3D Systems: Restrukturierungserfolge lassen Aktie des 3D-Spezialisten durch die Decke gehen

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3D Systems nach den Zahlen mit kräftigen Kurskapriolen: Anleger feiern erste Restrukturierungserfolge (Foto: fotogestoeber)

Schwache Nerven dürfen Sie bei der Aktie des 3D-Druck-Konzerns 3D Systems nicht haben. Zwar konnten Anleger auf Zwölfmonatssicht Kursgewinne von 450% einfahren, aber die zwischenzeitlichen Kursschwankungen waren immens. Zumal die Aktie mit 33 Dollar weiterhin signifikant unter dem Allzeithoch von 96 Dollar liegt, das im Jahr 2013 markiert wurde.

3D-Systems im Porträt

Das Unternehmen 3D-Systems wurde bereits 1986 vom Erfinder des 3D-Drucks (Rapid-Prototyping-Systems) Charles („Chuck“) Hull gegründet. Heute gehört 3D-Systems zu den führenden Unternehmen im 3D-Druck. Das Unternehmen erstellt Produktkonzeptmodelle, Präzisions- und Funktionsprototypen, Mustervorlagen für Werkzeuge sowie Produktionsteile für die direkte digitale Fertigung. Es nutzt dabei eigene Prozesse, um physische Objekte mithilfe von computergestützter Entwurfs- und Fertigungssoftware oder 3D-Scanning- und 3D-Sculpting-Geräten herzustellen.

Die Einsatzbereiche sind unglaublich vielfältig

Was verbirgt sich eigentlich hinter der zukunftsträchtigen Technologie? Kurz zur Erklärung: Der Begriff 3D Druck beschreibt ein Fertigungsverfahren, bei dem dreidimensionale Werkstoffe und Produkte durch das schichtweise Aufbringen von Materialien hergestellt werden. Durch den Vorgang lassen sich komplexe Werkstücke auf Basis von vorgegebenen CAD-Grafiken herstellen. Gegenüber Spritzgussverfahren oder anderen herkömmlichen Herstellungsprozessen hat der 3D-Druck den Vorteil, dass man beim Fertigungsprozess nahezu ohne Materialverlust und ohne aufwändige Zwischenschritte wie die Herstellung von Gussformen auskommt.

Für den Fertigungsprozess im Bereich 3D-Druck werden vor allem Polymere, Kunstharze, Kunststoffe, Keramik aber auch Metalle verwendet. Aktuell existieren verschiedene 3D-Druckverfahren wie etwa Lasersintering, Electronic Beam Melting, Stereolithographie, oder Digital Light Processing, wobei der Einsatz dieser Verfahren meist durch das jeweils verwendete Grundmaterial vorgegeben wird.

Anwendung findet das 3D-Druckverfahren mittlerweile in vielen Bereichen der industriellen Fertigung, wobei diese additive Produktionsverfahren unter anderem zur Herstellung von Flugzeugteilen, medizinischen Implantaten, Plastik-Teilen, oder Komponenten für die Automobilindustrie verwendet werden.

Umsatz überschreitet Vor-Pandemie-Niveau

Für den jüngsten Kurssprung war die Präsentation der Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal verantwortlich: Der Umsatz kletterte um 45% auf 162,6 Millionen Dollar. Das lag 19,32 Millionen Dollar über den Analystenschätzungen. Erfreulich: Nicht nur im Vergleich zum schwachen, durch Corona-geprägten Vorjahresquartal, konnte der Konzern wachsen. Im zweiten Quartal lag der Umsatz auch wieder über dem Vor-Corona-Niveau (Q2 2019: 157 Mio. Dollar). Angepasst um verkaufte Unternehmensbereiche lag der Umsatz sogar um 11,4% über dem zweiten Quartal 2019.

Nachfrage im Healthcare-Markt sorgt für Rückenwind

Die Ergebnisse spiegeln die anhaltende Stärke im Bereich Healthcare und eine im Vergleich zum letzten Quartal gestiegene Nachfrage von Industriekunden wider. Der Umsatz im Bereich Healthcare stieg im Jahresvergleich auf 82,8 Millionen Dollar (+68,6%). Vor allem die zuletzt starke Nachfrage bei medizinischen Anwendungen sowie eine starke Nachfrage nach Dentalmaterialien hatten die Geschäfte beflügelt. Im Bereich Industrial erhöhte sich hingegen der Umsatz um 25,3 % auf 79,7 Millionen Dollar beziehungsweise um 49,6 %, wenn man die in den Jahren 2020 und 2021 veräußerten Geschäftsbereiche nicht berücksichtigt.

Im Segment Dienstleistungen gab es nur ein kleines Plus von 6 % auf 54 Millionen Dollar.

Rentabilität deutlich verbessert

Auch bei der Gewinnentwicklung machte der US-Konzern Fortschritte: Am Ende stand ein bereinigter Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 20,1 Millionen Dollar in den Büchern nach einem Verlust von 3,6 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Das ist unter anderem auf den massiven Abbau von 20% der Personaldecke zurückzuführen.

Fazit: Die Ergebnisse von 3D Systems lagen deutlich über den Erwartungen. Auch bilanziell ist der Konzern nach den Verkäufen von Aktivitäten, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, mittlerweile besser aufgestellt. Keine Verbindlichkeiten, einen Cash-Bestand von 131,8 Millionen Dollar und einen Kreditrahmen über 100 Millionen Dollar lassen kurzfristig keine Sorgen aufkommen. Allerdings impliziert die Bewertung einem Börsenwert von über 4,2 Milliarden Dollar bereits viel Phantasie. Jetzt muss der Konzern zeigen, dass er nachhaltig wachsen und vor allem die Profitabilität deutlich steigern kann. Bis dahin sollten sich Anleger weiter auf sehr schwankungsintensive Zeiten einstellen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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