Valora Holding-Aktie geht nach Offerte durch die Decke

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Eine Kursexplosion erlebten jüngst die Aktien des Schweizer Kioskbetreibers Valora, die um über 50% in die Höhe schossen. Hintergrund der Kursexplosion war ein Übernahmeangebot der mexikanischen Firma Femsa. Der Kaufpreis beträgt 1,1 Milliarden Schweizer Franken. Durch den Zusammenschluss soll in Europa ein Marktführer im kleinflächigen Detailhandel entstehen.

Vom Kiosk-Betreiber zum führenden Retail-Konzern

Valora führt als Retailunternehmen ein Netzwerk von rund 2700 Convenience und Food Service Verkaufsstellen an Hochfrequenzlagen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden. Neben den kleinflächigen, gut positionierten Verkaufsformaten wie zum Beispiel k kiosk, P&B, cigo, Brezelkönig, Ditsch, avec, BackWerk und Caffè Spettacolo, verkauft Valora auch Produkte unter der Eigenmarke ok. Valora betreibt eine der weltweit führenden Produktionen von Laugengebäck und profitiert dabei von einer stark integrierten Wertschöpfungskette.

Dabei spielten in den letzten Jahren vor allem auch Zukäufe eine wichtige Rolle. In 2017 schluckte Valora die Backwarenkette Backwerk mit über 340 Franchisenehmern in Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Im vergangenen Jahr folgte dann die Übernahme der Back-Factory und vor wenigen Wochen kündigten die Schweizer mit dem Kauf der Frittenwerk-Kette den Einstieg in den deutschen Fast-Food-Markt an.

Mexikaner bieten mit 1,1 Milliarden Schweizer Franken deutlichen Kursaufschlag

Jetzt will der mexikanische Einzelhandels- und Getränkeriese Fomento Económico Mexicano SA (kurz Femsa) Valora übernehmen. Der geplante Kaufpreis liegt bei 260 Schweizer Franken je Aktie, was einem satten Aufpreis von 52% auf den Schlusskurs vor der Übernahme entspricht. Mit dem Angebot wird Valora mit 1,1 Milliarden Schweizer Franken bewertet.

Der Valora-Verwaltungsrat unterstützt das Angebot nach eigenen Angaben einstimmig. Der größte Valora-Aktionär (17% aller Aktien), der Deutsche Brezelbäcker Peter Ditsch, hat ebenfalls seine Zustimmung zur Andienung der Anteile bereits mitgeteilt.

Femsa weiter auf Einkaufstour

Hinter dem Käufer Femsa steckt mit 320.000 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen Lateinamerikas. Der Konzern betreibt nach eigenen Angaben die größte Convenience-Ladenkette sowie ein Netz von 3 600 Drogerien in Mexiko und Lateinamerika. Die Firma ist auch die größte Abfüllerin von Coca-Cola und zweitgrößte Aktionärin der Brauerei Heineken. Mit der Übernahme versucht Femsa im europäischen Markt Tritt zu fassen.

Das an der mexikanischen und der New Yorker Börse notierte Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2021 den Angaben zufolge einen Umsatz von 27 Milliarden Dollar – das sind 15 Mal mehr wie Valora im selben Jahr. Die Gewinnmarge (Gewinn in Relation zum Umsatz) von Femsa lag bei 5,15%. Zum Vergleich: Valora kam im letzten Geschäftsjahr nur auf eine hauchdünne Gewinnmarge von 0,47%.

Rückzug von der Börse geplant

Sollte es Übernahmeangebot erfolgreich über die Bühne gehen, ist die Einstellung der Börsennotiz geplant. Unterdessen notierten die Valora Holding-Papiere bei 258,50 Schweizer Franken und damit nur minimal unter dem Angebotsniveau.

Ob es zu einer rivalisierenden Offerte kommt, ist ungewiss. Einige Marktteilnehmer munkelten im Vorfeld, dass gegebenenfalls die Schweizer Einzelhandelsriesen Coop oder Migros Interesse an einem möglichen Deal haben könnten. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Konzerne ihre europäische Expansion forcieren möchten.