Visa überrascht mit Umsatz- und Gewinnsprung

Visa überrascht mit Umsatz- und Gewinnsprung
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Während derzeit viele Konzernlenker auf Grund von Inflationssorgen und Rezessionsängsten Molltöne anschlagen, ist beim Kreditkartenkonzern Visa bislang wenig von nachlassender Konsumfreude zu spüren. Ganz im Gegenteil. Im abgelaufenen Quartal liefen die Geschäfte des US-Konzerns wie geschmiert. Sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnerwartungen der Analysten wurden übertroffen.

Visa profitiert vom Comeback des Reisemarkts

Lassen Sie uns auf das gerade präsentierte Zahlenwerk blicken: Das gesamte abgewickelte Zahlungsvolumen stieg um 12%. Die Anzahl der verarbeiteten Transaktionen kletterte um 16% nach oben. Dabei profitierte Visa vor allem vom Comeback des internationalen Reiseverkehrs.

„Die Verbraucher sind wieder unterwegs und besuchen verschiedene Ecken der Welt, was dazu führt, dass das grenzüberschreitende Reisevolumen zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie Anfang 2020 das Niveau von 2019 übertrifft“, so der Chairman und Vorstand Alfred F. Kelly. Das machte sich auch in den Zahlen bemerkbar: Insgesamt legte das internationale Zahlungsvolumen um 40% zu.

Umsatz zieht deutlich an – Gewinn spring in die Höhe

Unter dem Strich erwirtschaftete der Kreditkartenkonzern einen Umsatz von 7,3 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal. Das lag nicht nur 19,1% über dem Vorjahresniveau, sondern auch 230 Millionen Dollar über den Erwartungen der Analysten. Ohne Berücksichtigung der Ergebnisse im Zusammenhang mit Russland in allen Zeiträumen stiegen die Nettoeinnahmen sogar um 26% auf einer konstanten Dollarbasis.

Unter dem Strich stand ein bereinigter Nettogewinn von 4,2 Milliarden Dollar in den Büchern. Das entspricht einem Gewinnwachstum um 29%. Der freie Cashflow lag unterdessen bei 5,25 Milliarden Dollar. Rund 3,3 Milliarden Dollar wurden davon in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre zurückgezahlt.

Je Aktie verbesserte sich der Gewinn auf Grund von Aktienrückkäufen um 33% auf 1,98 Dollar je Anteilschein. Zum Vergleich: Die Wallstreet-Analysten waren im Vorfeld von 1,75 Dollar je Aktien ausgegangen.

Konzernführung zeigt sich zuversichtlich

Auch für das laufende Quartal zeigt sich der Kreditkarten-Riese weiter zuversichtlich. Firmenboss Kelly stellt den Anlegern ein Umsatzplus von bis zu 20% in Aussicht. Ohne die Einstellung des Russland-Geschäfts wären sogar 5 Prozentpunkte mehr drin.

Interessant: Selbst bei einkommensschwächeren Haushalten sieht der Visa Chef aktuell noch keine eingeschränkten Ausgaben. Besser betuchte Kunden würden sogar deutlich mehr ausgeben, als vor oder während der Pandemie.

Inflation führt zu kurzfristig höherem Geschäftsvolumen

Wie es nach dem laufenden Quartal weitergehen wird, muss sich erst noch zeigen. Fest steht: Kurzfristig sorgen die höheren Preise weltweit bei Visa für ein höheres Transaktionsvolumen und damit für einen entsprechenden Umsatzanstieg. Mit einer starken Kostendisziplin sollte der Visa das hohe Gewinnniveau beibehalten können. Positiv: Da Visa (im Gegensatz zu American Express) kein eigenes Kreditrisiko in den Büchern hat, muss der Konzern auch im Falle einer Rezession nicht mit höheren Kreditausfällen kämpfen.

Auch die Anleger zeigen sich zunehmend wieder optimistischer. Nachdem die Aktie in 2021 dem breiten Aktienmarkt deutlich hinterherhinkte, konnten sich die Papiere im Börsenjahr 2022 bislang vom negativen Trend weitestgehend abkoppeln. Mit einem Kursminus von rund 4% haben die Visa-Papiere deutlich besser abgeschnitten als der US-Aktienleitindex S&P 500, der seit dem Jahreswechsel etwa 18% im Minus liegt.