Steuererklärung: So verschaffen Sie sich mehr Zeit für die Abgabe

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Bis 1. Juni haben Sie in Ausnahmefällen Zeit, Ihre Steuererklärung für das Vorjahr abzugeben. Was Sie tun können, wenn Ihnen die Zeit nicht reicht, erfahren Sie hier. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Haben Sie Ihre Einkommensteuererklärung für das vergangene Jahr schon gemacht? Falls nein, heißt es: Aufgepasst!

Denn der vorgeschriebene Abgabetermin rückt immer näher. Normalerweise liegt er stets auf dem 31. Mai des Folgejahres. Bis zum 31. Mai jenes Jahres müssten Sie also die Steuererklärung fürs Vorjahr ans Finanzamt geschickt haben.

Allerdings fällt der 31. Mai in manchen Jahren auf einen Sonntag. Und das bedeutet: Sie können sich ausnahmsweise bis Montag, 1. Juni, Zeit lassen.

An diesem Tag sollte die Steuererklärung aber dann beim Finanzamt sein, wenn Sie keine Verspätungs-Zuschläge riskieren wollen.

Was aber tun Sie, wenn Ihnen die Zeit bis dahin beim besten Willen nicht reicht, um die Steuererklärung noch fristgerecht fertigzustellen?

Oder wenn bestimmte Belege noch fehlen (etwa die Steuerbescheinigung einer Bank, die Abrechnung des Vermieters, aus der haushaltsnahe Handwerker-Leistungen hervorgehen, oder die Bescheinigung einer Versicherung)?

Dann gibt es einen einfachen Ausweg:

Meist bekommen Sie auf Antrag problemlos Verlängerung

Sie haben die Möglichkeit, Verlängerung zu bekommen. Das Finanzamt kann Ihnen  eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember einräumen.

Das wird es in der Regel auch problemlos tun, wenn Sie triftige Gründe für die verspätete Abgabe nennen.

Das können beispielsweise eine Krankheit, eine dienstliche Reise, ein aktuell besonders hoher Arbeitsanfall mit vielen Überstunden sein – oder auch ganz einfach die noch fehlenden Belege.

Den Antrag auf Verlängerung müssen Sie nicht unbedingt schriftlich stellen. Meistens genügt es, den zuständigen Sachbearbeiter anzurufen.

Sagen Sie klar und deutlich, bis wann Sie Verlängerung brauchen und warum. Dann nennt er Ihnen einen neuen Abgabetermin, und Sie haben den gewünschten Aufschub.

Manchmal aber ist mit Schwierigkeiten zu rechnen. Das gilt v. a. bei Steuerzahlern, die dem Finanzamt schon mehrfach wegen verspäteter Abgabe aufgefallen sind.

Und es gibt sie bei Steuerzahlern, denen eine größere Steuernachzahlung ins Haus steht, die das Finanzamt schon im Voraus einschätzen kann.

Hier hilft meistens ein Trick:

Beantragen Sie die Verlängerung schriftlich. Geben Sie dabei Ihre Steuernummer, den gewünschtem Abgabetermin (spätestens 31. Dezember) und Ihre Begründung an.

Ein kleiner Satz sorgt dafür, dass Ihr Antrag höchstwahrscheinlich bewilligt wird:

„Wenn ich nichts weiter von Ihnen höre, gehe ich davon aus, dass meinem Antrag auf Fristverlängerung stattgegeben wurde.“

Jetzt muss der Finanzbeamte tätig werden, wenn er die Frist nicht verlängern will. Und das wird er zur Vermeidung unnötiger Arbeit ziemlich sicher nicht tun.

Wann Sie keine Fristverlängerung beantragen müssen

Fristverlängerung müssen Sie übrigens nur beantragen, wenn Sie nicht pünktlich fertig werden und – wichtig! – wenn kein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe-Verein die Erklärung für Sie erstellt.

Denn diese Personen haben automatisch auch ohne gesonderten Antrag Fristverlängerung beim Finanzamt.

Was bedeutet: Um die Fristverlängerung brauchen Sie sich nicht zu kümmern, wenn Sie eine Steuerkanzlei oder einen Lohnsteuerhilfe-Verein beauftragt haben, sich um Ihre Einkommensteuererklärung für das Vorjahr zu kümmern.

Dann ist der 31 Mai bzw. der 1. Juni für Sie als Abgabetermin nicht weiter relevant.

Sie können sich bis Jahresende Zeit lassen, sollten aber unbedingt mit dem Steuerberater bzw. Lohnsteuerhilfe-Verein klären, bis wann er die Unterlagen braucht, damit sie noch pünktlich zum Jahresende beim Finanzamt sind.

Wann Verspätungs-Zuschläge drohen

Verspätungs-Zuschläge sind theoretisch möglich, wenn Sie die pünktliche Abgabe versäumen.

Wenn Sie also die gesetzliche Frist nicht einhalten oder alternativ die Frist ungenutzt verstreichen lassen, die Ihnen das Finanzamt ansonsten eingeräumt hat.

Dann drohen laut Abgaben-Ordnung Zuschläge in Höhe von 10 % der festgesetzten Steuer, maximal jedoch 25.000 €. In der Praxis aber müssen Sie solche Zuschläge selten befürchten.

Festgesetzt werden dürfen sie nämlich nur, wenn die Verspätung nicht entschuldbar ist. Sobald Sie also einen plausiblen Grund anführen können, sind Sie in der Regel aus dem Schneider.

Allerdings hat der Sachbearbeiter im Finanzamt ein gewisses Ermessen.

Das wird eher zu Ihren Gunsten ausfallen, wenn Sie normalerweise pünktlich abgeben und nur ausnahmsweise verspätet sind – und wenn die Verspätung nicht gleich mehrere Monate oder gar Jahre umfasst.

Sie sehen also: Der nahende Abgabetermin ist nichts, weswegen Sie sich im Wonnemonat Mai Sorgen machen müssten!

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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.

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