US-Investmentfirma CD&R gewinnt Bieterwettstreit um Supermarktkette Morrisons

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Der Bieterwettkampf um die britische Supermarktkette Morrisons ist entschieden. Der US-Finanzinvestor CD&R erhielt im Rahmen einer Bieterauktion den Zuschlag für sein Angebot von insgesamt fast 12 Mrd. Euro. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Bereits vor ein paar Monaten hatte ich Ihnen berichtet, dass es möglicherweise zu einem Bieterwettstreit um die viertgrößte Supermarktkette Großbritanniens, Morrisons plc, kommen könnte. Seinerzeit lagen zwei Angebote für Morrisons vor und es wurde sogar über weitere Offerten von anderen Interessenten spekuliert.

Und es kam, wie es kommen musste: Die beiden Interessenten, die US-amerikanische Investmentfirma Clayton, Dubilier & Rice, LLC (CD&R) und eine von der Fortress Investment Group angeführte Bietergruppe, lieferten sich über fünf Monate hinweg einen Übernahmekampf, wie ich ihn selten erlebt habe.

1 britisches Pence macht den Unterschied

Nach mehreren Angebotsnachbesserungen beider Bieterparteien musste schließlich ein Auktionsverfahren über den Sieg in der Übernahmeschlacht um Morrisons entscheiden.

Letztendlich erhielt CD&R den Zuschlag, und dass nur, weil der US-amerikanische Investor mit 287 britischen Pence einen Pence mehr geboten hat als der Mitbewerber Fortress, eine Tochter der japanischen SoftBank Group. Hochgerechnet auf die gut 2,4 Mrd. Morrisons-Aktien macht der vermeintlich kleine Unterschied jedoch immerhin 24 Mio. Britische Pfund (GBP) mehr aus.

Insgesamt muss CD&R nun knapp 7 Mrd. GBP (8,17 Mrd. Euro) auf den Tisch legen, um die britische Supermarktkette zu übernehmen. Hinzu kommen noch die von CD&R zu übernehmenden Nettoschulden von Morrisons, die sich auf 3,2 Mrd. GBP (3,7 Mrd. Euro) belaufen.

Aber ganz in trockenen Tüchern ist der Deal immer noch nicht. So müssen die Morrisons-Aktionäre auf einer am 19. Oktober anberaumten Versammlung dem CD&R Angebot von 287 Pence pro Aktie noch zu stimmen. Dies gilt aber als wahrscheinlich, da der Morrisons-Vorstand seinen Aktionären eine Zustimmung empfohlen hat.

Hinzu kommt noch, dass die Aktionäre auch finanziell von dem langen Bieterwettstreit profitieren werden. So beinhaltet das finale Angebot von 287 Pence pro Morrisons-Aktie einen Übernahmeaufschlag von stolzen 61% auf den Aktienkurs, den die Papiere hatten, bevor das Interesse an einer Übernahme Mitte Juni bekannt gegeben wurde.

Überhitzter Börsenkurs gibt nach

Seit Mitte Juni 2021 war der Kurs der Morrisons-Papiere durch den Bieterwettkampf um gute 60% in die Höhe getrieben worden. Nachdem die Nachricht, dass CD&R die Auktion um die Supermarktkette gewonnen hatte, am Samstag veröffentlicht wurde, gab der Aktienkurs der Morrisons-Papiere am Montagmorgen an der Londoner Börse um -3,8% nach.

Damit pendelte sich der Kurs der Morrisons-Aktie fast genau auf die gebotenen 287 britischen Pence ein. Auch das spricht dafür, dass die Investoren den langen Übernahmewettstreit endgültig als beendet ansehen.

CD&R macht Zusagen zur Weiterführung des Morrisons-Geschäfts

Neben dem höheren Übernahmeangebot hat der Morrisons-Vorstand aber auch noch andere Gründe, warum er seinen Aktionären das CD&R-Angebot empfohlen hat. So hat sich CD&R verpflichtet, den Hauptsitz von Morrisons in Bradford/Yorkshire und das bestehende Managementteam beizubehalten.

Außerdem soll die aktuelle Strategie der Supermarktkette fortgeführt, die Immobilien nicht verkauft und die Gehälter beibehalten werden. Allerdings sind diese Zusagen rechtlich nicht verbindlich.

Übernahmewelle überschwappt dem britischen Einzelhandelsmarkt

Die Morrisons-Übernahme ist nicht der erste Verkauf einer britischen Supermarktkette in diesem Jahr. Bereits im Februar 2021 wurde die Übernahme der Nummer 3 unter den britischen Supermarkt-Imperien, Asda, abgeschlossen.

Für die britische Lebensmittel- und Tankstellenkette Asda legten die Buyout-Firma TDR Capital und die Issa-Brüder stolze 6,8 Mrd. GBP (etwa 8 Mrd. Euro) auf den Tisch. Auch um die Nummer 2 unter den britischen Supermarktketten, Sainsbury’s, kursieren seit einigen Monaten Übernahmegerüchte.

Die im Bieterwettstreit unterlegene Fortress-Gruppe teilte mit, dass Großbritannien für sie auch weiterhin ein interessantes Investitionsziel bleibe. Der Finanzinvestor werde auch weiterhin seine Fühler auf dem britischen Markt ausstrecken.

Stimmen die Morrisons-Aktionäre auf der am 19. Oktober anberaumten Versammlung dem CD&R-Angebot zu, kann die Übernahme möglicherweise noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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