Thermo Fisher schluckt Auftragsforscher PPD für 17,4 Mrd. Dollar

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Der Medizintechnik-Gigant Thermo Fisher hat wieder zugeschlagen: Für stolze 17,4 Mrd. Dollar übernimmt er den US-amerikanischen Auftragsforscher PPD. (Foto: fotogestoeber)

Im Pharmasektor ist es in der letzten Woche wieder zu einem spektakulären Übernahme-Angebot gekommen, bei dem ein für seine Firmenzukäufe bekanntes Unternehmen beteiligt ist:

Am vergangenen Donnerstag gab der Vorstand des führenden Medizintechnik-Herstellers Thermo Fisher Scientific Inc. bekannt, dass er sich mit dem Vorstand des Auftragsforschers Pharmaceutical Product Development LLC (PPD) (LLC steht für Limited Liability Company) auf einen Übernahmevertrag geeinigt hat.

Thermo Fisher zahlt stolze 17,4 Mrd. Dollar zzgl. Übernahme der Schulden

Die Übernahme des weltweit führenden medizinischen Auftragsforschers PPD lässt sich Thermo Fisher richtig was kosten: Für jede PPD-Aktie bietet das Unternehmen stolze 47,50 US-Dollar (USD – das sind etwa 39,51 Euro) in bar.

Unter dem Strich bedeutet das einen Gesamtkaufpreis von 17,4 Mrd. USD in bar. Dazu kommt noch die Übernahme der PPD-Nettoschulden in Höhe von etwa 3,5 Mrd. USD.

PPD-Aktionäre erhalten Übernahmeprämie von 24%

Das Angebot an die PPD-Anteilseigner beinhaltet einen Aufschlag von ca. 24% auf den Schlusskurs der PPD-Stammaktie vor Bekanntwerden der Übernahme, bzw. 32% auf den 60-tägigen volumengewichteten Durchschnittspreis der PPD-Papiere.

Sie müssen wissen: Die gebotene Übernahmeprämie ist mit 24% nicht einmal besonders hoch ausgefallen. Gerade im Pharma- und Medizintechnik-Bereich werden häufig wesentlich höhere Aufschläge gezahlt. In einigen Fällen wurden bei Übernahmen in diesem Sektor sogar dreistellige Prämien geboten.

Gut gefüllte Kriegskasse

Auch wenn der Übernahmepreis mit insgesamt fast 21 Mrd. USD recht hoch ausfällt, dürfte die Finanzierung des Mega-Deals für Thermo Fisher kein Problem sein. Schließlich ist Thermo Fisher im letzten Jahr mit seiner 11,3 Mrd. Euro schweren Offerte für das deutsch-niederländische Unternehmen Qiagen gescheitert.

Erfolgreicher war Thermo Fisher allerdings in 2019 als der Laborausstatter aus Waltham, Massachusetts das ebenfalls in Massachusetts beheimatete Biotechunternehmen Brammer Bio für 1,7 Mrd. USD aufkaufte. 2017 schluckte Thermo Fisher die niederländische Firma Patheon N.V. für 7,2 Mrd. USD.

Kurssprung bei PPD

An der New Yorker Börse sprang der Kurs der PPD-Aktie am Mittwoch, dem Tag des Bekanntwerdens der Übernahme, um 11,5% auf 43 USD. Bis Freitag konnte der Kurs noch weiter zulegen und ging mit 46,27 USD ins Wochenende.

Damit werden die PPD-Papiere etwas unterhalb der von Thermo Fisher gebotenen 47,50 USD bewertet. Dies deutet darauf hin, dass die Investoren von einem reibungslosen Ablauf des Deals ausgehen.

Das ist allerdings auch nicht verwunderlich: So teilte Thermo Fisher in seiner Pressemitteilung mit, dass das Unternehmen sich bereits im Vorfeld für 60% der PPD-Stammaktien eine Andienungszusage von Großaktionären gesichert habe.

Für die Genehmigung der Transaktion sind laut Thermo Fisher somit „keine weiteren Maßnahmen durch andere PPD-Aktionäre erforderlich“.

Während der Kurs der Thermo-Fisher-Papiere am Mittwoch noch leicht im Minus lag, sprang er am Donnerstag um gute 3,7% nach oben. Der Markt würdigt damit den vielversprechenden Zukauf der PPD.

Thermo Fisher erweitert sein Angebotsspektrum im 50-Mrd.-Dollar-Markt

Durch die Übernahme von PPD erweitert Thermo Fisher sein Angebot im Zukunftsmarkt für klinische Forschungsdienstleistungen. Dies betont auch Marc N. Casper, Vorsitzender, Präsident und Chief Executive Officer von Thermo Fisher Scientific:

„Pharma und Biotech ist unser größter und am schnellsten wachsender Markt und unsere Kunden schätzen uns als strategischen Partner und Branchenführer. Die Übernahme von PPD ist eine natürliche Erweiterung für Thermo Fisher und wird es uns ermöglichen, diesen Kunden wichtige Dienstleistungen im Bereich der klinischen Forschung anzubieten.“

Thermo Fischer geht davon aus, dass die Transaktion das bereinigte Ergebnis je Aktie von Thermo Fisher bereits im ersten Jahr nach Abschluss der Transaktion um 1,40 USD steigern wird. Darüber hinaus erwartet das Unternehmen bis zum dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion Synergien in Höhe von insgesamt etwa 125 Mio. USD.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzüberblick

Thermo Fisher Scientific Inc. ist der weltweit führende Laborausstatter mit einem Jahresumsatz von über 30 Mrd. USD. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 80.000 Mitarbeiter.

Hauptprodukte des Unternehmens sind medizinische bzw. wissenschaftliche Analysegeräte, wie z. B. Chromatographie-Geräte und Elektronenmikroskope. Thermo Fisher Scientific entwickelt auch Labor-Informations- und Management-Systeme und ist darüber hinaus ein weltweit führender Anbieter von Laborverbrauchsmaterialien und -chemikalien.

PPD ist ein weltweit führendes Unternehmen für klinische Forschung, das umfassende, integrierte Dienstleistungen in den Bereichen Arzneimittelentwicklung, Labor und Lifecycle Management anbietet.

Zu den Kunden des in Wilmington, North Carolina ansässigen Unternehmens zählen pharmazeutische, biotechnologische, medizintechnische, akademische und staatliche Organisationen. So wurde PPD von Moderna beauftragt, die Covid-19-Studienstandorte des US-Konzerns zu betreuen.

PPD hat weltweit Niederlassungen in 47 Ländern. In 2020 erwirtschafteten die mehr als 26.000 PPD-Mitarbeiter einen Umsatz von 4,68 Mrd. USD und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 876 Mio. USD.

Der Mega-Deal soll bis Ende 2021 abgeschlossen werden. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Erfüllung der üblichen Abschlussbedingungen einschließlich des Erhalts der entsprechenden behördlichen Genehmigungen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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