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Pfizer schluckt britisches Biotech-Unternehmen ReViral

Inhaltsverzeichnis

Der vor allem für seine blauen Potenzpillen bekannte US-Pharmariese Pfizer ist wieder auf Einkaufstour gegangen. Am vergangenen Donnerstag gab der weltgrößte Pharmakonzern bekannt, dass er das im britischen Stevenage/Herefordshire (rund 40 km nördlich von London) beheimatete biopharmazeutische Unternehmen ReViral Ltd. gekauft hat.

Pfizer zahlt bis zu 525 Mio. US-Dollar

In einer gemeinsamen Presseerklärung gaben die Unternehmen bekannt, dass sie eine entsprechende Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben. Beide Parteien haben sich auf einen Kaufpreis von bis zu 525 Mio. US-Dollar (USD – etwa 483 Mio. Euro) geeinigt. In dieser Summe sind Vorauszahlungen und mögliche Meilensteinzahlungen enthalten.

ReViral im Kurzporträt

Pfizer als weltweit führender Pharmakonzern wird auch Ihnen bekannt sein. Doch das innovative britische Startup ReViral ist in der breiten Bevölkerung eher unbekannt und daher möchte ich Ihnen das Startup gerne etwas ausführlicher vorstellen.

Das Biotech-Startup ReViral wurde 2011 in England gegründet und ist spezialisiert auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung neuartiger antiviraler Therapeutika. Der Schwerpunkt von ReViral liegt in der Behandlung des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).

Das RSV-Virus befällt die Atemwege und kann bei Hochrisikogruppen wie Kleinkindern, immungeschwächten und älteren Personen zu schweren und lebensbedrohlichen Infektionen der unteren Atemwege (z.B. chronische Bronchitis, Asthma) führen. Schätzungsweise 64 Mio. Menschen infizieren sich weltweit jedes Jahr mit dem Virus, wobei etwa 160.000 an einer RSV-Infektion versterben.

ReViral verfügt über einige vielversprechender therapeutischer Arzneimittelkandidaten, darunter Sisunatovir, die die Fusion des RS-Virus mit der Wirtszelle blockieren. Aktuell wird Sisunatovir in einer klinischen Phase 2-Studie bei Kleinkindern untersucht.

In 4 Finanzierungsrunden konnte das britische Biotech-Startup insgesamt 121 Mio. USD (etwa 111 Mio. Euro) an Risikokapital von insgesamt 9 Investoren einsammeln. Zu den Investoren zählen z.B. die dänische Novo Nordisk Stiftung, der Hongkonger CR-CP Life Science Fund und die französische Investmentgesellschaft Andera Partners.

ReViral befindet sich in Privatbesitz und ist somit nicht börsennotiert. Das Biotech-Startup beschäftigt aktuell 25 Mitarbeiter.

Anleger reagieren positiv

Auch wenn die Übernahme des kleinen britischen Startups für den US-Pharmariesen vom Kaufpreis her gesehen kein ganz großer Deal darstellt, reagierten die Investoren an den Börsen durchweg positiv auf die Transaktion.

So sprang der Kurs der Pfizer-Aktie an der New Yorker Börse NYSE am Donnerstag um stolze 4,3% und ging mit 55,16 USD aus dem Handel. Dies ist ein weit überdurchschnittlicher Wert. So stieg der US-Vergleichsindex S&P500 am Donnerstag nur um knapp 0,6%.

Pfizer will sein RSV-Medikamente-Portfolio erweitern

Pfizer hatte erst Mitte Dezember 2021 den Entwickler von Magen-Darm-Pharmazeutika Arena Pharmaceuticals Inc für 6,7 Mrd. Dollar übernommen. Dagegen ist die Übernahme von ReViral eine vergleichsweise kleine Nummer.

Allerdings rechnet Pfizer damit, dass die RSV-Präparate ein Marktpotenzial von mehr als 1,5 Mrd. USD haben. Voraussetzung hierfür ist, dass die in der Entwicklungspipeline befindlichen RSV-Medikamente von ReViral auch eine Zulassung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden erhalten.

Aus Sicht von Pfizer stärkt die Übernahme von ReViral auch die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten von Pfizer im Bereich der Infektionskrankheiten. Darüber hinaus erweitert die Transaktion die innovative Antiinfektiva-Pipeline von Pfizer, so das Unternehmen in seiner Pressemitteilung.

Wie es weitergehen kann

Da es sich bei ReViral um ein im Privatbesitz befindliches Unternehmen handelt, müssen auch keine Aktionäre dem Deal zustimmen. Zugestimmt haben allerdings die Investoren und weiteren Inhaber von ReViral, indem sie den Kaufvertrag bzw. Übernahmevereinbarung unterschrieben haben. Dennoch bedarf der Deal noch der Genehmigung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden.