Vroom: Digitaler Autohändler will mit Großübernahme auf die Überholspur wechseln

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Der digitale Autoverkäufer Vroom plant eine Großübernahme: Der Kauf des Finanzierungsspezialisten United Auto Credit für 300 Millionen Dollar soll das Wachstum beschleunigen. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Der Hype war groß: Nach dem Börsengang im letzten Jahr verdreifachte sich die Vroom-Aktie innerhalb kürzester Zeit bis auf 68 Dollar. Inzwischen ist aber Ernüchterung eingekehrt und die Papier trudelten in den letzten Monaten massiv in den Keller. Offenbar sind die Anleger von den bisher abgelieferten Zahlen enttäuscht. Zuletzt fiel die Aktie sogar wieder unter den Ausgabepreis von 22 Dollar.

Dabei hat der digitale Autohändler ambitionierte Pläne. Gerade hat der US-Konzern die Übernahme der in Kalifornien ansässigen United Auto Credit Corporation (UACC) für 300 Millionen Dollar in bar bekanntgegeben. Dieser Schritt soll die Pläne von Vroom beschleunigen, einen eigenen Finanzierungszweig aufzubauen ähnlich dem, den die Konkurrenten Carvana und CarMax für interne Finanzierungen nutzen.

Vroom und die Disruption des Autokaufs

Bevor ich auf die Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell des US-Unternehmens erst einmal näher vorstellen: Der Firmenname Vroom ist an das Geräusch eines beschleunigenden Motors angelehnt. Vroom wurde im August 2013 gegründete und hat ihren Sitz in New York City. Das Unternehmen bietet eine Online-Plattform zum Verkauf von gebrauchten Automobilen an. Investoren vor dem Börsengang waren unter anderem General Catalyst Partners, L Catterton und  T. Rowe Price Associates Inc.

Vroom will vom Trend hin zum Online-Kauf von Autos profitieren. Unterdessen ist der Markt bereits mit Anbietern gut gefüllt, darunter unter anderem Autonation, Autotrader, Carmax, Carvana, eBay Inc. und Shift.

Zukauf soll Finanzierungssparte stärken

Jetzt will Vroom den Finanzierungssepialisten UACC für 300 Millionen Dollar in bar schlucken. UACC ist ein führender, landesweit tätiger, technologiegestützter Autokreditgeber für den unabhängigen Händlermarkt. Das Unternehmen hat sich auf Nicht Prime-Kredite fokussiert, also auf den Teil der Kredite mit einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit.

UACC wurde 1996 gegründet und hat mittlerweile rund 7.300 Autohäuser als Kunden und soll in die bestehende Kreditvergabesparte von Vroom integriert werden. Die beiden UACC-Vorstände Jim Vagim und Ravi Gandhi werden an Bord bleiben und bei der Integration und Umsetzung der Captive-Finance-Strategie von Vroom mitwirken.

Übernahme soll sich direkt positiv auf den Gewinn auswirken

Das Management von Vroom erwartet, dass sich die Transaktion direkt positiv auf das Ergebnis des Konzerns auswirken wird. Zum Hintergrund: Das Objekt der Begierde UACC erzielte in dem im Juni 2021 endenden Zwölfmonatszeitraum einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 38 Millionen Dollar, ein Neugeschäft von rund 350 Millionen Dollar und eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 30%, wie aus einer Präsentation Zur Übernahme hervorgeht.

Wettbewerbsfähige Finanzierungen sollen Wachstum ankurbeln

Mit der Übernahme wird UACC weiterhin unter ihrem derzeitigen Namen firmieren. Vroom plant, die Gesellschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2022 zu integrieren und mit der Kreditvergabe über das Unternehmen zu beginnen. In der zweiten Jahreshälfte 2022 will Vroom seine Technologieplattform ausbauen, um die Kreditvergabe im E-Commerce zu ermöglichen und sich gleichzeitig zu einem integrierten Captive-Finanzierungsanbieter zu entwickeln. Im Jahr 2023 und darüber hinaus möchte Vroom die Integration über das Non-Prime-Kreditgeschäft hinaus ausweiten.

Gesamtumsatz klettert im zweiten Quartal um 201%

Im zweiten Quartal zeigte Vroom ein auf den ersten Blick ein beeindruckendes Wachstum: Die Umsätze erhöhten sich um 201% auf 761 Millionen Dollar. Die E-Commerce-Umsätze (Anm.: Vroom hat auch noch einen stationären Autoverkauf) kletterten sogar um 230% auf 579,7 Millionen Dollar in die Höhe. Unter dem Strich verharrt der Konzern aber weiter in den roten Zahlen. Am Ende stand ein Quartalsverlust von 65,8 Millionen Dollar in den Büchern und damit leicht mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (63,2 Millionen Dollar).

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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