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Reichensteuer: Wohlhabende bitte zahlen

Inhaltsverzeichnis

Seit der Finanzkrise 2007/2008 spielt das Robin-Hood-Verfahren eine immer stärkere Rolle bei Fernseh- und Bundestagsdebatten: den Reichen nehmen und den Armen geben. Zumal für viele Politiker und Bürger sehr Vermögende, vor allem Manager, zu den Schuldigen der Finanzkrise gehören. Dabei vergessen viele, dass sehr gut Verdienende in Deutschland seit Jahren kräftig zur Kasse gebeten werden.

Einerseits besitzt Deutschland ein progressives Steuersystem und andererseits wird den „Reichen“ nach Gesetz bereits Extra-Geld vom Konto abgezogen. Denn seit 2007 gilt in Deutschland die im Volksmund bezeichnete Reichensteuer, auch Neidsteuer genannt. CDU, CSU und SPD vereinbarten Ende 2005 nach den Bundestagswahlen, dass die Einkommensteuer für sehr gut verdienende Menschen erhöht werden sollte und änderten das Einkommensgesetz: Sie führten daraufhin die Reichensteuer ein.

Wen trifft die Reichensteuer?

Die Reichensteuer soll Verdiener mit hohem Einkommen treffen, denen eine Extraabgabe keinen Vermögensschaden zufügt – also Reiche. Nach dem Gesetz gehören daher Menschen mit einem Einkommen von mehr als 250.730 Euro pro Jahr zu den Reichen. Genauer gesagt, sobald ein Lediger 250.731 Euro verdient, gilt für ihn nicht mehr ein Spitzensteuersatz von 42 Prozent, sondern von 45 Prozent. Die zusätzlichen 3 Prozent Steuern (umgangssprachlich Reichensteuer) erhöhen demnach den Spitzensteuersatz durch die Hintertür und sind eine Verlängerung der Steuerprogression. Damit liegt der eigentliche Steuerhöchstsatz bei 45 Prozent. Wird das Einkommen bei Paaren zusammengelegt, gilt der neue Spitzensteuersatz von 45 Prozent allerdings erst bei 501.462 Euro.

Die Einführung der Reichensteuer 2007 wurde damals von einigen Politikern als reine Symbolpolitik angesehen, die kaum nennenswerte Erfolge vorweisen wird. Tatsächlich sind von der Besteuerung nur 102.000 Menschen in Deutschland betroffen beziehungsweise 0,25 Prozent der Bevölkerung. Dementsprechend liegen auch die Steuereinnahmen auf einem recht niedrigen Niveau. Der Staat erzielte 2020 auf sämtliche Steuern Einnahmen von mehr als 682,3 Milliarden Euro.