Sanofi holt im Kampf um mRNA-Impfstoffe mit Megaübernahme zum Gegenschlag aus

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Sanofi: Pharmagigant holt im Kampf um mRNA-Technologie zum Gegenschlag aus und legt 3,2 Milliarden Dollar-Offerte für Translate Bio auf den Tisch (Foto: Production Perig / shutterstock.com)

Spätestens seit Ausbruch der Corona-Krise stehen mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech und Moderna im Fokus der Pharmabranche. Die Erfolge der Impfstoffe gegen die Pandemie und das langfristige Geschäftspotenzial haben nun auch das Interesse des französischen Pharmagiganten Sanofi geweckt. Mit einem milliardenschweren Deal will sich der Konzern Zugriff auf einen weiteren Hoffnungsträger sichern.

Sanofi legt Translate Bio für 3,2 Mrd. Dollar auf den Tisch

Der französische Pharmakonzern will für 3,2 Milliarden Dollar den bisherigen Kooperationspartner Translate Bio übernehmen. Das entspricht einem Preis von 38 Dollar je Aktie. Dieser Kurs entspricht einem Aufschlag von 37 % auf den Schlusskurs der Aktie vom Montag und liegt 56 % über dem durchschnittlichen Aktienkurs der letzten 60 Tage.

Beide Unternehmen kooperieren bereits bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Sars-CoV-2-Virus auf Basis dieser Botenstofftechnologie. Zu Beginn dieser Allianz lag der Schwerpunkt auf der Nutzung der mRNA-Plattform von Translate Bio zur Entwicklung von Impfstoffen für fünf Infektionskrankheiten mit der Möglichkeit, die Vereinbarung auf andere Krankheitserreger auszuweiten. Die Pandemie bot im vergangenen Jahr die Gelegenheit zu dieser Erweiterung. Neben Covid-19 umfasste die Vereinbarung auch andere Krankheitserreger, wie z. B. die Grippe. Sanofi zahlte Translate Bio für die Ausweitung des Abkommens 425 Millionen Dollar im Voraus, einschließlich einer Kapitalbeteiligung von 125 Millionen US-Dollar an seinem Partner.

Noch kein Medikament auf dem Markt

Ergebnisse zum Corona-Impfstoff, dessen Entwicklung sich gerade in der klinischen Phase 1/2 befindet, werden im dritten Quartal erwartet. Produktumsätze macht das 2016 gegründete Unternehmen Translate Bio bislang noch nicht. Im abgelaufenen Jahr erzielte die Firma einen Nettoverlust von 53,8 Millionen Dollar. Medikamente hat Translate Bio bislang noch nicht auf dem Markt.

Management und Großaktionär stehen hinter dem Deal

Dabei dürften 30% der Aktien bereits in trockenen Tüchern sein: Sowohl Management des US-Unternehmens als auch der bisherige Großaktionär Baupost Group unterstützen die Transaktion. Der Zeitplan ist straff. Noch im laufenden dritten Quartal soll der Deal final abgeschlossen werden. Finanziert werden soll der Zukauf aus eigenen Mitteln.

mRNA-Technologie bei Sanofi im Fokus

Mit Translate Bio könne Sanofi ihre Ziele im Bereich mRNA-Technologie und Entwicklung von Impfstoffen als Therapeutika vorantreiben, so Sanofi-Chef Paul Hudson. Neben dem Corona-Impfstoff forschen beide Firmen auch an einem mRNA-Impfstoff zum Einsatz gegen die saisonale Grippe. Zudem forscht Translate Bio an einem Präprarat gegen die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose.

Hohe Investitionen geplant

Sanofi sagt, die Vereinbarung baue auf seinem kürzlich eingerichteten mRNA-Exzellenzzentrum auf. Ende Juni kündigte das Unternehmen an, es werde jährlich 400 Millionen Euro bzw. etwa 475 Millionen Dollar investieren, um die mRNA-Forschung und -Entwicklung zu beschleunigen. Bis 2025 sollen mindestens sechs Impfstoffe in die klinische Entwicklung gebracht werden. Das erklärte Ziel ist es, die Anwendungsbereiche der mRNA-Technologie deutlich zu erweitern. So stehen die Bereiche Immunologie, Onkologie und seltene Krankheiten im Fokus der Franzosen.

Alternativangebot eher unwahrscheinlich

Nach der Meldung notierte die Translate Bio-Aktie mit 37,67 Dollar knapp unter der Offerte von 38 Dollar. Ein rivalisierendes Angebot erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Sollte jedoch ein anderes Unternehmen mit einem besseren Angebot auftauchen, kann der Vorstand von Translate Bio dieses in Betracht ziehen. Die Annahme eines solchen Angebots würde jedoch dazu führen, dass das mRNA-Unternehmen eine Kündigungsgebühr in Höhe von 96 Millionen Dollar zahlen müsste. Zumal die Kooperation der beiden Firmen eine solide Grundlage für die Zukunft darstellt.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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