Novartis: Pharma-Riese stellt Generikasparte Sandoz auf den Prüfstand

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Novartis: Pharma-Riese stellt Generikasparte Sandoz auf den Prüfstand. Beinahe 10 Milliarden Dollar Umsatz und 20.000 Beschäftigte könnten den Novartis-Konzern verlassen (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Das Management des Pharma-Giganten Novartis plant eine Kehrtwende. Wurde in der Vergangenheit gerne betont, neben Originalpräparaten auch günstige Nachahmerprodukte herzustellen, könnte damit nun Schluss sein. Die Schweizer prüfen einen Verkauf der Generikasparte Sandoz.

Der Aktienkurs zeigte sich von der Meldung ziemlich unbeeindruckt und gab gestern in einem ansonsten recht stabilen Marktumfeld sogar 2% an Wert nach.

Novartis kehrt Diversifizierungsstrategie den Rücken

Presseberichten zufolge erwägt Novartis sich als reiner Hersteller von Originalpräparaten zu positionieren. Die Geschäfte von Sandoz, wie die Generikasparte des Unternehmens heißt, werden entsprechend einer strategischen Überprüfung unterzogen. Oder in anderen Worten: Novartis sucht einen Käufer für seine Sparte mit Nachahmermedikamenten. Alternativ wäre auch ein Spin-off der Geschäftssparte denkbar.

Sandoz: Schwergewicht mit 20.000 Mitarbeitern…

Dabei ist die Generikasparte Sandoz alles andere als ein Leichtgewicht. Immerhin beschäftigt die Sparte rund 20.000 Mitarbeiter. Mit Marken wie Hexal und 1A Pharma gehört Sandoz neben Teva aus Israel und dem US-Konzern Viatris zu den drei größten Generikakonzernen der Welt.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Sandoz immerhin einen Umsatz von 9,6 Milliarden Dollar und stand damit für über 19% der gesamten Konzernerlöse. Seit 2004 hat die Sparte den Umsatz in etwa verdoppelt. Vor allem die Übernahme der deutschen Hexal-Gruppe für 1,7 Milliarden Dollar im Jahr 2005 war ein beachtlicher Meilenstein.

….aber rückläufigen Gewinnmargen

Allerdings sind die Margen seit Jahren rückläufig. In den letzten 10 Jahren ist die Betriebsgewinnmarge um 5 Prozentpunkte auf 10% geschrumpft. Damit ist die Profitabilität nur halb so hoch wie im gesamten Novartis-Konzern. Insbesondere in den USA macht der Tochter der Preisdruck im wettbewerbsintensiven Gesundheitsmarkt zu schaffen.

Abspaltung dürfte zeitnah erfolgen

Laut Finanzkreisen dürfte eine Abspaltung bereits vor Ende nächsten Jahres über die Bühne gehen. Mit dem Schritt würde Novartis seine Diversifizierungsstrategie endgültig begraben. Bis auf Sandoz hat der Konzern bereits seine Firmenstruktur umgekrempelt. So hatte Novartis beispielsweise im Jahr 2019 den Augenheilkunde-Spezialist Alcon über einen Börsengang vom Konzern abgespalten.

Novartis-Konzern mit solidem Wachstum

Während Sandoz im dritten Quartal einen leichten Umsatzrückgang verkraften musste, konnte Novartis konzernweit die Erlöse weiter ankurbeln. Diese stiegen um 6% auf rund 13 Milliarden Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis der Tochter war im vergangenen Quartal um 13% eingebrochen. Konzernweit konnte Novartis hingegen einen Anstieg um 10% auf rund 4,5 Milliarden Dollar verbuchen.  Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 43% auf 2,8 Milliarden Dollar.

Im Gesamtjahr peilt das Novartis-Management unverändert einen Umsatzanstieg zu konstanten Wechselkursen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich an. Der bereinigte operative Gewinn soll stärker als der Umsatz und im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Dabei setzt der Konzern darauf, dass auch im Schlussquartal wieder mehr Medikamente verschrieben werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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