Diese Aktie gilt als liebenswerter Verlierer

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Sind Sie geimpft? Um das Vakzin von AstraZeneca gab es einiges Hin und her. Wir analysieren das Unternehmen sachlich. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

Wie halten Sie es mit dem Fußball? Sind Sie Anhänger eines Vereins, der alles gewinnt und für den es nur Perfektion geben darf oder mögen Sie es, wenn es bei einem Verein menschelt, wenn Emotionen überkochen und der Frust lautstark brodelt? Immer dann, wenn es um emotionale Themen geht, haben viele Menschen einen Hang zum Un-Perfekten. Bestes Beispiel ist der Fußball. Wäre der britische Konzern AstraZeneca und Fußballverein, er hätte zweifelsohne die Rolle des liebenswerten Verlierers. Warum? Der Impfstoff von AstraZeneca wirkt, aber eben etwas schlechter als der der Konkurrenz. Hinzu kommen kleinere Skandälchen und Ungereimtheiten. Wir erklären Ihnen ganz sachlich und logisch, ob die Aktie dennoch eine gute Wahl sein kann.

Mehr als nur ein Impfstoff

AstraZeneca ist 1999 aus der Fusion der schwedischen Astra AB und der britischen Zeneca Group plc entstanden. Der Konzern ist in 6 Therapiebereichen tätig: Herz/Kreislauf, Atemwege, Krebs (Onkologie), Magen/Darm, Anästhesie und Stoffwechsel. Der Hauptsitz ist in London, während die Entwicklungs- und Forschungsabteilung im schwedischen Södertälje südlich von Stockholm liegt.   AstraZeneca konnte im 1. Quartal an den Erfolg des vergangenen Jahres anschließen.

Der Umsatz wuchs um 15% auf 7,3 Mrd $. Der Gewinn je Aktie wurde mit 1,19 $ mehr als verdoppelt. Strategisch fokussiert sich  AstraZeneca auf langfristiges Wachstum. In einer Phase-3-Studie wurde kürzlich die Wirkung von Lynparza für bestimmte Formen früher Stadien von Brustkrebs nachgewiesen. Außerdem wird die Übernahme der in Boston ansässigen Alexion Pharmaceuticals angestrebt, die auf die Behandlung seltener Krankheiten spezialisiert ist.

Ein Fall fürs Mittelfeld…

In allen Absatzmärkten konnte der Umsatz mindestens zweistellig gesteigert werden. Größter Gewinner war dabei Europa. Dort stieg der Umsatz um 28% auf 1,5 Mrd $. Den größten Anteil machten mit 35% des Umsatzes die Emerging Markets aus. Bei den Medikamenten profitierte erneut das Krebsportfolio am stärksten. Dieses wuchs um 19% auf 3 Mrd $. Das Lungenkrebsmedikament Tagrisso stieg um 17% auf 1,15 Mrd $ und macht mit 16% die größte Einzelposition des Gesamtportfolios aus. Finanziell befindet sich  AstraZeneca in einer Übergangsphase.

Das Portfolio wird durch kapitalintensive Forschung und langfristig orientierte Akquisitionen ausgebaut. Dafür müssen hohe Schulden aufgenommen werden. Die Nettoschulden stiegen um 95 Mio $. Die Eigenkapitalquote fiel um 1,2 Prozentpunkte. Das Unternehmen ist mit 7,8 Mrd $ an liquiden Mitteln gut aufgestellt und kann die steigenden Zinszahlungen mit Hilfe des starken Wachstums mehr als ausgleichen. Die Aktie ist trotzdem eher ein Fall fürs Mittelfeld der Indizes. Auch die Dividendenrendite von 2,4% ändert daran nichts. 

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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