengeschäft sackte der Twitter-Kurs um beinahe 10% in den Keller (Foto: AlesiaKan / Shutterstock.com)

Negativ reagierten die Anleger auf die Quartalszahlen des Kurznachrichtendienstes Twitter, obwohl die Monetarisierung des Geschäftsmodells langsam Formen annimmt. Twitter gelingt es immer besser, mit Werbung wie bezahlten Tweets Geld zu verdienen. Dennoch sackte die Aktie gestern deutlich ab. Die Investoren hatten mehr erwartet. Das im Vergleich zum Vorquartal deutlich schwächere Wachstum und der unter Erwartungen liegende Kundenzuwachs sorgte für spürbare Irritationen.

Kurz, kürzer, Twitter

Twitter bietet eine Kommunikationsplattform, die auf digitalen Kurznachrichten basiert. Ursprünglich war jede Mitteilung (Tweet), die über den Dienst veröffentlicht wird, maximal 140 Zeichen lang und sofort für jedermann sichtbar. In die Texte können zudem Bilder und Videos eingebettet werden. Für die Nutzung des Services stehen mittlerweile zahlreiche Apps und Add-ons beispielsweise für Web-Browser zur Verfügung, die die abonnierten Tweets übersichtlich darstellen. Inzwischen wurde die Zeichen-Grenze gelockert und es sind Nachrichten mit bis zu 280 Zeichen möglich.

Besonders während Fernsehausstrahlungen oder anderen Großereignissen werden Tweets als Diskussionsmedium über das aktuelle Geschehen genutzt. Umsatz generiert das Unternehmen durch das Hinzufügen von Anzeigen in Form von Tweets, das Hinweisen auf bestimmte Nutzer (zahlende Kunden) oder das Einblenden von gesponserten Schlagworten in die Top-10 Themenliste.

Anzeigenerlöse ziehen kräftig an

Nun aber zu den Zahlen: Im vergangenen Quartal kletterten die Anzeigenerlöse auf 1,14 Milliarden Dollar in die Höhe – ein Plus von 41% zum Vorjahresquartal. Der gesamte Konzernumsatz verbesserte sich unterdessen um 37% auf 1,28 Milliarden Dollar. Allerdings wurden damit die Analystenerwartungen von 1,29 Milliarden Dollar knapp verfehlt. Zumal die Zuwachsrate auch deutlich unter dem Niveau des Vorquartals lag (+72%).

Das Nutzerwachstum lag ebenfalls leicht unter den Erwartungen. Twitters Nutzerbasis wuchs im dritten Quartal um 13%, auf 211 Millionen täglich aktive Nutzer an (vs. 211,9 Mio. erwartet). Zum Hintergrund: Twitter macht seit einiger Zeit nur noch Angaben zu Nutzern, die auf den Dienst über die hauseigene App oder die Web-Version zugreifen und daher Anzeigen zu sehen bekommen.

Laut Firmenangaben halten sich die Auswirkungen durch Apples neue Transparenzrichtlinie (App Tracking Transparency) in Grenzen, auch wenn diese sich im Vorquartal erhöht haben.

Sammelklage hinterlässt Bremsspuren

Unterm Strich verbuchte Twitter einen Verlust von rund 536,8 Millionen Dollar nach schwarzen Zahlen von knapp 29 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Das hohe Minus ging aber auf eine Vergleichszahlung von 766 Millionen Dollar nach einer Investorenklage zurück. Die Anleger hatten bereits 2016 mit dem Vorwurf geklagt, Twitter habe falsche Angaben über die Wachstumsaussichten gemacht.

Twitter hält an Umsatzverdopplung bis 2023 fest

Für das vierte Quartal erwartet der US-Konzern einen Umsatz zwischen 1,5 und 1,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2022 soll der Jahresumsatz auf 7,5 Milliarden Dollar anwachsen.

Zuletzt kaufte Twitter unter anderem den News-Aggregator Brief, das werbefreie Lesetool Scroll und die beliebte Newsletter-Plattform Revue. Zudem hat Twitter Clubhouse-ähnliche Audio-Räume, neue interessenbasierte Communities und eine Reihe experimenteller Funktionen eingeführt. Damit soll die Verweildauer auf der Plattform weiter erhöht werden.

Die neuen Funktionalitäten dürften zukünftig vor allem bei Twitter Blue eine Rolle spielen. Momentan testet der Konzern die Einführung seines kostenpflichtigen monatlichen Abonnementdienstes in Kanada und Australien. Mit dem Twitter Blue-Abo können zusätzliche Funktionen in der mobilen Twitter-App freigeschaltet werden. Der Dienst kostet 3,49 kanadischen Dollar beziehungsweise 4,49 Dollar in Australien.

Die Anleger dürften daher gespannt auf die nächsten Quartale blicken. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Monetarisierung des Geschäftsmodells weiter an Fahrt aufnimmt.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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