Vroom: Aktie des US-Start-ups im freien Fall

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Die Vroom-Aktie rauscht nach Zahlen und verhaltener Prognose deutlich in den Keller - Anleger wenden sich von Aktie des Online-Autohändlers ab. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Um satte 28% sackte der Kurs der Vroom-Aktie am Donnerstag in den Keller. Der Online-Autoverkäufer aus den USA konnte mit seinen vorgelegten Geschäftszahlen die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen. Während der Umsatz zwar leicht über den Konsensschätzungen lag, wurden die Gewinnerwartungen deutlich verfehlt. Zudem sorgte die zu verhaltene Prognose für den weiteren Geschäftsverlauf für lange Gesichter bei den Anlegern.

Hype zum Börsengang

Nach dem Kurssturz notieren die Vroom-Papiere bei knapp 32 Dollar. Das ist zwar deutlich unter dem Höchstkurs, den die Aktie im vergangenen August erreichte, aber weiterhin über dem Ausgabepreis zum Börsengang. Zum Hintergrund: Im Juni 2020 wagte Vroom den Sprung aufs Parkett und die Anleger rissen sich förmlich um die Aktie. Dank der starken Nachfrage lag der Ausgabepreis über der ursprünglich angepeilten Spanne von 18 bis 20 Dollar. Außerdem verkaufte Vroom 21,25 statt 18,8 Millionen Anteilsscheine. Damit belief sich das Emissionsvolumen auf 467,5 Millionen Dollar.

Den ersten Handelstag beendeten die Aktien mit 47,90 Dollar deutlich über dem Ausgabepreis. In der Spitze kletterte die Aktie im September sogar bis auf 73 Dollar, bevor die Euphorie der Anleger nachließ.

Vroom und die Disruption des Autokaufs

Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist denkbar einfach. Die im August 2013 gegründete Vroom mit Sitz in New York City bietet eine Online-Plattform zum Verkauf von gebrauchten Automobilen. Investoren vor dem Börsengang waren unter anderem General Catalyst Partners, L Catterton und  T. Rowe Price Associates Inc.

Vroom will vom Trend hin zum Online-Kauf von Autos profitieren. Unterdessen ist der Markt bereits mit Anbietern gut gefüllt, darunter unter anderem Autonation, Autotrader, Carmax, Carvana, eBay Inc. und Shift.

Online-Umsatz steigt im Schlussquartal um 43% an

Zuletzt hielt die hohe Wachstumsdynamik des Unternehmens an: Im vierten Quartal verkaufte Vroom 11.022 Fahrzeuge über das Internet. Das entspricht einem Plus von 74% zum Vorjahresquartal. Mit den verkauften Fahrzeugen erzielte Vroom ein Umsatzwachstum von 43% auf 285 Millionen Dollar. Der Verkaufspreis pro Fahrzeug sank unterdessen um 19,1% auf 24.909 Dollar. Da Vroom geringere Margen beim Verkauf erzielen konnte, sank der Bruttogewinn je online verkauftem Fahrzeug um 13,1% auf 878 Dollar.

Gesamtumsatz steigt „nur“ um 14%

Am Ende stand im vierten Quartal ein Umsatzplus von 14% auf 405,8 Millionen Dollar in den Büchern. Denn Vroom hat auch noch einen physischen Autoverkauf (TDA), bei dem Corona-bedingt die Umsätze um 57,9% auf 45,7 Millionen Dollar in den Keller sackten. Gleichzeitig entwickelte sich das Großhandelsgeschäft, also Autos, die wiederum an Händler und nicht direkt an Endkunden verkauft werden, mit einem Plus von 57,3% auf 75,1 Millionen Dollar stark. Dieser Geschäftsbereich trug zu 18,5% zu den gesamten Konzernumsätzen bei (Onlinegeschäft: 70,2%; TDA: 11,2%)

Vroom rutscht tiefer in die Verlustzone

Am Ende musste Vroom einen Quartalsverlust von 60,6 Millionen Dollar nach 42,7 Millionen  Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal ausweisen. Je Aktie entspricht das einem Verlust von 44 Cent und damit 8 Cent mehr als von den Analysten im Vorfeld erwartet wurde.

Genau wie die Ergebnisse des vierten Quartals ist auch der Ausblick von Vroom für das erste Quartal 2021 gemischt: Das Unternehmen erwartet einen Verlust pro Aktie zwischen 61 Cent und 68 Cent bei einem Umsatz zwischen 500 und 529 Millionen Dollar (+32 bis +40% vs. Q1 2020). Die Analysten an der Wall Street gingen bislang von einem Verlust je Aktie von 39 Cent bei einem Umsatz von 509,93 Millionen aus. Wie die drastische Aktienkursentwicklung zeigt, scheinen die Perspektiven die Anleger momentan eher abzuschrecken.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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