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SIG: Schweizer Verpackungsspezialist setzt Einkaufstour ungebremst fort

SIG: Schweizer Verpackungsspezialist setzt Einkaufstour ungebremst fort
Alexander Mak / shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Kaum einen Monat ist es her, da hat der in Neuhausen am Rheinfall ansässige Verpackungskonzern SIG Combibloc einen Zukauf in Asien bekanntgegeben. Für 335 Millionen Dollar übernehmen die Schweizer das asiatisch-pazifischen Frischproduktgeschäfts von Pactiv Evergreen. Mit dem Deal stärken die Schweizer ihre Position für Kartonverpackungen für Frischprodukte in Asien.

Damit aber nicht genug. Jetzt kündigte SIG den nächsten Expansionsschritt an: Für  1,36 Milliarden Euro will SIG den amerikanischen Mitbewerber Scholle IPN schlucken. Der Zusammenschluss soll das Wachstum weiter ankurbeln.

SIG Combibloc – der Spezialist für Verpackungen

Bevor wir auf den Zukauf im Detail kommen, möchte ich Ihnen den SIG Combibloc-Konzern gerne erst einmal näher vorstellen: Das Unternehmen verkauft Verpackungslösungen für keimfreie Getränke, die während zwölf Monaten ungekühlt gelagert werden können.

Geld verdient der Konzern auf unterschiedlichen Ebenen: Zum einen mit selbst hergestellten Abfüllmaschinen, von denen in über 60 Ländern weit mehr als 1 000 in Betrieb sind. Zum anderen aber auch mit dem Material für die Verpackungen, die einen festen Bestandteil der Verpackungslösung bilden. Die nach Kundenbedarf zugeschnittenen Kartonmäntel und Verschlüsse werden zusammen mit den Maschinen in mehrjährigen Liefer- und Serviceverträgen verkauft.

Stabile Geschäfte Dank der Lebensmittelindustrie

Das Geschäftsmodell ist auf Grund der Kundenstruktur mit einem hohen Anteil von Abnehmern aus der Lebensmittelbranche ausgesprochen stabil. Die Corona-Pandemie hat entsprechend kaum Auswirkungen auf das Geschäft gehabt. So kletterte der Jahresumsatz zuletzt um 6,6% auf 2,04 Milliarden Euro. Die Profitabilität kann sich sehen lassen: Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte 27,7%.

Übernahme in USA ist großer Schluck aus der Pulle

Nun aber zur Übernahme: Für 1,36 Milliarden Euro will SIG den US-Rivalen Scholle IPN übernehmen. IPN ist ein führendes Unternehmen im Bereich nachhaltige Verpackungssysteme und Verpackungslösungen für Flüssigkeiten. Scholle IPN gilt als Erfinder und Weltmarktführer bei den sogenannten Bag-in-Box-Verpackungen.

Dabei handelt es sich um flexible Plastikbehältnisse in Kartonschachteln mit 2 bis 1500 Liter Fassungsvermögen. Die kleineren kommen im Detailhandel zum Einsatz (z. B. für Wein), größere für industrielle Anwendungen (z. B. Abfüllstationen für Softdrinks). Weil die Verpackungen (wie bei SIG Combibloc) ohne Aluminium auskommen, ist ihre Umweltbelastung geringer und die Wiederverwertung einfacher.

Zukauf sorgt für regionale Verschiebung der Umsätze

Zuletzt lag der Jahresumsatz von Scholle IPN bei 474 Millionen Euro, so SIG in der Pressemeldung. Die bereinigte Vorsteuergewinnmarge (EBITDA) betrug zuletzt 19%. Bei dem Objekt der Begierde handelt es sich übrigens um einen richtigen Traditionskonzern, der bereits im Jahr 1945 gegründet wurde. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 2.100 Mitarbeiter.

Durch den Zusammenschluss erhält SIG neue Produktekategorien und stärkt das Amerikageschäft. Künftig wird SIG rund ein Viertel der Umsätze in Nord- und Südamerika erzielen. SIG-Firmenchef Samuel Sigrist hob auf einer Telefonkonferenz hervor, dass sich die beiden Firmen sehr gut ergänzen. Während das Hauptgeschäft von SIG aus Kartonverpackungen insbesondere für Milchhersteller besteht, verfüge Scholle mit Großverpackungen von bis zu 1 500 Litern auch über ein Industriegeschäft.

Zudem sollen Einsparungen in der Beschaffung und Effizienzgewinnen in der Produktion von jährlich 17 Millionen Euro erzielt werden.

Anleger zeigen sich skeptisch

Die Übernahme soll durch eine Kombination von Eigen- und Fremdkapital finanziert werden. Im Rahmen der Übernahme wird der bisherige Scholle-Eigentümer Laurens rund 10 % der SIG-Aktien zeichnen, womit er zum größten Einzelaktionär von SIG aufsteigen wird. Während das SIG-Management die Vorteile der Transaktion betonen, zeigen sich die Anleger noch skeptisch. Direkt nach der Übernahmemeldung gaben die SIG-Papiere deutlich um über 5% nach.