Wie man ein Milliarden-Unternehmen aufbaut

Unternehmen sind Veranstaltungen zur Gewinnerzielung. So lernt es jeder Betriebswirt im ersten Semester. Sind die Unternehmen Gründungen mit extremer Wachstumsorientierung, gern auch aus dem Technologiesektor, spricht man von Startups. Und die wollen etwas anderes: Startups zielen vor allem auf eine hohe Unternehmensbewertung, denn das verbessert ihre Chancen, Investoren zu finden. Am attraktivsten gelten Gründungen, deren Wert auf über eine Milliarde Euro geschätzt wird. Sie sind relativ selten und werden in der Szene deshalb Einhörner genannt – Unicorns. Viele Gründer wollen so ein Unicorn aus ihrer Idee machen. Doch wie? Das war die Frage, der Dr. Joseph DeSimone auf der Collision in New Orleans stellte. Der hochdekorierte Wissenschaftler ist Mitbegründer und Ceo von Carbon, einem Werkstoffhersteller an der Schnittstelle von Hard- und Software sowie Molekularwissenschaft. Carbon gilt als als eines der am schnellsten wachsenden Unicorns der Welt.

 

DeSimone: Zunächst einmal: Carbon sitzt im Silicon Valley und beschäftigt 350 Menschen. Wir haben einen Prozess entwickelt, der 100-mal schneller ist als traditioneller 3-D-Druck. Außerdem haben wir Materialien entwickelt, die Eigenschaften von Endprodukten mitbringen. Wir denken daher, wir haben den Code geknackt, wirklich qualitativ hochwertige Polymere zu haben, die wirtschaftlich skalierbar zu produzieren sind und den 3-D-Druck von der Prototyp-Entwicklung in die Massenproduktion zu bringen und so industrielle Fertigung zu ermöglichen.

 

So ein Erfolg braucht brillante Köpfe. Wie gewinnt man die?

Da gibt es einiges zu sagen. Als erstes geht es darum eine zielorientierte Organisation zu sein. Das heißt, etwas wirklich besonderes, anderes zu machen. Strategie geht nur darum, anders zu sein. Wir sind Vorreiter einer digitalen Fertigungstechnologie, die grundlegende Auswirkungen auf die industrielle Produktion haben kann. Diese Vision war der Kern. Dann haben wir eine No Asshole Policy, eine großartige Kultur, die so etwas wie die Universitätsperspektive einbringt. Also Dinge wie Respekt, Teamwork und Exzellenz, die wirklich wichtig sind. Darüber hinaus denken wir, dass Vielfalt ein fundamentaler Baustein für Innovation ist. Wir sind uns ziemlich klar über unsere Werte. Es gibt diese führungs-fokussierten Unternehmen wie Tesla. Wir strengen uns an, Bestimmungsort für die besten Angestellten im Silicon Valley zu sein, indem wir einen wirklich starken Zweck verfolgen, ein herausforderndes Ziel. Und eine großartige Kultur erlaubt uns, großartige Leute anzustellen.

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Wie kann man die Erreichung von Schlüsselkennzahlen (KPI) in Wachstumsunternehmen durchsetzen, ohne ein „Asshole“ zu sein?

Nun einer unserer ersten Angestellten war Creg Carlson, eine Ikone im Silicon Valley. Wir haben ziemlich die gleichen Wertvorstellungen. Als Creg Student in Stanford war, kaufte Scott Cook seine Firma und er wurde für 17 Jahre der Vice President Produkte dort. Dann hat er sich ein Jahr zurückgezogen, sich um seine Kinder gekümmert, und wollte schließlich zurück in die Arbeitswelt. Er liebte das Umfeld, er liebte die Programmierung, er liebte Autos. Und er ging zu Tesla, noch bevor Elon Musk dazustieß. Sie hatten eine wundervolle Kultur damals. Und spricht man die Menschen an, die von Tesla zu uns kommen, sagen sie, sie möchten diese Erfahrung nicht tauschen, weil es eine fantastische Möglichkeit, eine beeindruckende Vision war. Aber Sie können nur eine begrenzte Zeit in dieser Tretmühle sein. So ist das im Silicon Valley. Die Menschen machen etwas fünf, sechs, sieben Jahre, und dann gehen sie zu einem anderen Unternehmen, ohne gleich die Familie in Aufruhr zu versetzen. Das ist schon ein interessantes Ökosystem in dieser Hinsicht. Aber Creg und ich haben einen Weg gefunden, besondere Werte aus diesem System mit denen aus unserer Universitätszeit zu verbinden und die Kulturfrage von der Gründung des Unternehmens an ganz bewusst anzugehen.

 

Welche Rolle spielt dabei Transparenz über das gesamte Team hinweg?

Wir sind ein extrem transparentes Unternehmen. Jeder in der Firma weiß, wie viel Geld wir auf der Bank haben. Nach einer Vorstandssitzung geben wir der gesamten Belegschaft eine Zusammenfassung des Meetings und zwar mit so ziemlich jedem Slide. Damit verbinden wir die Erwartung, das jeder die Planung kennt, und wir einen gemeinsamen Plan haben. Die Leute kann dann Entscheidungen treffen, was zu tun ist, und sagen, was sich aus der Zielerreichung ergibt. Es gibt nichts mächtigeres als wenn jedermann weiß, was zu tun ist. So viel zu unserem Transparenzniveau. Aber mit der Transparenz geht die Notwendigkeit von Vertraulichkeit einher. Und von Respekt, eben weil es um vertrauliche Informationen geht. Wir sind zwar sehr offen und stellen hohe Anforderungen daran, die Organisation und was wir tun zu respektieren. Aber jeder muss begreifen, warum es wichtig ist, so transparent zu sein.

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.